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W+B Agentur-Presseaussendung Mai 2007 sowie im Internet-Journal www.kultur-punkt.ch
Ereignis- und Katalogbuchbesprechung
<<Schaulager - Robert Gober: Entwürfe, Skulpturen, Inszenierungen 1979-2007 oder Vegetabile Träume zwischen Apokalypse und Apotheose>>
http://www.schaulager.org;  info@schaulager.org;  LAURENZ-STIFTUNG, CH-4142 Münchenstein / Basel
Gober: Art; Vischer: Publikation; Graus: Kommunikation
AUSSTELLUNG
Über drei Jahrzehnte hinweg hat Gober ein Oeuvre aus einzelnen Werkgruppen entwickelt, die zumeist isoliert gezeigt werden, und die in ihrer Mischung aus Vertrautem und Fremdem eine starke Faszination ausüben. Seien es Repliken von Objekten aus dem häuslichen Kontext – Waschbecken, Laufgitter oder Zeitungsbündel – , seien es Nachbildungen von einzelnen Körperteilen – Beine, Unterkörper –, immer wird durch subtile, aber gezielte Abweichungen vom Vorbild die Grenze zwischen dem Alltäglichen und dem Abgründigen durchbrochen. Was im Einzelnen oft bestimmten Themenbereichen aus Gesellschaft, Kirche und Politik zugeordnet werden kann, fügt sich in Gobers Installationen, erst recht aber im retrospektiven Ausstellungsüberblick zu einem eindrücklichen Panorama. Die Ausstellung im Schaulager umfasst zahlreiche Skulpturen, Arbeiten auf Papier sowie fünf Rauminstallationen. Einige der Werke waren noch nie, viele bisher nur selten zu sehen.


PUBLIKATION
Das Buch ist das erste vollständige Verzeichnis von Robert Gobers Skulpturen und Installationen von 1979 bis 2007. Es umfasst rund 250 Katalognummern, alle mit grossformatigen Abbildungen. Kommentare des Künstlers zu einzelnen Werken sowie technische und entstehungsgeschichtliche Informationen ergänzen die vollständigen Werkangaben.
Mit einem einleitenden Essay von Elisabeth Sussman, Kuratorin am Whitney Museum of American Art, New York.
Die Publikation erscheint auf Deutsch und Englisch
Hrsg. von Theodora Vischer, Umfang ca. 550 Seiten, über 500 Abbildungen,
Format 23.5 cm x 29.5 cm; Verkaufspreis Schaulager-Ausgabe CHF 64.–; ISBN 978-3-9522967-4-5 Deutsche Ausgabe
Schaulager, Basel und Steidl Verlag, Göttingen; www.steidl.de;  Claudia Glenewinkel: presse@steidl.de  

FAZIT
Robert Gober, ist Nordamerikaner, Skulpteur und Inszenator von Räumen.
Zu Gober's nordamerikanischer Zeichen-Sprache:
Wortkarg bis still, Bei Fragen, die nur eine Antwortrichtung ermöglichen, weist er diese mit ja/nein zurück. Gober filtert Sprache im Zuhören wie im Antworten bis zur Funkstille...
So sind auf eigene Erfahrungen angewiesen: Seine skulpturalen Entwürfe, meist schwarz/weiss, haben einen charakteristischen anglo-amerikanischen Duktus, sie erinnern an die karg ausgeführten Strichführungen im figurativen Stil, fast emotionslos, dennoch bewegt und leicht ver-rückt in sich und im Ensemble von Objekten im Raum... Schon da bemerken wir seine innige Beziehung zu Designobjekten und Architekturelementen, wobei sich die Linien konzeptartig und insgesamt schlüssig vollziehen....sie erinnern auch an Ben Shan und seinen Grafikduktus im ersten Drittel und auch an die sprageligen englischen Darstellungstechniken in Architektur und im Urban Design nach der Mitte des 20. Jhdts.
Zu Gober's Skulptur - Kernaussage:
Hohlzylinder(Rohrteil) mit Loch- und Stab-Filter (Diaphragma) I.
Figurativ betrachtet handelt es sich bei den Sachen um Architektur-Torsen z.B. um wandbefestigte Waschbecken mit AusGuss, AbLauf, Abfluss , also Vorrichtungen zum Austritt von nicht vorhanden Flüssigkeiten. Als wenn ihre Frist (ihr Vorhandensein ) abgelaufen ist...
Bei den Human-Objekten werden Gliedmassen oder Brust-Torsen sichtbar, stehen in einer Raumecke oder verschwinden liegend in der Wand...Unwillkürlich, vegetabil konstatiert asoziieren wir Baudrillard's letztes Gespräch: Die Macht der Verführung...der vegetabilen Verführung..
Zu Gober's Inszenierungen
Hohlzylinder(Rohrteil) mit Loch-und Stab-Filter (Diaphragma) II.
Dazu zählt herausragende Ausnahme, die Inszenierung (pars pro toto)
Madonna durchrohrt (c 2007 Interpretation kultur-punkt):

Robert Gober, Untitled, 1995 – 1997, Mixed media, Emanuel Hoffmann-Stiftung, Basel © Robert Gober
Eine mittig im Raum angeordnete amerikanisches Standardkanalgitterdeckel, der Einsicht in einen vegetative Wasserbiotop gewährt...
Darüber eine Standard-Friedhofgrab-Madonna, die von einem Standard-Baurohr in der Körpermitte durcbohrt ist... links und rechts offene Koffer zur Betrachtung symmetrisch gestaltet...
Kernaussage dazu: Ein Standardrohr durchdringt einen sakralen Standardkörper, das zum Weiterleiten von Stoffen dienen kann.. ist aber leer, ja hohl.. es weist auf den Bruch hin zum sakralen Symbol...(auch Die Chakren und Freud grüssen uns..)...
Wir im Deutschsprachigen kennen den Rohr-Stock zur Züchtigung (Opferzüchtung), neben dem Rohr-Bruch auch den Rohr-Kreppierer, wenn ein angedachtes Geschoss im Lauf der Waffe explodiert...und hier zentral - eine denkbarer Informationtransport , der nicht in Erscheinung tritt, aussen vor bleibt - bei uns?...
Genug, wir befinden uns gleichnishaft in der Höhle Platons in der untersten Ebene, gefesselt, teilweise sprachlos (Gober) geknebelt und sehen das Licht/Feuer/Erkenntnis schattenhaft grau unförmig und bruch-stück-haft..
Schlussfolgerung:
Robert Gober hat Träume, auch ziemlich bösartige  (wie er uns zunickend versicherte) - übrigens wie wir auch - und viele andere - aber wie geht Gober mit diesen Albträumen um, wie entkommt er dieser Schattenwelt? Sein ästhetischer Sinn hat ihm den Weg Stufe um Stufe zum Ausgang zur Erhellung gewiesen, aber immer, wenn sie - die Schatten seiner tiefsten und abgründigen Träume ihn rufen steigt er Stück um Stück abwärts, besinnt sich mit diesen Schatten (auch Dante begrüsst uns dort) und erarbeitet es sprachfrei und musterbildnerisch für unser vegetabiles Denken auf dem Weg zu unserer verhängnisvollen Erkenntnis - von der Apokalypse zu Apotheose mit Retrofit (Baudrillard, kultur-punkt).


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