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Plötzlicher Kindstod geht um
Aufklärungsinitiative "Nimm das Schicksal in die Hand" will Präventionsmüdigkeit vorbeugen
http://www.sids.at;  mailto:kink@exakt-pr.at; Informationsmaterial zur Initiative ist u.a. bei Kinderärzten, Gynäkologen und in Apotheken erhältlich. Weitere Informationen finden interessierte Eltern auch unter http://www.mambaby.com
Kontakt: Carina Kink
eXakt PR / Gesundheitskommunikation mit Strategie
Wällischgasse 8/17, A- 1030 Wien, T: +43/1/890 27 76-11, F: +43/1/890 27 76-15

Graz/Wien (pte 07.2006) - Zum Auftakt der österreichischen Aufklärungskampagne "Nimm das Schicksal in die Hand" präsentierten gestern, Donnerstag, in Graz und Wien Experten verschiedener Fachbereiche aktuelle Erkenntnisse, Studienergebnisse und Vorsorgemaßnahmen zum Plötzlichen Kindstod. Initiator ist die SIDS Austria . 2005 starben doppelt so viele Säuglinge wie im Jahr 2004 am Plötzlichen Kindstod, Sudden Infant Death Syndrome (SIDS) genannt. Als Ursache vermuten Experten eine gewisse Präventionsmüdigkeit. Um das Risiko jedes einzelnen Kindes gering zu halten, empfehlen sie verschiedene Vorsorgemaßnahmen.

Kinder sollten in einem Gitterbett mit Lattenrost im Eltern-Schlafzimmer bei einer Umgebungstemperatur zwischen 18 und 20 Grad Celsius schlafen. Dabei sollte das Gitterbett nicht vor Heizkörpern und Fenster aufgestellt werden und sich im Bett keine Stofftiere, Lammfell oder Kopfpolster befinden. Damit die Decke nicht über das Gesicht rutschen kann raten die Experten dazu, dass Kinder in geeigneten Babyschlafsäckchen schlafen. Des weitern sollten Eltern darauf achten, dass die Kleidung des Babys an die Umgebungstemperatur angepasst ist. Im Schlafsack sind daher ein Body oder ein dünner Pyjama ausreichend. Außerdem sollten sie zum Einschlafen nur auf den Rücken gelegt werden, denn Bauch- und Seitenlage erhöhen das SIDS-Risiko. Risikofaktoren für den Plötzlichen Kindstod sind auch Stress durch Alleinsein, Unruhe und seelische Belastungen, daher empfehlen die Experten das Baby nicht allein zu lassen.

Internationale Studien zeigen, dass neben diesen Vorsorgemaßnahmen der Einsatz von Schnullern das SIDS-Risiko vermindert. Die häufigsten Bedenken der Eltern gegenüber dem Einsatz eines Schnullers sind Zahnfehlstellungen und Kieferverformungen. Damit die SIDS-Vorsorge korrekt durchgeführt wird, sollte aber beachtet werden, dass beim Einschlafen ein alters- und kiefergerechter Schnuller gegeben wird. Darüber hinaus sollte der Schnuller nur gegeben werden, wenn ihn das Baby wirklich braucht, also wenn es einschlafen möchte, Trost benötigt oder sich entspannen will. Grundsätzlich sollte der Schnuller nie länger als sechs Stunden durchgehend im Mund gelassen und bis spätestens zum dritten Geburtstag abgewöhnt werden.

Der Plötzliche Kindstod ist der unerklärliche Tod eines Kindes zwischen dem ersten und zwölften Lebensmonat. Nach der Neugeborenenperiode ist SIDS die häufigste Todesursache, welche sich meistens im Schlaf ereignet. Experten vermuten als Ursache ein Zusammentreffen von Regulationsschwächen des Babys und Umgebungsfaktoren. 50 bis 90 Prozent der SIDS-Fälle könnten aber vermieden werden, wenn empfohlene Vorsorgemaßnahmen eingehalten werden. In den Industrieländern liegt die Todesrate zurzeit zwischen 0,3 und 0,8 pro tausend Kinder. Im Jahr 2004 starben in Österreich 16 Säuglinge am Plötzlichen Kindstod, 2005 hat sich diese Zahl mit 31 SIDS-Fällen nahezu verdoppelt.


Empfohlene Vorsorgemaßnahmen

Wien, 13. Juli 2006 - Die nachstehenden Maßnahmen entsprechen dem neuesten Stand der Wissenschaft und sollten unbedingt eingehalten werden, um das Risiko jedes einzelnen Kindes möglichst gering halten.

- Kinder sollten zum Einschlafen nur auf den Rücken gelegt werden. Bauch- und Seitenlage erhöhen das SIDS-Risiko.
- Kinder sollten in geeigneten Babyschlafsäcken schlafen. Diese müssen immer genau zur Größe des Kindes passen. Keine Decken verwenden, da diese über das Gesicht rutschen können.
- Es sollten nur feste, luftdurchlässige Matratze in gutem Zustand verwendet und keine Kunststoff-Unterlagen zwischen Leintuch und Matratze gelegt werden.
- Kinder sollten im Elternschlafzimmer, jedoch in einem eigenen Gitterbett schlafen, das einen Lattenrost haben soll. Gitterbetten nicht vor Heizkörpern und Fenster aufstellen.
- Im Gitterbett kein Lammfell, keine Nester und Kopfpolster sowie keine Stofftiere platzieren.
- Umgebungstemperatur im Schlafzimmer sollte zwischen 18 und 20 Grad Celsius liegen.
- Die Kleidung des Babys sollte der Umgebungstemperatur angepasst sein. Eltern neigen dazu, ihre Kinder zu warm anzuziehen. Im Schlafsack genügt ein Body oder ein dünner Pyjama – keine Socken, keine Hauben, etc. Je höher die Umgebungstemperatur umso weniger soll das Baby anhaben.
- Babys sollten nicht allein gelassen werden. Stress durch Alleinsein, Unruhe und seelische Belastungen sind Risikofaktoren für den Plötzlichen Kindstod.
- Babys sollten – wenn möglich – in den ersten sechs Lebensmonaten ausschließlich gestillt werden. Wenn Säuglinge nicht gestillt werden, sollte unbedingt auf altersgerechte Ernährung und ausreichenden Körperkontakt besonders geachtet werden.
- Rauchen während der Schwangerschaft und in der Lebensumgebung des Babys ist absolut zu vermeiden. Wenn Eltern sich für einen Schnuller entschieden haben, sollte das Baby diesen jedes Mal beim Einschlafen im ersten Lebensjahr bekommen. Schnuller sollten erst verwendet werden, sobald sich das Stillen eingespielt hat. Es gibt allerdings Babys, die keinen Schnuller akzeptieren. Dann sollte auf die Einhaltung der anderen Vorsorgemaßnahmen besonders geachtet werden.
- Regelmäßig Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen durchführen lassen.


Überblick und neueste Zahlen zum Plötzlichen Kindstod verlangen eine neue Aufklärungsinitiative:
Aktuelle österreichische Expertenempfehlung zu SIDS und richtiger Schnullerverwendung

2005 starben doppelt so viele Säuglinge am Plötzlichen Kindstod (= SIDS – Sudden Infant Death Syndrome) wie im Jahr davor. Experten vermuten, dass eine gewisse „Präventionsmüdigkeit“ zu einer Umkehr des über viele Jahre rückläufigen Trends der SIDS-Sterblichkeit beigetragen haben könnte. Diesen Umstand haben Experten verschiedener Fachbereiche zum Anlass genommen, eine aktuelle Anleitung zur Risikoreduktion zu erarbeiten. Im Rahmen der Aufklärungsinitiative unter dem Titel „Nimm das Schicksal in die Hand“ soll diese Expertenempfehlung Medizinern und Eltern österreichweit zugänglich gemacht werden. Wesentlichste Neuerung: Schnuller beim Einschlafen werden nun auch in Österreich empfohlen.

2005 gab es 31 SIDS-Fälle (Quelle: Statistik Austria) in Österreich, womit sich die Anzahl gegenüber 2004 (16 Fälle) nahezu verdoppelt hat. Experten betonen, dass nur die strikte Einhaltung der empfohlenen Vorsorgemaßnahmen das SIDS-Risiko reduzieren kann. „Ziel ist es, Eltern zu zeigen, was sie aktiv dazu beitragen können, um das Risiko ihres Kindes zu minimieren. 50-90% der SIDS-Fälle könnten vermieden werden“, so Univ.-Prof. Dr. Reinhold Kerbl, Leiter der SIDS-Ambulanz an der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde Graz. Träger der Initiative sind neben dem Verein SIDS Austria das Bundesministerium für Gesundheit und Frauen, die Österreichische Apothekerkammer, die Österreichische Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde, der Österreichische Hausärzteverband sowie Babyartikelhersteller MAM.

Internationale Studien zeigen: Schnuller beim Einschlafen reduzieren das Risiko
Internationale Studien haben erwiesen, dass neben schon länger bekannten wirksamen Maßnahmen (u.a. Vermeidung von Bauchlage und Überwärmung im Schlaf sowie Nikotinbelastung) Schnuller beim Einschlafen das SIDS-Risiko signifikant reduzieren. Um die negativen Auswirkungen des Schnullergebrauchs weitgehend auszuschließen, sind auch Empfehlungen zur richtigen Anwendung sowie Auswahlkriterien in die Empfehlung inkludiert.

1993 wurde eine erste Studie veröffentlicht, deren Ergebnis klar auf die risikoreduzierende Wirkung eines Schnullers beim Einschlafen hinwies. Die Studie ergab eine Reduktion des SIDS-Risikos durch den Gebrauch eines Schnullers beim Einschlafen um bis zu 54%. Eine Ende 2005 publizierte Metaanalyse konnte mit Hilfe aufwendiger statistischer Verfahren den Effekt des Schnullers nun über die verschiedenen Studiendesigns hinweg eindeutig quantifizieren und darstellen. In die Metaanalyse eingeschlossen wurden acht nach strengen Kriterien ausgewählte Studien, in denen insgesamt 2.336 SIDS-Fälle Kontrollgruppen von insgesamt 7.123 gesunden Kindern gegenüber gestellt wurden. Die Metaanalyse ergab über alle Studien hinweg eine Reduktion des SIDS-Risikos um 53%, bereinigt um andere Faktoren wie Alter der Mutter oder Schlafposition wurde der risikoreduzierende Effekt des Schnullers mit 61% beziffert. Eine im Dezember 2005 veröffentlichte Studie aus Kalifornien untersuchte 185 SIDS Fälle gegenüber einer Kontrollgruppe von 312 gesunden Kindern. Ergebnis dieser Studie war eine 90%ige Reduktion des SIDS-Risikos durch Schnuller beim Einschlafen. Diesen Ergebnissen zufolge können Schnuller beim Einschlafen auch das erhöhte SIDS-Risiko durch das Schlafen auf dem Bauch oder Nikotinkonsum der Mutter reduzieren bis neutralisieren.

Richtiger Schnullergebrauch verhindert Zahnschäden
Die neuen Studienergebnisse verlangen auch von zahnmedizinischer Seite eine entsprechende Stellungnahme. Zahnfehlstellungen und Kieferverformungen sind die häufigsten Bedenken der Eltern gegenüber dem Einsatz eines Schnullers. „Wenn der Schnuller überlegt eingesetzt wird und gewisse Grundregeln beachtet werden, muss es auch aus zahnmedizinischer Sicht nicht zu Folgeschäden kommen“, so Dr. Verena Bürkle, Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Kinderzahnheilkunde. Wenn sich Eltern zur Verwendung eines Schnullers entschließen, wird zur SIDS-Vorsorge empfohlen, jedes Mal beim Einschlafen einen alters- und kiefergerechten Schnuller zu geben. Wenn das Baby den Schnuller verliert, soll er entfernt werden. Darüber hinaus sollte der Schnuller nur gegeben werden, wenn ihn das Baby wirklich braucht, d.h. wenn es schlafen möchte, Trost braucht oder sich entspannen will. Grundsätzlich ist darauf zu achten, den Schnuller möglichst kurz zu geben und ihn nicht einfach durchgehend im Mund zu lassen. Eine Zeitdauer von mehr als 6 Stunden gilt als kritisch. Spätestens bis zum dritten Geburtstag sollte der Schnuller abgewöhnt werden.

Vereinbarkeit von Stillen und Schnuller
„Entgegen häufig kolportierter Meinung sind Stillen und Schnuller kein Widerspruch, sondern können sich bei richtiger Anwendung sinnvoll ergänzen. Der Schnuller sollte jedoch erst verwendet werden, nachdem das Stillen in Gang gekommen ist“, so Univ.-Prof. Dr. Karl Zwiauer, Leiter der Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde am Landesklinikum St. Pölten. Dies ist üblicherweise spätestens am Ende des ersten Lebensmonats der Fall.

Schirmherrschaft von SIDS Austria
Träger der Initiative ist SIDS Austria, eine Elterninitiative gegen den Plötzlichen Kindstod mit wissenschaftlichem Hintergrund. Bei SIDS Austria können sich Betroffene mit anderen Eltern austauschen und versuchen, das Erlebte gemeinsam zu verarbeiten. Spezialistinnen und Spezialisten aus dem Bereich der Psychologie und der Kinder- und Jugendheilkunde sowie andere Betroffene stehen Eltern dabei zur Seite.


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