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 J.M.William Turner: Licht und Farbe
376 S. mit zahlreichen farbigen Abbildungen, Hardcover mit Fadenbindung,
Eine Ausstellung in Zusammenarbeit mit Tate: Zusammengestellt und kommentiert von Andrew Wilton
Kunstbuch-Herausgeber: G.W. Költzsch, Wissenschaftliche Assistenz: H. Robinson; Redaktion: I. Bodesohn-Vogel;
Gestaltung: i.de – Sabine an Huef:
Folkwang Museum Essen / DuMont Verlag Köln, 2001 www.dumont.de


Turners Skizzenbuch aus Italien zeigt uns prima vista die janus-anvisierte geniale Gestaltung seiner Licht und Farbgebung. Besonders augenfällig in diesem Kunstbuch auf einer Doppelseite:
Links sehen wir das Forum Romanum (1818) und römische Farbstudien (1819), geprägt von der Antikenliebe des frühen Jahrhunderts. Demgegenüber stehen rechts Studien der Wolkenbildung und von Objekten. Fazit der Betrachtung:
Links zeigt sich ein geradezu bühnenbildartiger Entwerfer, der aufzeichnet, protokolliert, einen Rückblick festhält, die Vergangenheit.
Rechts dagegen entsteht in einer vehementen und geschwindigkeitsbetonter plein air – Manier die wahrhaft geniale zukunftsweisende Gestaltungskraft, die aktueller nicht sein kann, vor der auch ein Hockney von heute an den Rand dieses geradezu vulkanischen Geschehens gedrängt wird – Zukunftgerichtetheit.
Zurecht heisst es auch da in der Museums-Information: "Er war (wir fügen hinzu: und ist) ein Pionier der Farben (und tempogeführten Licht- und) Farben(-gestaltung), ein leidenschaftlicher Tourist und Vorreiter der modernen Malerei (und ist es bis heute geblieben).
Turner lebte von 1775-1851, revolutionierte die Lehre: plädierte für eine Intensivierung der Farbübergänge und postulierte, vor Heissenberg, auf intuitiv - ästhetische Weise die Unschärferelation des Körperlichen in der Malerei. Aber auch Shakespeare wird wachgerufen: Denken wir insbesondere an sein Stück "Der Sturm".
Diese, Zeiten vorauseilende Unschärfe, hat ihm klarerweise nicht nur begeisternde Freu(n)de bereitet.
Geblieben ist die Anziehungskraft und Anregung, die für die Malerei unserer Tage von ausserordentlicher Wichtigkeit ist.
Der Intim-Kenner und Kommentator Wilton, sowie der Herausgeber Költzsch stellen uns auch die in den Alltag wirkende Persönlichkeit, den Biedermann Turner vor.
Beide sprechen von einer Persönlichkeit, mit Fingerspitzengefühl, Diplomatie und Überlebenskraft, die kluge Massnahmen vornahm, um das poligame Intimleben zu schützen und zugleich das Entzücken der Kritiker, der Sammler sowieso, "hevorzulocken".
Sine Amore, sine Arte non est vita.


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