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..Online-Publikation: Februar 2014 im Internet-Journal <<kultur-punkt.ch>>
Ereignis-, Ausstellungs-, AV- und Buchbesprechung
<< Kunstmuseum Bern, Ausstellung: Germaine Richier. Retrospektive . Kunstmuseum Bern , bis 06.04.2014; Kunsthalle Mannheim, 09.05. – 24.08.2014 >>
Ausstellung + Katalog: 200 Seiten und ca. 90 Abbildungen. Wienand Verlag, CHF 35.00:
Hrsg. Kunstmuseum Bern, Matthias Frehner, Daniel Spanke und Kunsthalle Mannheim, Ulrike Lorenz, Stefanie Patruno.
Mit Beiträgen von Matthias Frehner, Corinne Linda Sotzek, Jonas Jecker, Stefanie Patruno, Jean-Louis Prat und Daniel Spanke. Deutsch und Französisch.
Die Ausstellung steht unter dem Patronat von Seiner Exzellenz Herr Michel Duclos, Botschafter von Frankreich in der Schweiz.
www.kunstmuseumbern.ch www.kunsthalle-mannheim.de/de/ www.wienand-koeln.de/ansprechpartner.asp;
info@wienand-verlag.de

Zur Protagonistin
Dem Menschen zugetan
Die französische Bildhauerin Germaine Richier (1902-1959) ist eine Ausnahme-künstlerin des 20. Jahrhunderts. Berühmt wurde sie vor allem mit ihren Insekten-frauen – hybriden Figuren von Ameisen, Heuschrecken und Spinnen mit menschlichen Gesichtern, Gliedmassen und Brüsten. Die Ausstellung im Kunstmuseum Bern ermöglicht die Wiederentdeckung des eigenständigen Werks von Richier, das nichts von seiner Aktualität eingebüsst hat.
Richier geht nach ihrer Ausbildung bei Antoine Bourdelle in Paris, wo sie sich intensiv mit figürlicher Plastik beschäftigt, künstlerisch einen so eigenständigen Weg, dass ihr Werk noch heute nicht einfach einzuordnen ist.
Der Mensch als Teil der Schöpfung Richiers gesamtes Schaffen ist auf den Menschen ausgerichtet. «Allein das Menschliche zählt», hat Germaine Richier einmal über ihre Arbeiten gesagt. Ihre schrundig aufgerissenen Figuren, die oft mit Drahtverspannungen versehen sind und die jeglicher Sicherheit beraubt scheinen, führten dazu, dass Richiers Werk oft in Zusammenhang mit dem Existenzialismus gestellt wurde. Ihr Menschenbild weist aber über dieses Zeitalter auch hinaus. Der Mensch ist in ihrem Werk Teil der Schöpfung und beherrscht sie nicht. Richier setzt den Menschen dem Tier gleich in ihren Mischwesen. Auch wenn Richier einen grossen Teil ihres Lebens in Paris verbringt, beschäftigt sie sich in ihrem Werk nicht mit der Grossstadt. Ihre tiefe Beziehung zur Natur ist geprägt von ihrer Heimat in der Provence. Sie sammelt immer wieder Steine und Holz, die sie in ihren Werken verwendet. Richier kann heute als eine der ersten ökologisch denkenden und fühlenden Künstlerinnen betrachtet werden. Insofern weist ihr Werk über die eigene Zeit hinaus und besticht auch heute noch durch seine Aktualität.
Enge Verbindung zur Schweiz Germaine Richier war der Schweiz eng verbunden. Ihren ersten Ehemann, den Zürcher Bildhauer und Plastiker Otto Charles Bänninger, lernte sie im Atelier Bourdelle kennen, wo die beiden studierten. Als 1939 der Zweite Weltkrieg ausbricht, bleibt Richier mit Bänninger in Zürich und trifft dort Alberto Giacometti, Marino Marini, Hans Arp, Le Corbusier und Fritz Wotruba wieder, mit denen gemeinsame Ausstellungen und ein intensiver Austausch entstehen. Auch zu Cuno Amiet, der sie porträtierte und nach ihrer Rückkehr 1946 nach Paris auch mehrmals besuchte, pflegte sie eine enge Beziehung. Richier bleibt der Schweiz verbunden und unterrichtet auch viele Schweier Schüler.
Zusammenarbeit mit der Kunsthalle Mannheim Gezeigt wird mit rund 60 Plastiken ein nach Themen geordneten Überblick über Richiers gesamtes Schaffen. Die Ausstellung basiert je auf wichtigen Werken in der Sammlung des Kunstmuseums Bern und der Kunsthalle Mannheim, wo die Ausstellung ab Mai 2014 zu sehen sein wird. Bern besitzt von Richier die Bronzen Escrimeuse avec masque (1943) und als Hauptwerk La Sauterelle aus den Jahren 1955/56, Mannheim die grosse Bronze La Mante (1946). Ergänzt wird die Präsentation mit Werken aus den beiden Sammlungen des Kunstmuseums Bern und der Kunsthalle Mannheim, um den Horizont der Fragen an Richiers grosses OEuvre zu erweitern.

Zur Person
Germaine Richier (* 16. September 1902 in Grans bei Arles, Frankreich; † 31. Juli 1959 in Montpellier, Frankreich) war eine französische Bildhauerin und Grafikerin. Ihr Werk gehört zu den bedeutenden Beiträgen in der modernen Tradition der Bildhauerei.
Erfolge und Aufträge
Germaine Richier: Le grand homme de la nuit (1954/55) im Kröller-Müller MuseumIm Jahr 1934 hatte Germaine Richier ihre erste Einzelausstellung in der Galerie Max Kaganovitch in Paris. Im Jahr 1936 wurde sie für ihre Skulptur Büste Nr. 2 mit dem Preis für Bildhauerei der Blumenthal Foundation in New York City ausgezeichnet. Diese Auszeichnung erhielt sie als erste Frau. Im Jahr 1937 nahm Richier an der Weltausstellung in Paris teil. Auch dort erhielt sie eine Auszeichnung
Im Jahr 1939 wurden ihre Werke im französischen Pavillon der Weltausstellung in New York zusammen mit der Kunst von Pierre Bonnard, Georges Braque, Marc Chagall, Robert Delaunay, André Derain, Jacques Lipchitz und anderen Künstlern gezeigt. Die Zeit des Zweiten Weltkriegs verbrachte Germaine Richier mit ihrem Mann in der Provence und zeitweise in der Schweiz. Sie stellte im Jahr 1942 im Kunstmuseum Winterthur aus und war 1943 in der Kunsthalle Basel zusammen mit Fritz Wotruba und Marino Marini an einer Gemeinschaftsausstellung beteiligt.
1949 übernahm sie den Auftrag, neben Braque, Bonnard, Chagall, Lipchitz, Matisse, Rouault und anderen Künstlern für die Ausstattung der neuerbauten Kirche auf dem Plateau d'Assy bei Passy, Haute-Savoie, ein Kunstwerk beizusteuern. Sie realisierte ein Kruzifix. 1948 präsentierte sie bei der Biennale in Venedig ihre Skulptur L'Orage, entwickelt nach den Körpermaßen von Nardone, einem ehemaligen Modell von Rodin und nunmehr ein alter Mann....
http://de.wikipedia.org/wiki/Germaine_Richier

Fazit
Was für eine Frau und Skulpteurin ! Unerbittlich, jedoch karg und klar zeigt sie die Verstrickung und Gewalt der Kriegsgreuel und die Verknüpfheit und das Gefesselt- und Ausgeliefert-Sein des auf sich, seine Existenz (Heidegger) zurück-gewordenen Menschen im 20. Jhdt paradigmatisch wie ihre Zeitgefährten in wahlverwandter Weise wie Henry Moore, Francis Bacon oder Samuel Beckett . m+w.p14-2


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