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W+B Agentur-Presseaussendung Oktober 2007
Ereignis- und Katalog-Buchbesprechung
<<Dr. Dorothea und Martin van der Koelen (Hrsg.): GÜNTHER UECKER - OPUS LIBER - Verzeichnis der biophilen Bücher und Werke 1960–2005>>
Mit einen Vorwort von Günther Uecker, ausführlichen Werkdaten und Hinweisen auf Zusammenhänge
(deutsch/englisch), Register und Bio-Bibliographie; 544 Seiten, 612 Farb-Abbildungen; Format: 31,5
x 23,5 cm (Hardcover), Leineneinband im Schutzumschlag. ISBN 978-3-931876-66-1; 98 Euro.
Zu diesem Opus ist eine Vorzugsausgabe mit vier Prägedrucken im Buchformat
geplant.CHORUS VERLAG für Kunst und Wissenschaft, Mainz, 2007;
www.chorus-verlag.de; dvanderkoelen@chorus-verlag.de

Die GRUNDLAGE
für die vorliegende Publikation bildeten Berichte und Zeugnisse des Künstlers, welche den Bezugsbereich im Wesentlichen
festlegten:
In annähernd 300 Werknummern und
mehr als 600 Abbildungen wird hier
versucht, diesen von Uecker recht weit
gefassten Begriff anschaulich zu machen.
Nicht nur klassische Künstlerbücher (Vom
Licht, Graphein) und Mappenwerke
(Regen), Buchobjekte (Kleines weißes Buch)
oder großformatige Schriftbilder in Form
von Tüchern (Brief an Peking, Ulmer
Schwörbriefe) sind hier vertreten, sondern
auch zahlreiche Relikte von Aktionen
(Pfeilschießen, Straße weiß gestrichen), die
von diesen ›wie ein Buch‹ berichten, und
Objekte, deren Buchnähe sich lediglich
über den Titel erschließt (Heimatdichtung).
Manuelle Strukturen mit Schriftcharakter
und schließlich zahlreiche
unalphabetische Werke Zum Schweigen der
Schrift kommen ebenso vor, wie die vom
Künstler konzipierte Uecker-Zeitung und
sämtliche Flugblätter, die sich leicht in die
Thematik einfügen. Es gibt jedoch auch
Arbeiten, deren Buchnähe nur metaphorisch
ahnbar ist (Rot ist schön, Schnick Schnack Schnuck).
Zu jeder Arbeit gibt es die Basiswerkdaten
wie Titel, Jahr, Größe und Material.
Bei Editionen und Mappenwerken sind
zudem Auflagen und Herausgeber
genannt. Darüber hinaus finden sich zu
sämtlichen Werken beschreibende
Kurztexte, die den Zusammenhang zur
Thematik verdeutlichen. Alle Texte und
Angaben sind in deutsch und englisch.
Dem Opus vorangestellt ist ein handschriftlicher
Text des Künstlers, der seine
Überlegungen zum Thema formuliert.
Der Appendix enthält ein alphabetisch
sortiertes Register, biographische
Notizen mit Studium, Lehrtätigkeit und
Auszeichnungen, sowie eine Auswahl
seiner Einzelausstellungen und monographischen
Publikationen. Auf weitergehende
Bio-Bibliographische Angaben
wurde aufgrund der Fülle des Materials verzichtet.

BIOGRAFISCHES zu GÜNTHER UECKER:
Geboren am 13. März 1930 in Wendorf (Mecklenburg);
Studium 1949–53 an der Fachhochschule für
angewandte Kunst in Wismar und der Kunsthochschule
Berlin-Weißensee, 1955–57 Studium an der
Kunstakademie in Düsseldorf bei Otto Pankok;
1957 erste Nagelbilder; seit 1958 Teilnahme an
Ausstellungen der Gruppe ZERO, Mitglied ab
1961; 1960 erste Einzelausstellung in der Galerie
Schmela in Düsseldorf; 1963 erster Preis für
ZERO und gruppo n auf der 4. Biennale in San
Marino; 1964 ZERO-Teilnahme auf der documenta
III in Kassel; 1964 Förderpreis für junge Künstler
des Landes Nordrhein-Westfalen; 1965 Preis der
4. Biennale des Jeunes von Paris; 1966 Atelier in
New York; 1966 die ZERO-Gruppe löst sich auf;
1968 Teilnahme an der documenta IV in Kassel;
1968 erste Ausgabe der Uecker-Zeitung; 1970
Teilnahme am Deutschen Pavillon der 35. Biennale
in Venedig; 1971 Beteiligung an der Biennale in São
Paulo. Preis Fundação Bienal de São Paulo;
ab 1976 Professor an der Kunstakademie Düsseldorf;
1977 Teilnahme an der documenta VI in
Kassel; 1977 WDR-TV-Film; 1979 Beteiligung an
der 3. Biennale in Sydney; 1983 Verleihung des
Kaiserrings der Stadt Goslar; 1985 Gastprofessur
an der 32. Sommerakademie für Bildende Kunst in
Salzburg; 1985 Bundesverdienstkreuz 1. Klasse;
1987 Max Reger Medaille der Stadt Weiden;
1988 große Retrospektive im Zentralen Künstlerhaus
am Krimwall in Moskau; 1988 Verdienstorden
des Landes Nordrhein-Westfalen; 1993 Werkgruppe
Der geschundene Mensch für eine Wanderausstellung
des Instituts für Auslandsbeziehungen;
1995 Großer Preis der 21. Internationalen Grafik-
Biennale in Ljubljana; 1996 Chilenischer Kritikerpreis
für die beste ausländische Ausstellung des
Jahres; 1998 Medaille von Masowien in Warschau;
Gestaltung des Andachtraumes im Reichstagsgebäude
in Berlin; 1999 Erster Preis im Wettbewerb
Skulpturenpark Kamp-Lintfort; 2000 Aufnahme in
den Orden Pour le mérite für Wissenschaft und Künste.
2001 Verleihung des Bundesverdienstkreuzes mit
Stern. Günther Uecker lebt und arbeitet in Düsseldorf.

INHALT
Der im September 2007 erscheinende schwergewichtige Band Günther
Uecker — Opus Liber greift einen ganz speziellen Aspekt aus dem umfassenden
Oeuvre des 1930 in Mecklenburg geboren Künstlers auf, der bislang nie in
diesem Umfang publiziert worden ist: den der Bibliophilen Bücher und Werke.
Günther Uecker, der zu den international bekanntesten deutschen Künstlern
der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zählt, nahm bereits 1964, im Umkreis
von ZERO, an der Documenta III in Kassel teil. 1970 vertrat er Deutschland an
der Biennale in Venedig. 1976-1995 lehrte er als Professor an der Kunstakademie
in Düsseldorf. Zu seinen zahlreichen Auszeichnungen gehört u.a. der
›Kaiserring der Stadt Goslar‹ (1983). Er ist Mitglied im ›Orden Pour le Mérite‹.
Die Grundlage für die vorliegende Publikation bildeten Berichte und Zeugnisse
des Künstlers, welche den Bezugsbereich im Wesentlichen festlegten,
wobei deutlich auf die Schwierigkeit der Abgrenzung hingewiesen werden
muß. In annähernd 300 Werknummern und mehr als 600 Abbildungen wird
hier versucht, den von Uecker recht weit gefassten Begriff anschaulich zu
machen. So sind nicht nur klassische Künstlerbücher und Mappenwerke,
Buchobjekte oder großformatige Schriftbilder in Form von Tüchern hier
vertreten. Auch zahlreiche Relikte von Aktionen, die von diesen ›wie ein Buch‹
berichten, sind mit einbezogen worden. Hinzu kommen Objekte, deren Buchnähe
sich lediglich über den Titel erschließt. Einen großen Bereich nehmen
Manuelle Strukturen mit Schriftcharakter und zahlreiche unalphabetische
Werke Zum Schweigen der Schrift ein. Diese kommen ebenso vor, wie die vom
Künstler konzipierte Uecker-Zeitung und sämtliche Flugblätter, die sich aufgrund
ihres Schriftcharakters leicht in die Thematik einfügen. Es gibt jedoch
auch Arbeiten, deren Buchnähe nur metaphorisch ahnbar ist wie die Objektansammlung
"Rot ist schön" beispielsweise oder "Schnick Schnack Schnuck"...

SELBSTAUSSAGE
UECKERs handgeschriebenen Texte in deutsch
können hier nicht bildlich wiedergegeben werden
daher in englisch:
1

The word spoken from mouth to
mouth is read.The Scream, the
expression of existence, the perceived
changes stammered through sensation.
Lattices and fences, protectively
confined and enclosed, are stacked
under covers in the box, bound,
safely hidden, protected and read.
“To keep the writing silent or one’s
lips sealed”. Read silently. Keeping
silent is perceived in structures for
plastic sensation, felt as a secret, the
art of reading experienced as a
mentally observed process.
Present structures can be understood
as a language of our intellectual
existence.

2
Contradictions united in man are the
expression of his poetic power, his
joie de vivre in the love of books in
expanding conceivable realities.
Ideas awaken unconscious memories,
emerge from the dark, interweave
into changeable relationships to the
reader.
Its genetic structure combines with
the symbols and figures in an
inexhaustible constellation of the
unique in the multitude, that forms
a complete whole.

3
Stamping the moment, visionary,
crossing over boundaries;“Das
Alphabetische” (The Alphabetical)
names the unnamed in an alternating
relationship of meaning and
selection.The picture, the visible
object, is circumscribed, described,
explained.
The picture begins where words fail.
In the speechlessness, a dimension of
silence can be experienced.

4
So the items listed here, books and
sculptures in layers, connections,
misscuts, affixations are to be
understood in the combination of
word and image, made visible on the
border of the inexpressible.

5
The “Bibliophilen Werke” (Bibliophile
works) are beguiled, stitched, split,
nailed up.
Separations are joined together, torn
apart, connected, tangled together,
layered, weighed down.
The word picture written on cloths
hung in the wind.Written down in
sympathy, hit, fragmented, solidified
into the action.
The cutting sharpness of foreseeable
force produced.

6
“Ergeben“ (Yield), a beseeching call
to dialogue failed in order to
overcome own incomprehension, to
make the disconcerting comprehensible,
to understand actions.
Perceptions of the frightening become
symbols and figures. Image damage
for calling up. For pacifying the
destructive capabilities of human
actions. Just like the commandments
for peace from the Bible, the Torah
and the Koran, which can lead to
dialog between their readers and
contribute to an understanding of
common historical spirtual sources.

Uecker 07

FAZIT
Die tiefe Erkenntnis seines und unseres Seins spricht aus Günther Uecker's handgeschriebenen Texten und von seiner
'Gestaltung, die dem UNUM Platon's, dem SUPREMATISMUS Malevitch's, den 90°-STRUKTUREN Mondrian's und den SPRACHREDUKTIONEN Beckett's geistig-seelisch zwangs-verpflichtet wirkend sind , wie in seinem äussersten Bekenntnis von 2007 > "1 : Der Schrei, Ausdruck des Daseins gestammelt erstastend die wahrgenommenen Wandungen, Gitter und Zäune eingefriedet in Schutz und Beschränkung im Kasten unter Deckeln geschichtet, gebunden, geborgen, bewahrt und gelesen... schweigend lesen.. wird zur plastischen Empfindung in Strukturen wahrgenommen, als Geheimnis empfunden..."
Parallel zu diesen weltzugewandten globalen künstlerischen Äusserungen flammt jedoch auch das regionale Gestaltungsmuster unserer Weinberge im Winter, die Immer-Noch-Verschwiegenheit mancher Weiler und auch die Beschränktheit der geistigen Umstände alles unter " Deckeln zu bewahren und "eingefriedet" zu halten... Uecker hat mit seinem Opus Liber ein kongeniales Zeit- und Lebenswerk präsentiert.
 


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