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  • SCHAULAGER - Sichtbarer Denk- und Lernplatz für unsichtbare Kunsterzeugnisse
    Ereignisbesprechung
    zur Sammlung der Laurenz-Stiftung:
    Initiatorin und Präsidentin dieser EH-Stiftung: Maja Oeri
    Herausgeberin und Direktorin: Theodora Vischer
    Architektur: Herzog & de Meuron, Basel
    Öffentlichkeitsarbeit: Stephan Graus
    Schaulager, Ruchfeldstrasse 19, CH-4142
    Münchenstein / www.schaulager.org
    vom SBB-Bahnhof-Basel, Tram 11 >Richtung Aesch >Station Schaulager

    Nach fünfjähriger und globaler Recherche ist es der Initatorin Maja Oeri und Präsidentin der Laurenz Stiftung, auch dank ihres hervorragendem Team von Kunstsachverständigen, Öffentlichkeitsarbeitern und Gestaltern gelungen ein Milleniumprojekt in zweistelliger Mio-Höhe und einem jährlichen Aufwand von grob geschätzt 1 Mio Schweizer Franken, zu realisieren
    Dieses im öffentlichen und wie hier im privaten Kunstsammlungsbereich erstmals und bisher weltweit einmalig entstandene Schaulager-Konzept dreht sozusagen den Spiess um: Einzelnen oder in Gruppen recherchierenden Kunstinteressenten werden die gewünschten, gesammelten Objekte auf voran gemeldetem Wunsch aufgestellt und zugänglich gemacht. Bisher üblich ist es ja, dass nur 4-5% der Bestände eines Museums der Öffentlichkeit auf Dauer oder im Wechsel gezeigt werden. Maja Oeri ist dabei sogar glücklich – wie sie im Gespräch mitteilt - wenn dieses Konzept um sich greift und hatte bei ihrer Recherche ihr Konzept einigen anderen Sammlern fragend vorgetragen, die das sofort verstanden und begrüsst haben.
    Oberstes Prinzip: Der Kontakt zu Studierenden, Experten und Institutionen wird laufend gepflegt. So wird das Schaulager zu einem Zentrum für zeitgenössische Kunst, ihrer Konservierung, Forschung und Vermittlung, dank auch der effizienten, zugleich ästhetisch vorgetragenen Öffentlichkeitsarbeit von Stephan Graus.
    Die gegenwärtige über 600 Werke umfassende Basler Privatsammlung ist aus der Emanuel Hoffmann-Stiftung, 1933 von Maja Hoffmann-Stehlin, spätere Maja Sacher (1898-1989) gegründet worden vergibt Dauerleihgaben an das Kunstmuseum und das Museum für Gegenwartskunst: An solchen herkömmlichen Stätten können jedoch bisher die Werke weniger fachgerecht aufbewahrt werden noch ihre Bedeutung vor Ort (hinter den Kulissen sozusagen) sachgerecht erforscht oder vermittelt werden: sonst Unsichtbares wird sichtbar, damit zugänglich, erforscht- und restaurierbar.
    Dafür gibt des Auditorien, Seminar- und Medienräume, Bibliothek mit Flachbildschirmen, 2 davon im Grossformat an der Aussenwand wirkend.
    Jeweils einmal im Jahr, nur für 4 Monate, stellt das Schaulager – derzeit beginnend mit der Dieter Roth-Retrospektive – ein Werk vor, bei dem wir hier in überwältigender Weise den Reichtum und die provozierenden, zugleich ästhetischen Entgrenzungen (Beuys sprach vom erweiterten Kunstbegriff) eines universell begabten Künstlers wie Dieter Roth (1930-1998) beim Begehen der grosszügigen Raumgestaltung erfahren.
    Diese ad locem einmalig konzipierte Raumgestaltung von Herzog & de Meuron <info@herzogdemeuron.ch> beinhaltet beides: Helle, bergende Höhle und begehbares Parkhaus für Originale. Alles wirkt ruhend und grosszügig. Der Blick verlangsamt sich und findet zu sich zurück. Das Lagerhaus-Prinzip kann bis zu den Waschräumen erlebt werden. Zwischen jedem Rechteckbecken (labororientiert) gibt es ein Lagermöglichkeit für Handtasche oder Mitbringsel, etwas vertieft, so dass diese nicht von der Nässe beeinträchtigt werden können. Fazit: Die erweiternde Helle der inneren Raumfelder zielt auf die Helle des geistigen Inneren der Nutzer, gibt diesen Auftrieb und Mut. Recht so.
    Die Frage nach der Quintessenz erhebt sich wieder mal, nach Verlassen der Höhle/des Kunstparkhauses:

    Inhärenz zur Wiederkehr der Inhärenz /dem Inne- und Aussenwohnen
    zwischen Architektur und den Künsten
    Ein Aufruf, 1998 (Ein Auszug):
    "...An dieser Stelle möchte ich Euch liebe Freunde, Feinde, für Eure erschütterungsarme Gelassenheit danken, die Ihr bisher bereits eingebracht habt. Los-Lassen-Lernen und –Können sind dabei Kernanliegen.
    So nähern wir uns dabei den Haupttugendbegriffen: Weisheit, Gerechtigkeit, Mässigkeit, Mut..Was Natur, Geist und Kunst hervorzubringen vermag möchte ich nun vor Augen führen.
    Voran sind diejenigen zu nennen, die Arroganz im paranoiden Ausmass in diesem vergangenen Jahrhundert besessen haben und noch besitzen: Ihr habt den Schein des Apollinischen, die reine Geometrie, die selbstgefällige, puritane Geilheit ins Licht der Zeit gestellt, und das Dionysische – die Malerei und Skulptur insbesondere aus der Aussenhaut der Architektur ausgegrenzt und den Zuhältern (Galeristen und Kunstmärkten) ausgeliefert , eine der grössten ästhetischen Verbrechen in der Architekturgeschichte, gleichzusetzen einem ästhetischem Holocaust gegen Erkenntnis und gleich einer Gefangennahme wie Isolierhaft (Foucault). Skulptur und Malerei - fern der Giebelfelder, Fassaden, Tore und Türen, Fenster und Nischen. Letzte Gegenzeugen: Art Deco. Ihr erinnert Euch nur allzugern an den Satz von Adolf Loos << Ornament ein Verbrechen>> und der puritanen Analyse durch das Bauhaus, die den Produktmanagern aller Couleurs zu Recht in den Kram passte und sie es dank Euch, in den Wehrbauten und in den anschliessenden Wiederaufbauten, den global- grillierten Fassaden der Obersten-10-Tausend sowie ihren menschenverachtenden Massenhaltungen in den Plattenbausiedlungen und ihren bösartigen Auswirkungen, von Irkutsk bis Brest und von Nord bis Süd, realisierten.
    Aus dieser Unerträglichkeit heraus und der erläuterten Erkenntnis stellen wir die neuerliche Frage an Euch beide, Freunde wie Feinde, wie wir unsere inneren Kräfte als Geistig+Seelisch-Verantwortliche die aneinander- und auseinandergeratenen Künste zu einer neuen Verknüpfung führen: ansonsten bleibt Architektur, eine Ach- und Krachbude. Nun zur Kernfrage, an der Schwelle zum dritten Jahrtausend: Welche Rahmenbedingungen setzt die Architektur des neuen Jahrtausends zur Integration der Künste zum Zusammenwirken des etablierten
    Apollinischen ( puritane Geometrie, Dekor..) mit dem seit den 30-iger Jahren - zwei Architekturgenerationen - in Isolierhaft befindlichen Dionysischen ( lokal-globale Geomantie, Kosmologie, Philosophie..)
    Erwartet werden Einladungen zu Angeboten zu einem integrierenden Miteinanderwohnen der Künste, vor Ort- innen wie aussen...
    prankl@kultur-punkt.ch


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