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<< Meina Schellander: "Meine Arbeit gibt mir neue Hoffnung." Ein Statement zur Verleihung des Kulturpreises des Landes Kärnten >>
Meina Schellander, Wiesengasse 32/1/6, 1090 Wien
T/F 01/31 51 473; M 0664/73 76 81 47; meina.schellander@aon.atwww.meische.at

Mein Leben war und ist mit schöpferischer Arbeit ausgefüllt, es bleibt noch viel zu tun. Nun
geht es darum, meine Gedanken zu fokussieren, Höhen und Tiefen sind zu bewältigen.
Durch die überraschende Verleihung des Kulturpreises des Landes Kärnten fühle ich mich
herausgefordert, meiner kritischen Haltung als einer denkenden Arbeiterin mit sozialer Verantwortung
entsprechend ein kulturpolitisches Zeichen zu setzen.
Unser Land liegt im Argen. Es ist durch die spekulativen Machenschaften der Politiker extrem
verschuldet, das Image des Landes ist schwer beschädigt. Versuchen wir das Land, das viel
kreatives Potential in sich birgt, aus dem Tief zu ziehen. Es gibt allerorts eigenverantwortliche
Initiativen, schöpferische Zellen, die, öffentlich kaum gefördert, mit großem persönlichem
Einsatz auch am sogenannten brachen Land engagierte, unangepasste Kulturarbeit leisten.
Dieser Humus ist wichtig, um der hoch subventionierten Event-Kultur Paroli zu bieten. Als
kritische Künstler und Künstlerinnen aller Sparten haben wir die Aufgabe, unbequem und
nachdrücklich die aktuelle, missliche Lage aufzuzeigen. Ich begrüße mit vielen Kolleginnen
und Kollegen die ersten, den Künsten zugeneigten Stellungnahmen des neuen Landesrates
Dr. Wolfgang Waldner. Wir alle hoffen, dass er mit diplomatischer Umsicht, aber auch mit
Kantenprofil eine lang geforderte Neupositionierung der Künste im Lande durchsetzt, bevor die
Kulturschaffenden vor Wut zerplatzen, resignieren oder auswandern.
Wo ist ein Preis für Bildende Kunst, der der überregionalen Bedeutung z. B. eines Bachmann-
Preises für zeitgenössische Literatur entspricht? Bestrebungen dieser Art sind alle im Sand
verlaufen.
Wo ist ein moderner Ausstellungsraum für zeitgenössische Skulptur und Installation? Die
von Franz Erhard Walther geplante Kunsthalle Ritter für Präsentationen bildender Kunst zu
erhalten, wurde hierzulande versäumt.
Wo ist eine qualitativ hochstehende Kulturpublizistik, die, von wenigen Ausnahmen abgesehen,
Echo und Reflexion bietet? Künstlerisch interessante Aktionen, die hier stattfinden, bleiben
zumeist hier stecken, dringen kaum über die Grenzen des Gemütslands Kärnten hinaus. Diese
Umstände gilt es zu analysieren und endlich Konsequenzen daraus zu ziehen.
Ich trete auf als schwarze Raumzelle, bin Raum im Raum im Raum.
Sie ist Protest, Rückzug, Schutz. Meine Haltung bestimmt die Form, die Aktion.
Ich danke den Mitgliedern des Kulturgremiums, dass sie mich für den Kulturpreis ausgewählt
haben. Das Geld der Steuerzahler, das damit verbunden ist, möchte ich vorerst auf ein Treuhandkonto
legen, bis sich die politische Lage in Kärnten soweit ändert, dass eine konstruktive
Zusammenarbeit der neu gewählten Mitglieder der Landesregierung mit akzeptablem Profil
möglich erscheint. Ich weiß, dass dies ein Risiko ist, doch als freischaffende Künstlerin bin ich
es seit Jahrzehnten gewohnt, mit Risiko zu leben.
Meine Arbeit gibt mir neue Hoffnung.
Meina Schellander
Wien, im November 2012


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