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.Prof. Dr. Tilman Osterwold, Kurator: Die Kunst lebt...von Menschen gemacht, handelt, verwandelt und richtet sich an Menschen... Zu einer Kulturreise nach Baden-Württemberg

Die umfassende Landesausstellung „Kunst lebt!“ präsentiert Schätze aller Landesmuseen in erlebnisorientiertem Themenkonzept: „Die Welt mit anderen Augen sehen“ – unter diesem Motto findet vom 25. Mai bis 24. September 2006 im Kunstgebäude am Stuttgarter Schlossplatz die große Landesausstellung „Kunst lebt!“ statt.
Kontakt:
Dr. Susanne Schmidt, Tobias Rockel: Öffentlichkeitsarbeit „Kunst lebt!“ TC Gruppe / komm.passion
Fax.: 0711 / 50 53 65 51 Fax.: 07141 / 128 - 410
Email: info@kunstlebt.de  Email.: tobias.rockel@komm-passion.de
Dr. Gunter Schanz: Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst, Baden-Württemberg
Fax: 0711 / 279 30 81; Email: presse@mwk.bwl.de


Kunst lebt - im Überblick -
300 Exponate - von allen Welt(Hoch?)- und Regional(Volks?)- Kulturen aller Epochen werden präsentiert.

Erstmals wird damit ein Querschnitt der Spitzenexponate aus allen elf Landesmuseen
sowie zahlreichen weiteren baden-württembergischen Kultureinrichtungen zu sehen sein.
Den Rahmen bildet ein außergewöhnliches Ausstellungskonzept. Die Besucherinnen und Besucher
sollen die rund 300 einzigartigen Exponate nicht nur als Vertreter der jeweiligen Gattungen, Epochen
oder Kulturkreise wahrnehmen, sondern diese auf eine ganz neue Weise erleben: als Sinnbilder für
die großen, zeitlosen Themen des menschlichen Daseins wie „Liebe“, „Tod“, „Natur“, „Schönheit“ oder
„Technik“.
„Das Land Baden-Württemberg verfügt über zahlreiche Museen und Kultureinrichtungen, die einen
ungeheuren Reichtum an Kunstwerken besitzen. Unter all diesen Exponaten wählen wir die
interessantesten aus und werden sie nach den universalen Themen des Lebens neu gruppieren, um
so ein abwechslungsreiches und vielschichtiges Portrait des Menschen zu zeichnen“, erklärte der
Kurator des Projekts, Prof. Dr. Tilman Osterwold, dazu: „Die Ausstellung wird
ein breites Publikum dazu einladen, sich auf eine spannende Entdeckungstour durch die Welt der
Kunst und des eigenen Lebens zu machen.“

Eine transdisziplinäre Museumslandschaft in einer Ausstellung
Unter anderem werden hochrangige Gemälde, Skulpturen aus drei Jahrtausenden
zusammen mit Objekten aus Archäologie und Technik präsentiert.
„In der erstmaligen Kombination unserer Exponate zu Themenfeldern entsteht etwas, das mehr ist als die
Summe seiner Teile...“, verdeutlicht Osterwold. „Dazu bringen wir die Erfahrung und die tiefe
Fachkenntnis der baden-württembergischen Kulturinstitutionen mit der Kreativität und dem
Ideenreichtum junger Studierender der Stuttgarter Kunstakademie zusammen.

Michael Sieber stellt heraus, dass sich die Reihe der erfolgreichen Großen Landes- und
Sonderausstellungen noch in diesem Jahr mit zwei weiteren Veranstaltungen fortsetzt:
Ab 28. September 2006 wird im Landesmuseum für Technik und Arbeit in Mannheim die Ausstellung
„Abenteuer Raumfahrt - Aufbruch ins Weltall“ zu sehen sein. Einer zentralen Epoche der
Landesgeschichte ist die Ausstellung „Königreich Württemberg 1806-1918. Monarchie und Moderne“
gewidmet, die das Württembergische Landesmuseum ab 22. September 2006 im Stuttgarter Neuen
Schloss präsentiert.

Teammitglieder sagen aus

Tobias Rockel, von komm.passion (r.: W. Prankl, kultur-punkt):
"Als Betrachter bin ich zu tiefst interessiert, wegen der erhaltenen Impulse zu den vielfältigen Themen und für die eigene Lebenserfahrung..."                 v.l.n.r.: Prof. Osterwold, Grafikdesign, Prof. Uli Gluss, Ass. Axel Ruhland Arch+Design
              
v.r.n.l.:Prof. Osterwold, Dir. Hans Christ, W. Prankl,M.A.; 
„Bei der Konzeption der Ausstellung haben wir uns überlegt, welche Wirkung eine tatsächliche Reise durch die breite Museumslandschaft Baden-Württembergs auf den Besucher haben würde. An was würde man sich auch nach Jahren noch erinnern? Was könnte eine zentrale Erfahrung sein, welche grundlegende Erkenntnis würde man möglicherweise gewinnen? Alle diese wunderbaren Exponate haben eines gemeinsam. Etwas, das sie über die Jahrtausende, Kulturkreise und Gattungen hinweg verbindet: Sie sind alle Ausdruck dessen, was der Mensch an sich zu empfinden im Stande ist. Sie sind alle Ausdruck oder Abdruck der großen, universalen Themen im Leben des Menschen.“
Dr. Nicole Fritz:
„Wir haben daher einige der interessantesten Exponate der baden-württembergischen
Museumslandschaft ausgewählt, sie bewusst aus ihrem regulären Ausstellungskontext heraus gelöst und sie sorgfältig zu neuen Themenbereichen gruppiert. Entstanden sind dadurch Präsentationseinheiten wie „Liebe“, „Tod“, „Reichtum“ oder „Natur“, die durch die Vielfalt und das Zusammenspiel der jeweiligen Exponate eine Flut von individuellen Assoziationen beim Besucher hervorrufen sollen, ein Meer von Bildern, Gedanken und Referenzen aus der eigenen Biographie."
Dr. Anke Spötter:
„Durch die ungewöhnliche Kombination von Objekten entstehen dadurch auch immer wieder neue Eindrücke und ungewöhnliche Perspektiven, die dazu anregen, sich mit seinen eigenen Lebenserfahrungen neu auseinander zu setzen. Das ist der Zeitpunkt, wenn die Kunst zum Leben erwacht und man beginnt, die Welt mit anderen Augen zu sehen. Die vielfältigen Spannungsbögen und Dialoge zwischen den Exponaten zeigen ein Kaleidoskop der unterschiedlichsten Facetten der großen Themenbereiche und ermöglichen dem Besucher dadurch eine ganz individuelle Entdeckungsreise durch seine persönliche Gedankenwelt. So werden beispielsweise verschiedene Facetten des Themas „Liebe“ durch eine Vielzahl von Exponaten gezeigt: Eine erotische Figur aus Ägypten (150 v. Chr.), eine zeitgenössische Videoarbeit des brasilianischen Solitude-Stipendiaten Laercio Redondo (2000), eine farbenprächtige indische Gouache von Asavari Ragini aus dem 18. Jahrhundert sowie der kunstvoll gestaltete Liebeszettel der Catharina Buch an Johannes Nic. Kress (1821)."
Dr. Ulrich Pfarr:
"Das Ergebnis wird eine Ausstellung sein, die sowohl die breite Öffentlichkeit wie auch das Fachpublikum in ihren Bann ziehen soll. Ein multikulturelles, interdisziplinäres und intermediales Projekt, das Kunst mit Wissenschaften und Alltagskulturen, außereuropäische Kulturen mit westeuropäischer Kunst, Gegenwartskunst mit Werken aus den verschiedensten Phasen der Kunstgeschichte vernetzt. „Und immer ist es die wohlüberlegte Zusammenstellung der Werke gemeinsam mit der qualitätsbewussten und außergewöhnlichen Präsentationsweise, die die
Phantasie des Besuchers immer wieder aufs Neue anstößt und frische Perspektiven eröffnet. Die Architektur der Ausstellung variiert dabei offene und geschlossene Abschnitte, die es dem Besucher erlauben, seinen eigenen Weg durch die Räume zu wählen und sich weitgehend frei mit dem gezeigten Material auseinander zu setzen."
Prof. Osterwold erklärt zusammenfassend:
„Im Grunde geht es also immer um ‚Existenz’ und ‚Ästhetik’. Die ästhetische Darstellung der verschiedenen
Aspekte der menschlichen Existenz hat die Menschheit seit ihrem Entstehen beschäftigt. Dies
gilt heute genauso wie vor 8.000 Jahren. Die Ausstellung zeigt, dass beide Aspekte dabei nie getrennt
von einander stehen können. Selbst Objekte, die in der Natur entstanden sind, werden hier in einen
ästhetischen Kontext eingebettet. Umgekehrt gilt, dass Objekte, die aus einer ästhetischen Intention
heraus von einem Künstler gestaltet wurden, erst im Geist des Betrachters eine eigene Existenz
einnehmen. Vor diesem Hintergrund hat Existenz immer etwas Ästhetisches inne, genau so wie deren
künstlerische Bewältigung immer ein Eigenleben entwickelt. Kurz gesagt: ‚Kunst lebt!’“.

Zu den 5 Themeninhalten
Liebe
Es gibt wohl kaum eine Emotion, die den Menschen so intensiv berührt und immer wieder von neuem
inspiriert und antreibt wie die Liebe. In der Darstellung dieses Themas konzentriert sich „Kunst lebt!“
allerdings nicht nur auf den Aspekt der romantischen Liebe, wie er in den heutigen westlichen
Gesellschaften als Idealvorstellung allgegenwärtig ist. Durch die große Bandbreite der Exponate in
diesem Themenbereich soll vielmehr deutlich werden, dass Menschen je nach Epoche oder
Kulturkreis immer wieder unterschiedliche Vorstellungen von Liebe hatten — und diese auch
gestalterisch umgesetzt haben.
So zeigt „Kunst lebt!“ den Liebeszettel der Catharina Buch an Johannes Nic. Kress, ein historisches
Zeugnis der Alltagskultur aus dem Jahr 1821. Der in Feinarbeit reich verzierte Faltschnitt führt dem
Betrachter die existenzielle soziale und materielle Bedeutung dieser Verbindung, auf die das Paar
über sieben Jahre warten musste, eindrücklich vor Augen. Eine Vielzahl weiterer Exponate ruft immer
wieder neue und vielleicht auch bekannte Assoziationen zum Thema Liebe beim Besucher hervor.
Zu ihnen zählt auch „Das Hochzeitsfest“ (1985/86) von Thomas Huber. Das großformatige Bild zeigt
eine menschenleere festliche Tafel. Es beschreibt damit ein Ritual, dessen Inhalt und Bedeutung
heute nicht mehr selbstverständlich tradiert wird, sondern von jedem Menschen immer wieder selbst
neu erstellt und mit Leben gefüllt werden muss.
Tod
Düster, dunkel, geheimnisvoll — diese Seite des Todes ist nur eine von vielen Facetten dieses
Themas, die „Kunst lebt!“ mit der Wirkungskraft der unterschiedlichsten Exponate beleuchtet. Im Kern
dieses Ausstellungsbereiches geht es darum, die engen und vielfältigen Verbindungen zwischen dem
Tod und dem Leben zu zeigen. Was heute in der westlichen Welt weithin als gesellschaftliches
Tabuthema gilt, wurde in anderen Epochen oder Kulturkreisen ganz anders wahrgenommen.
Gerade die intensive Auseinandersetzung einer Kultur mit dem Tod lässt uns heute viel über das
Leben vergangener Epochen erfahren. „Kunst lebt!“ wird in diesem Zusammenhang unter anderem
ägyptische Grabbeigaben oder Krokodil-Mumien zeigen. Auch im christlichen Europa wurde der Tod
früher wesentlich stärker als täglicher Begleiter wahrgenommen. Das verdeutlicht zum Beispiel ein
Memento-Mori-Ring aus dem 17. Jahrhundert, den man als ständige Erinnerung an einen
Verstorbenen trug. Gleichzeitig sollte er auf die eigene Sterblichkeit hinweisen und damit zum
rechtschaffenen Handeln im Diesseits ermahnen. Gerade in diesem Themenbereich sind es somit
paradoxerweise häufig die Assoziationen zum „Leben“, die am stärksten zur Geltung kommen.
Schönheit
Ob in der Zeitung, im Fernsehen oder auf Plakatwänden — durchgestylte Supermodels begegnen uns
beinahe überall. Für viele sind sie das Schönheitsideal unserer Zeit. Der Fotokünstler Daniele Buetti
zeigt in seinem Werk „Looking for Love (Christian Dior)“ (1997/2000) den makellosen Körper eines
Models, auf dem ein eintätowiertes Markenlogo eine hässliche Narbe hinterlassen hat. „Kunst lebt!“
fasst den Rahmen jedoch weiter. Nicht nur heute, sondern auch in anderen Epochen gab es schnell
wechselnde Moden, die das Idealbild der Schönheit bestimmten. Die ausgestellte weibliche
Mumienmaske (120 – 200 n. Chr.) macht dabei nicht nur deutlich, dass man damals auch im Tod
noch ein Auge für Schönheit übrig hatte. Das zeitlose, mythologische Schönheitsideal der Aphrodite
ist vertreten durch eine Darstellung der Göttin aus Elfenbein, die sich das Busenband bindet — eine
kostbare Verzierung eines Spinnrockens aus der frühen römischen Kaiserzeit.
Das Tierische
Zum Tier pflegt der Mensch seit jeher eine ganz besondere Beziehung. Tiere sind Arbeiter,
Beschützer, Feinde, Forschungsobjekte aber auch Freunde. Eine der zentralen Funktion des Tiers
thematisiert die Ausstellung in diesem Abschnitt: Tiere sind Projektionsflächen der Erfahrungen aus
der Lebenswelt des Menschen. Dies gilt für Märchen, Fabeln und Comics, besonders aber in der
künstlerischen Darstellung. Tiere werden symbolisch beladen und stehen immer wieder metaphorisch
für die äußeren Kräfte und Einflüsse, die das Leben des Menschen bestimmen. Dabei haben sich zu
verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Orten unterschiedliche Konnotationen zu ein und
demselben Tier herausgebildet. Im Gegensatz zur Bedeutung in der christlich-westlich geprägten
Gedankenwelt tritt beispielsweise die Schlange auf der farbenprächtigen Gouache des Inders Asavari
Ragini als froher Botschafter der ersehnten Liebe auf. Die Schlange auf einem alemannischen Sarg
oder einer alemannischen Scheibenfibel wiederum soll Böses abwehren.
Technik
Kunst lebt — auch in der Technik. Dies gilt sowohl im Hinblick auf die Ästhetik, als auch angesichts
der Kreativität, die vielen der ausgestellten Stücke zu Grunde liegt. Beim Künstler genauso wie beim
Ingenieur ist es der schöpferische Akt, der neue Aussagen, neuen Nutzen schafft.
Gleichzeitig wird aber auch die Ambivalenz des Technischen thematisiert. So spiegelt zum einen die
Darstellung des Astronomen in der Reihe der Ludwigsburger Porzellanfiguren den Geist der
Aufklärung wider, der sich die Technik zum reinen Erkenntnisgewinn nutzbar macht. Zum anderen
zeigt das Projekt die zunehmende Medialisierung der Wirklichkeit in der heutigen Welt. Exemplarisch
hierfür steht das größte Exponat der Ausstellung, das Fernsehstudio der SWR-Schwarzwald-Serie
„Die Fallers“. Wirft der Besucher einen Blick durch die Kamera, die auf den leeren Nachbau des
Wohnzimmers der Familie gerichtet ist, entdeckt er, wie die Hauptfiguren der Sendung gemeinsam am
Tisch sitzen. Die Installation steht damit für die zunehmende Virtualität in unserem Leben, in dem
sogar existenzielle Gefühle wie Heimat oder Gemeinschaft aus zweiter Hand erlebt werden.

Fazit:
Kunst lebt - auch die Wüste lebt - wie ein Journalist bemerkte - nur hier wird nicht das Unsichtbare sichtbar sondern das Sichtbare sichtbarer, mit den hervorragend gewählten 300 Exponaten - von allen Welt(Hoch*)- und Regional(Volks*)- Kulturen aller Epochen, bei dieser Kulturreise nach Baden-Württemberg.

* www.kultur-punkt.ch meidet bewusst die alten Fachjargons, die unsere Welten in Hohe und Niedere Kulturen gliedert, so auch die Museen mit ihren völkerkundlichen oder volks- bis stammeskundlichen Begriffsdiskrimierungen.


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