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<< Hamburger Kunsthalle: Ausstellungs-Aktivitäten 2012 >>

Hamburger Kunsthalle ⋅ Stiftung öffentlichen Rechts
Ansprechpartnerin ⋅ Mira Forte
presse@hamburger-kunsthalle.de  ⋅ T + 49 (0)40 - 428 131 204
Glockengießerwall ⋅ D-20095 Hamburg
www.hamburger-kunsthalle.de

ÜBERBLICK
Die groß angelegte Schau umfasst rund 120 ausgewählte, zum Teil bislang kaum ausgeliehene Holz-,
Marmor-, Gips- und Bronzeskulpturen sowie Ölgemälde, Zeichnungen und Photographien aller Werkphasen
aus internationalen Museen und Privatsammlungen. Präsentiert wird die ganze Spannweite und
Aktualität von Giacomettis Kunst: Innerhalb der Formensprache von der Blockhaftigkeit zur fragilen
Entmaterialisierung, innerhalb der Raumauffassung vom winzigem Produktionsort zum inszenierten
Präsentationsort und innerhalb des Skulpturenbegriffs vom individuellen Objekt zum architekturbezogenen
‚Environment’.
Zur Ausstellung erscheint ein umfangreicher wissenschaftlicher Katalog auf Deutsch, Englisch und
Spanisch, der in den Museumsshops, unter www.freunde-der-kunsthalle.de und im Buchhandel erhältlich
sein wird.
Kuratorin: Dr. Annabelle Görgen-Lammers
Die Ausstellung Giacometti. Die Spielfelder der Hamburger Kunsthalle wird im Anschluss von der
Fundacion Mapfre, Madrid, übernommen.
Eine Doppelausstellung für Hamburg
Das Bucerius Kunst Forum zeigt parallel vom 26. Januar bis zum 20. Mai 2013
die Ausstellung Giacometti und sein Kreis, welche die Portraitkunst Giacomettis
in den Mittelpunkt stellt. www.buceriuskunstforum.de


Ausstellungen 2012 / 2013
vORSCHAUFOLGE:
1
PAUL WUNDERLICH
Das frühe lithographische Werk
5. Februar bis 27. Mai 2012
2
Louise Bourgeois
Passage dangereux
10. Februar bis 17. Juni 2012
3
MÜDE HELDEN
Ferdinand Hodler – Aleksandr Dejneka – Neo Rauch
17. Februar bis 13. Mai 2012
4
GEORG JAPPE: ORNITHOPOESIE
»Vögel sind das Gedächtnis der Landschaft«
25. März bis 8. Juli 2012
5
LOST PLACES
8. Juni bis 23. September 2012
6
ALICE im Wunderland der Kunst
22. Juni bis 30. September 2012
7
JOHANN CHRISTIAN REINHART
Ein deutscher Landschaftsmaler in Rom
26. Oktober 2012 bis 27. Januar 2013
8
CHARLES MERYON und die französische Radierbewegung
Ab Herbst 2012
9
GIACOMETTI. Die Spielfelder
25. Januar bis 19. Mai 2013
----------------------------------------
1
PAUL WUNDERLICH
Das frühe lithographische Werk
5. Februar bis 27. Mai 2012
Hamburger Gang
Pressetermin: Mittwoch, 1. Februar 2012, 11 Uhr
Eröffnung: Sonntag, 5. Februar 2012, 19 Uhr
Paul Wunderlich (1927-2010)

Zum ersten Mal würdigt ein Hamburger Museum das Werk von Paul Wunderlich (1927-2010) mit einer
Einzelausstellung. Wunderlich zählte bis zu seinem Tod im Jahr 2010 zu jenen Künstlern der Stadt, die
international ein hohes Ansehen genossen. Noch während seines Studiums an der Landeskunstschule
in Hamburg wurde ihm die Leitung der graphischen Werkstatt übertragen, wo er als Drucker für Emil
Nolde und Oskar Kokoschka arbeitete und seinen Kommilitonen Horst Janssen in die Kunst der Radierung
einführte. Der Skandal um die Lithographie-Folge qui s’explique, die wegen ihrer sexuellen Brisanz
von der Hamburger Staatsanwaltschaft 1960 beschlagnahmt wurde, machte ihn schlagartig berühmt
und brachte ihm einen festen Platz in der Sammlung des Museum of Modern Art in New York ein. Auch
ist Wunderlich zu Lebzeiten als einziger deutscher Künstler in die Pariser „Académie des Beaux-Arts"
aufgenommen worden.
Anlass der Ausstellung in der Hamburger Kunsthalle ist die Schenkung eines großen Bestands an
Lithographien Wunderlichs durch den Berliner Kunsthändler Dieter Brusberg. Da sich diese Sammlung
auf einen spezifischen Zeitabschnitt, namentlich auf Wunderlichs frühe Lithographien konzentriert, werden
Arbeiten aus den Jahren bis 1975 gezeigt. Das ermöglicht einen gezielten Blick auf die Frühphase
des Künstlers, auf die Entwicklung seiner unverwechselbaren Handschrift und auf bislang unpublizierte
Lithographien, in denen sich auch Einflüsse anderer Künstler zeigen. Präsentiert werden rund 80 Lithographien,
die motivisch gruppiert sind. Ergänzt werden diese Blätter durch Radierungen und Ölgemälde
aus eigenem Bestand sowie aus der Sammlung von Karin Székessy-Wunderlich.
Die Freunde der Kunsthalle ermöglichen das Erscheinen einer Publikation zu der Ausstellung, erhältlich
im Museumsshop und unter www.freunde-der-kunsthalle.de.
Die Ausstellung wird, nachdem sie in der Hamburger Kunsthalle präsentiert wurde, im Horst-Janssen-
Museum in Oldenburg gezeigt.

2
Louise Bourgeois
Passage dangereux
10. Februar bis 17. Juni 2012
Hamburger Kunsthalle, Hubertus-Wald-Forum
Pressetermin: Donnerstag, 9. Februar 2012, 11 Uhr
Eröffnung: Freitag, 10. Februar 2012, 19 Uhr
Louise Bourgeois mit Spider IV, 1996, Ausschnitt
Portrait: © Peter Bellamy
SPIDER IV: © Louise Bourgeois Trust, VG Bild-
Kunst, Bonn 2012
Die Hamburger Kunsthalle ehrt mit einer Ausstellung eine Jahrhundert-Künstlerin: Louise Bourgeois
(1911-2010). Aus Anlass des 100. Geburtstags der Künstlerin werden Skulpturen, Rauminstallationen,
Radierungen, Arbeiten aus Stoff und Tapisserien gezeigt, die in den letzten 15 Lebensjahren entstanden
sind. Das Werk einer der bedeutendsten und einflussreichsten Künstlerinnen unserer Zeit offenbart
eine ganz eigene Form- und Materialsprache. Es behandelt existentielle Themen des Menschseins und
zugleich ganz persönliche Erfahrungen, denen sich Louise Bourgeois unermüdlich zu stellen wagte:
Angst, Abhängigkeit, Erinnerung, Sexualität, Liebe und Tod. Die ausgestellten Werke kommen aus renommierten
internationalen Museen, Privatsammlungen und vom Louise Bourgeois Trust. Einige Arbeiten
sind zum ersten Mal überhaupt öffentlich zu sehen.
Die berühmte Maman (1999) – eine über neun Meter hohe, überdimensionale Spinne aus Bronze, Stahl
und Marmor – wird mehr als vier Monate lang auf dem Außenplateau der Hamburger Kunsthalle zur
weit sichtbaren Botschafterin der Ausstellung. Gleichermaßen beeindruckend wie furchterregend ist
diese monumentale Skulptur ein zentrales Werk von Louise Bourgeois. Der Titel Maman (Mutter) macht
deutlich, dass Bourgeois diese Skulptur als Hommage an ihre eigene Mutter verstanden hat, die als
Restauratorin von Tapisserien tätig war. Das unermüdliche Wiederherstellen und Restaurieren von
Gewebe, das auch Spinnen eigen ist, wird zugleich zu einem Symbol für das unendliche, sich wiederholende
und erneuernde Leben im Allgemeinen.
Zu den oft raumgreifenden und mehrteiligen Exponaten gehört der großformatige, vierzehnteilige Radierungszyklus
À l’infini (2008) aus dem Besitz des Museum of Modern Art in New York, der erstmals in
Deutschland vorgestellt wird. Das MoMA war das Museum, das Louise Bourgeois im Jahr 1982 als
erster Künstlerin überhaupt eine retrospektive Ausstellung widmete. Die einzelnen Blätter von À l’infini
zeigen jeweils zwei sich begegnende Linien, aus denen immer neue Formen, wie etwa ein sich liebendes
Paar, entstehen.
Mehrere Ausstellungsräume sind Stoff-Arbeiten gewidmet, in denen sich der Faden zu Mustern und zu
abstrakten Formationen von beeindruckender Schönheit verselbständigt. Gewebe als Geschichte zu
denken, die immer weiter fort gesponnen werden kann, als Erinnerungsfäden, die den Weg in die
Vergangenheit aufzeigen – dieses Verständnis prägt das künstlerische Werk von Louise Bourgeois.

Der Ausstellungstitel Passage dangereux
ist dem Namen einer Arbeit von Bourgeois spektakulärster
Werkgruppe entnommen, ihren so genannten Cells: käfigartige, mit Objekten und kleinen Skulpturen
gefüllte Räume. Passage dangereux (1997) ist die größte und komplexeste dieser Cells und macht die
Auseinandersetzung der Künstlerin mit ihrer eigenen persönlichen Geschichte, aber auch mit allgemeinmenschlichen
Erinnerungen und Emotionen auf verdichtete Weise erfahrbar.
Louise Bourgeois vereinte in ihrem 98-jährigen Leben und in ihrem langen, in seiner Intensität nicht
nachlassenden künstlerischen Schaffen mehrere Epochen: In Paris geboren erlebte sie als junge Frau
die Pariser Moderne, studierte u. a. bei Fernand Léger und bewegte sich im Kreis der Surrealisten. 1938
zog sie mit ihrem Ehemann, dem amerikanischen Kunsthistoriker Robert Goldwater, nach New York.
Dort kam sie mit den aus Frankreich emigrierten Künstlern um Marcel Duchamp in Kontakt und war mit
Vertretern des Abstrakten Expressionismus befreundet. Bourgeois nahm die in den USA dominanten
Strömungen der Minimal- und der Pop Art wahr, schloss sich jedoch nie einer der bestehenden Gruppen
an. Vielmehr entwickelte sie eine seltene stilistische Komplexität, die vieles von dem vorwegnahm, was
Anliegen einer jüngeren Künstlergeneration werden sollte.
Zur Ausstellung erscheint eine Publikation, herausgegeben von Hubertus Gaßner und Brigitte Kölle, mit
Texten von Luisa Pauline Fink und Brigitte Kölle sowie farbigen Abbildungen aller Exponate der Ausstellung
(96 Seiten, 56 Abbildungen).
Kuratorin der Ausstellung: Dr. Brigitte Kölle
Mit freundlicher Unterstützung durch:
sowie durch den Medienpartner:

3
MÜDE HELDEN
Ferdinand Hodler – Aleksandr Dejneka – Neo Rauch
17. Februar bis 13. Mai 2012
Galerie der Gegenwart, 1. und 2. Etage
Pressetermin: Donnerstag, 16. Februar 2012, 11 Uhr
Eröffnung: Donnerstag, 16. Februar 2012, 19 Uhr
Neo Rauch (*1960)
Quecksilber, 2003
© courtesy Galerie EIGEN + ART
Leipzig / Berlin und David Zwirner,
New York. Photo: Uwe Walter,
VG Bild-Kunst, Bonn 2011/12
Im Mittelpunkt der Ausstellung Müde Helden: Ferdinand Hodler – Aleksandr Dejneka – Neo Rauch steht
die Entwicklung der Utopie des 'Neuen Menschen' im 20. Jahrhundert. Im Werk der drei Maler dieser
Ausstellung wird die Geschichte dieses Ideals wie in einem Brennspiegel gebündelt reflektiert.
Der Schweizer Maler Ferdinand Hodler (1853–1918) steht am Anfang dieser historischen Entwicklung.
Als einer der hervorstechenden Vertreter der Lebensreformbewegung gibt er dem um 1900 mit
großem Pathos vorgetragenen Thema des 'Neuen Menschen' in seiner Malerei künstlerischen Ausdruck.
Seine großfigurigen Gemälde weiblicher und männlicher Gestalten tragen jedoch, ungeachtet
ihrer Monumentalität, bereits die Zeichen des Artifiziellen und Dekorativen an sich - und können von
daher als 'müde Helden' betrachtet werden.
Der im Westen weniger bekannte, in Kursk geborene Aleksandr Dejneka (1899-1969) war zwischen
1918, dem Todesjahr Ferdinand Hodlers und der Verordnung des Sozialistischen Realismus in der Sowjetunion
im Jahr 1932 ein Protagonist der postrevolutionären Malerei. Bisher völlig unbeachtet blieb, wie
sehr sich der russische Maler in seinen Bildmotiven, wie auch in der Körpersprache und der Modellierung
seiner Personen an Hodlers eurythmisch bewegten Figuren orientiert. In seinen Gemälden ersetzt
Dejneka die aufblühende Natur durch im Aufbau befindliche Industrielandschaften. Dejnekas Arbeiterinnen
und Arbeiter erscheinen wie die Wiedergeburt der symbolistischen Malerei des Schweizers in
proletarischem Gewand.
Im letzten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts greift der in der DDR aufgewachsene und ausgebildete
Neo Rauch (*1960) den von Hodler und Dejneka geprägten Typus nach dem Ende des Kommunismus
erneut auf. Mit bewusstem Rückgriff auf die Helden aus Technik und Industrie der Zwanziger und
Dreißiger Jahre lässt er die Figuren in Posen der Handlungshemmung erstarren und in absurden Zusammenhängen
ins Leere laufen. Die Utopie des 'Neuen Menschen' verkehrt sich hier in eine Absage
an die Fortschrittsgläubigkeit und an jegliche Ideologie.
In der Ausstellung Müde Helden wird das Werk des international anerkannten, führenden Malerstars der
Leipziger Schule, Neo Rauch, erstmals in einem historischen und kunsthistorischen ZusammenHamburger

4
GEORG JAPPE: ORNITHOPOESIE
»Vögel sind das Gedächtnis der Landschaft«
25. März bis 8. Juli 2012
Saal der Meisterzeichnung
Pressetermin: Donnerstag, 22. März 2012, 11 Uhr
Eröffnung: Sonntag, 25. März 2012, 12 Uhr

Vögel inspirierten Georg Jappe sein Leben lang: Aus Beobachtungen ihrer Arten, Gesänge, Flüge und
Geschichte entwickelte er ein vielschichtiges Werk in den Grenzbereichen von Bildender Kunst, Poesie
und Ornithologie: „Ornithopoesie“ - eine Wortschöpfung Georg Jappes. Ob am Niederrhein, im Hochgebirge,
auf der Hallig, im Teufelsmoor, auf Spitzbergen oder Grönland: stets notierte er Vogelarten in ihrem
– oft beschädigten – Umfeld. Die so entstandenen Vogeltagebücher bilden das Ausgangmaterial
für seine großformatigen „Schreibtischblätter“ und zahlreichen Schriftzeichnungen. Auf diesen Papierbögen
legte Georg Jappe Zeichnungen, Diagramme und Texte an: Vogellisten, Träume, Gedichtentwürfe,
Ausstellungspläne, Landschaftsnotate oder auch oft abgründig Erlebtes – eine Synthese von Schreiben
und Zeichnen in der Nähe zur Konkreten Poesie: „Optische Poesie“ (Georg Jappe).
Die Ausstellung bietet einen Einblick in das Gesamtwerk Georg Jappes mit dem Schwerpunkt Vögel.
Im Saal der Meisterzeichnung werden Buchwerke, die überdimensionale Fächermappe OmU (Original
mit Untertiteln), das chinesische Leporello, Photoarbeiten, z. T. beschriebene „Bildbeschreibungen“ und
eine Auswahl der Vogeltagebücher als Zeugnisse einer großen künstlerischen Vielfalt gezeigt. Aus dem
filmischen Werk wird die Arbeit Der fließende Turm zu sehen sein, mit Kamerafahrten der Künstlerin Lili
Fischer durch verschiedene Landschaften wie der schottischen Inselgruppe St. Kilda oder dem Teufelsmoor
und mit Vogelstimmen und Prosa von Georg Jappe.
Die Präsentation gibt einen ersten Einblick in die jüngst von der Lili Fischer und Georg Jappe Stiftung
der Hamburger Kunsthalle geschenkte Werkauswahl des Künstlers.
Georg Jappe (1936-2007), Literatur- und Kunstkritiker, von 1979-2001 Professor für Ästhetik an der
Hochschule für bildende Künste Hamburg, Mitglied des Bielefelder Colloquiums Neue Poesie. Teilnahme
an zahlreichen Gruppen- und Einzelausstellungen, u. a. 1996 in der Hamburger Kunsthalle und im
Stadtmuseum Köln.
Kuratorinnen: Dr. Petra Roettig und Andrea Völker

5
LOST PLACES
8. Juni bis 23. September 2012
Galerie der Gegenwart, Sockelgeschoss
Pressetermin: Donnerstag, 7. Juni 2012, 11 Uhr
Eröffnung: Donnerstag, 7. Juni 2012, 19 Uhr

In den letzten Jahren hat die Photographie innerhalb der künstlerischen Medien einen neuen Höhepunkt
erreicht. Ausgehend von der Düsseldorfer Schule mit Künstlern wie Andreas Gursky, Thomas
Struth, Thomas Ruff oder Candida Höfer hat sich eine junge Generation von Künstlern entwickelt, die
auf unterschiedliche Weise das Thema ‚Raum’ und ‚Ort’ im Zeichen historischer Veränderungen und sozialer
Krisen aufzeigen. Mit der Ausstellung Lost Places widmet sich die Hamburger Kunsthalle diesen
neuen Positionen, die in Photographie, Film und Installation verschiedenste Orte und Lebensräume und
ihre zunehmende Isolierung dokumentieren.
Joel Sternfelds dokumentarische Photographien zeigen Orte, die Schauplatz eines Verbrechens waren.
Thomas Demand reinszeniert reale Tatorte zunächst als Modell, um sie dann abzulichten. Beate Gütschow
wiederum konstruiert in ihren großformatigen Photographien Stadt- und Naturlandschaften, die
an bekannte Orte erinnern, jedoch keinen wirklichen Bezug zulassen. Sarah Schönfeld zeigt in ihren
Photographien „das Bild der Erinnerung im Raum der Gegenwart“. Sie besucht alte Orte ihrer DDRKindheit
und zeigt diese im gegenwärtigen Zustand, wobei sie beide Momente miteinander konfrontiert.
Der Amerikaner Andrew Moore photographierte den Verfall amerikanischer Industriestädte wie Detroit
als Beispiel des Niedergangs ganzer sozialer Systeme. Omer Fast erzählt in seiner fiktiven Video-
Installation Nostalgia die Geschichte illegaler Auswanderer aus drei verschiedenen Perspektiven.
Der französische Philosoph Maurice Halbwachs hat in seinem Buch Das kollektive Gedächtnis und der
Raum auf die Bedeutung „räumlicher Bilder“ für das Gedächtnis sozialer Gemeinschaften hingewiesen.
Gerade weil heute die zuverlässige Verortungen von Dingen und Erinnerungen – auch durch die digitale
Photographie – nicht mehr gesichert sind, gerät dieser Anspruch ins Wanken. Was passiert mit realen
Orten, wenn ein Raum die gewohnte Bedeutung verliert und zudem virtuell erfahrbar wird? Die Ausstellung
Lost Places zeigt ca. 30 unterschiedliche Positionen zeitgenössischer Photographie und Videokunst
zu diesem Thema mit zahlreichen Leihgaben aus Museen und privaten Sammlungen.
Beteiligte Künstler: Thomas Demand (*1964), Omer Fast (*1972), Beate Gütschow (*1970), Andreas Gursky
(*1955), Candida Höfer (*1944), Sabine Hornig (*1964), Jan Köchermann (1967), Alexandra Ranner (*1967),
Ben Rivers (*1972), Thomas Ruff (*1958), Sarah Schönfeld (*1979), Gregor Schneider (*1969), Joel Sternfeld
(*1944), Thomas Struth (*1954), Guy Tillim (*1962), Wolfgang Tillmans (*1968), Jeff Wall (*1946), Jane und
Louise Wilson (*1967) u. a.
Kuratorin: Dr. Petra Roettig

6
ALICE im Wunderland der Kunst
22. Juni bis 30. September 2012
Galerie der Gegenwart, 1. Etage
Pressetermin: Donnerstag, 21. Juni 2012, 11 Uhr
Eröffnung: Donnerstag, 21. Juni 2012, 19 Uhr
Anna Gaskell (*1969)

Seit fast 150 Jahren fasziniert eine der herausragenden literarischen Erfindungen Kinder wie Erwachsene
gleichermaßen: Lewis Carrolls Geschichte von der kleinen Alice im Wunderland. Die Abenteuer
des Mädchens im rätselhaften Kaninchenbau und hinter den Spiegeln verzauberten schon kurz nach
ihrem Erscheinen Königin Viktoria von England wie Oscar Wilde gleichermaßen. Bis heute ziehen sie ein
Millionenpublikum in ihren Bann, so auch anlässlich der Verfilmungen z. B. von Walt Disney und zuletzt
von Tim Burton. Nun wird Alice und den mannigfachen künstlerischen Reaktionen, die sie entfachte,
erstmals eine Ausstellung gewidmet. Die Schau Alice im Wunderland der Kunst in der Hamburger
Kunsthalle umfasst etwa 200 Werke aus 150 Jahren Kunstgeschichte, darunter Gemälde, Skulpturen,
Buchillustrationen, Photographien, Zeichnungen, Filme und Rauminstallationen. Das breite Spektrum an
Medien eröffnet dem Besucher die unterschiedlichsten Zugangsmöglichkeiten und verwandelt die Ausstellung
selbst in ein anregendes Wunderland.
In den künstlerischen Reflexionen wird besonders deutlich, wie sehr hinter der scheinbar einfachen
Kindererzählung ein komplexes Puzzle von Bezügen zur Geistesgeschichte, Logik und Philosophie
steckt. Zugleich ist die Erzählung höchst unterhaltsam, bietet Platz für das Absurde, den Nonsens, die
A-Logik und ist gewürzt mit Witz und Ironie. Die phantasievolle Traumwelt stellt so in einer spielerischen
Form existentielle Fragen: über Individualität und Selbsterkenntnis, Raum und Zeit, das Verhältnis von
literarischer Fiktion und empirischer Realität sowie über die Funktion und Macht der Sprache. Alice ist
damit selbst zu einer Metapher für künstlerisches Engagement und Sinnsuche geworden.
Seit dem Manuskript, das Lewis Carroll 1864 dem historischen Vorbild – der damals 10-jährigen Alice
Liddell – zum Geburtstag schenkte, ist die Visualisierung ein integraler Bestandteil der Erzählung.
Mit den epochalen ersten Illustrationen von John Tenniel entstand ein bildnerischer Kosmos, der bis
heute ein Eigenleben führt: Alice und die Bewohner des Wunderlandes, die Grinsekatze, Humpty-
Dumpty, das weiße Kaninchen und der verrückte Hutmacher haben sich ins kollektive Gedächtnis eingeprägt.
Seit Mitte des 19. Jahrhunderts haben Künstler ihre eigenen Formen für die scheinbar absurde
Welt gefunden, die nur von einem höchst neugierigen und unerschrockenen kleinen Mädchen entdeckt
werden kann.
Die Ausstellung beginnt mit Werken von Lewis Carroll (mit bürgerlichem Namen Charles Lutwidge
Dodgson, 1832-1898), dem Mathematikprofessor, Schriftsteller, Photographen und Kunstsammler. Sie
setzt sich fort mit wegweisenden Illustrationen, dokumentiert ebenso Theaterinszenierungen wie auch
Filme. Von ersten freien bildkünstlerischen Werken des späten 19. Jahrhunderts ausgehend, hat sie einen
Schwerpunkt im Surrealismus. Denn besonders Max Ernst, René Magritte, Salvador Dalí und andere
fühlten sich durch Alice bestärkt in ihrer Suche nach dem Phantastischen. Sie setzt sich fort mit Künstlern
der 60er und 70er Jahre, die sich mit ihrem Streben nach Bewusstseinserweiterung wie auch mit
ihrem neuen Verständnis der Wechselbeziehung von Sprache und Bild auf Lewis Carroll bezogen.
Schließlich zeigen Arbeiten zeitgenössischer Künstler von Stephan Huber, Markus Lüpertz bis Anna
Gaskell, Kiki Smith und Pipi Lotti Rist, dass die Faszination an Alice bis heute ungebrochen ist.
Beteiligte Künstler u. a. :
Stephan Balkenhol, Peter Blake, Marcel Broodthaers, Margaret Cameron, Lewis Carroll, Salvadore Dalí,
Walt Disney, Max Ernst, Anna Gaskell, Dan Graham, Rodney Graham, Gary Hill, Stephan Huber, Pierre
Huyghe, Oskar Kokoschka, Joseph Kosuth, Yayoi Kusama, Markus Lüpertz, René Magritte, Duane
Michals, John Everett Millais, Richard Oelze, Dante Gabriel Rossetti, Kiki Smith, Monika Sosnowska,
Jan Švankmajer, Dorothea Tanning, John Tenniel, Diana Thater, Francesca Woodman
Die Hamburger Kunsthalle zeigt eine eigene, stark überarbeitete Version der Ausstellung Alice in Wonderland,
die vorher in der Tate Liverpool zu sehen war. Die Schau wird um eigene Bestände und weitere
Leihgaben aus renommierten internationalen Museen und Privatsammlungen ergänzt. So werden zum
Beispiel große Installationen zeitgenössischer Künstler wie Stephan Huber und Pipi Lotti Rist präsentiert.
Ausstellungskonzept für die Tate: Christoph Benjamin Schulz und Peter Gorschlüter.
Dort kuratiert von Christoph Benjamin Schulz mit Gavin Delahunty, assistiert von
Eleanor Clayton. Organisiert von der Tate Liverpool in Kooperation mit Mart, Rovereto
und der Hamburger Kunsthalle.
Kuratiert in Hamburg von Annabelle Görgen-Lammers und Hubertus Gaßner, assistiert von Jonas Beyer.

7
JOHANN CHRISTIAN REINHART
Ein deutscher Landschaftsmaler in Rom
26. Oktober 2012 bis 27. Januar 2013
Galerie der Gegenwart, Sockelgeschoss
Pressetermin: Donnerstag, 25. Oktober 2012, 11 Uhr
Eröffnung: Donnerstag, 25. Oktober 2012, 19 Uhr

Johann Christian Reinhart (geboren 1761 in Hof a. d. Saale, gestorben 1847 in Rom) gehört zu den
zentralen Künstlergestalten der Zeit um 1800. In Leipzig und Dresden ließ er sich zum Künstler ausbilden,
unter anderen von Adam Friedrich Oeser. Ab 1785 war er freundschaftlich mit Friedrich Schiller
verbunden, und wirkte einige Jahre am Hofe Herzog Georgs I. von Sachsen-Meiningen, bevor er sich
1789 nach Rom begab, wo er bis zu seinem Tode blieb. Dort wurde er im Laufe der Jahre zu einem
Mittelpunkt der deutschen Künstlerkolonie. Große Anerkennung für seine Arbeiten zeigte sich durch
seine Mitgliedschaften an den Akademien in Berlin (1810), Rom (1813) und München (1830), sowie
durch seine Ernennung zum Hofmaler 1839 durch Ludwig I. von Bayern. Von Anfang an konzentrierte
sich Reinhart auf die Landschaftskunst. Im Laufe seines Lebens leistete er auf allen Teilgebieten dieses
Genres Wesentliches und entwickelte sich zu einem ihrer bedeutendsten Vertreter überhaupt.
Die Hamburger Kunsthalle würdigt Reinharts Bedeutung für die deutsche Kunstgeschichte nun als erstes
Museum überhaupt mit einer umfangreichen Retrospektive. Von seinen Landschaftszeichnungen
und -gemälden sowie seinen Radierungen bis hin zu bissigen Karikaturen, die für den Künstler ein
Korrektiv zu seiner idealen-klassizistischen Kunst darstellten, wird ein profunder Überblick über das
Gesamtschaffen Reinharts gegeben.
In seiner Jugend entstanden Idyllen im Stil des Schweizer Malers Salomon Gessners. Dabei handelt es
sich um Kompositionen, die auf eine ferne Vergangenheit bezogen sind: Es ist die Hirtenwelt des
vermeintlich antiken Arkadien, die in diesen Werken lebendig wird. Etwas später schuf er emotionsreiche
Kompositionen, welche die Vorstellungen des Sturm-und-Drang widerspiegeln. Die strengen, meist
sturmgepeitschten Landschaften wurden immer wieder als Reaktion auf die Umbrüche in Folge der
Französischen Revolution interpretiert. Zeitgleich entstanden so genannte „Prospecte“, möglichst naturgenaue
Wiedergaben des Gesehenen. Schon in Deutschland gepflegt, bestimmte diese Form der Landschaftskunst
sein Schaffen in seinem ersten römischen Jahrzehnt. Kurz vor 1800 entwickelte er zusammen
mit dem befreundeten Joseph Anton Koch einen neuen Typus der Landschaftsmalerei, der als
die heroische Ideallandschaft bezeichnet wird. Dabei griff Reinhart auf Vorbilder des 17. Jahrhunderts
wie Nicolas Poussin und Gaspard Dughet zurück. Mit zunehmendem Alter entwickelte sich Reinhart
zum Klassizisten und stand mit seinen Auffassungen Joseph Anton Koch und dem dänischen Bildhauer
Bertel Thorvaldsen nahe. Mythologische Themen und antike Gebäude wurden in seine Werke integriert.
1829-35 schuf er im Auftrag Ludwig I. vier großformatige Temperabilder mit Ausblicken aus der römischen
Villa Malta, mit denen ihm eines der großartigsten Rom-Panoramen der Kunstgeschichte gelang.

8
CHARLES MERYON und die französische Radierbewegung
Ab Herbst 2012
Saal der Meisterzeichnung
Ab Herbst 2012 zeigt die Hamburger Kunsthalle anhand der Graphiken des in Paris geborenen Künstlers
Charles Meryon (1821-1868), dass die Renaissance der Radierkunst ihren Mittelpunkt in Frankreich
hatte. Meryons Sonderstellung rührt daher, dass er zu den frühen Wiederentdeckern der Radierung
gehörte. Schon in den 1850er Jahren radierte er, der „Piranesi Frankreichs“, Ansichten des mittelalterlichen
Paris. Und immer wieder ließ er in seinen Bildern, bedingt durch seine zunehmende geistige
Erkrankung, die Stadt von phantastischen Wesen befallen. Damit rückte er die Erscheinung der Großstadt
in ein geradezu visionäres Licht.
In bisherigen Ausstellungen zu Charles Meryon ist immer stark auf die Randposition dieses Künstlers im
Kunstgeschehen des 19. Jahrhunderts abgehoben worden. Entsprechend waren Ausstellungen über
ihn meist monographisch angelegt – mit Fokus auf Meryon als Einzelgänger, der nach endgültiger Einlieferung
in die Anstalt von Charenton in geistiger Umnachtung starb. Ohne dass man die Abgründigkeit
seiner Pariser Ansichten in Frage stellen müsste, ist Meryon dennoch ein Kind seiner Zeit. Nicht nur war
er Mitglied der Société des Aquafortistes, die ab 1862 das Revival der Radierung in Frankreich einleitete
und selbst einen Édouard Manet in ihren Mitgliederlisten führte. Auch hat sich niemand Geringeres als
Charles Baudelaire für die Popularität Meryons auf schriftstellerischem Wege eingesetzt.
Die Ausstellung im Saal der Meisterzeichnung wird Blätter aus eigenem Bestand sowie aus der Sammlung
Hegewisch in der Hamburger Kunsthalle zeigen.
Die Freunde der Kunsthalle ermöglichen das Erscheinen einer Publikation zur Ausstellung.
Kurator: Jonas Beyer

9
GIACOMETTI. Die Spielfelder
25. Januar bis 19. Mai 2013
Galerie der Gegenwart, 1. Etage
Ab Januar 2013 ermöglicht die Hamburger Kunsthalle einen neuen Blick auf die Kunst von Alberto
Giacometti (1901-1966) und macht dabei deutlich, warum das Werk eines der bedeutendsten Bildhauer
des 20. Jahrhunderts bis heute wegweisend ist. Dafür werden erstmals überhaupt Giacomettis in
Deutschland kaum bekannte surrealistische Frühwerke zum Ausgangspunkt genommen und ihre
Folgen für das gesamte, berühmte Nachkriegswerk aufgezeigt: In den fragilen Unikaten aus Holz, Marmor
und Gips der 1920er und 1930er Jahre richtet Giacometti die Skulptur horizontal aus und entwickelt
das bis in die heutige Kunst reichende Konzept der ‚Skulptur als Platz’. Die Ausstellung verfolgt
diese Idee über die bekannten Sammelskulpturen der Nachkriegszeit, mit ihrer typisch überlängten
Formensprache, bis hin zu Giacomettis spektakulären mannshohen Entwürfen für seine Gestaltung des
Vorplatzes der Chase Manhatten Bank in New York von 1960. Die überlebensgroßen Figuren bilden im
Spätwerk wie in der Ausstellung den Höhepunkt der Suche nach einer idealen Platzgestaltung zwischen
Kunst und Leben. Mit ihrer Präsentation werden die Räume der Galerie der Gegenwart zum
Träger des zentralen Themas der Schau, nämlich zu inszenierten ‚Spielfeldern’ für die Besucher selbst.
In diesem neuartigen, themenspezifischen Werküberblick legt die Ausstellung dar, wie sehr Werk und
Sockel, Präsentiertes und Präsentationsform bereits in den surrealistischen, so genannten Tischflächenoder
Spielbrett-Skulpturen ineinander fallen. Entscheidend ist dabei die bedeutungsvolle Positionierung
der einzelnen, geheimnisvoll auf Eros, Tod und Erinnerung anspielenden Elemente. Bislang unbekannte
Zeichnungen aus Privatsammlungen eröffnen zudem eine bisher unentdeckte, weitergehende Wahrnehmung:
Giacometti zeichnet winzige menschliche Figuren in die Spielflächen und macht deutlich,
dass die Skulpturen als Modelle auf große öffentliche Platzgestaltungen verweisen. Hier sollte der
Betrachter in aktiv-handelnden, körperlichen Austausch mit der Kunst treten. Die tischbrettgroßen
‚Spielfelder’ sind somit als Experimentierfelder für größenmaßstäbliche, den Menschen einbeziehende
Realisierungen zu verstehen. Damit nimmt Giacometti die ‚Environment’-Kunst der 1960er Jahre voraus,
in denen die Umgebung zum Teil des Werkes wird. Eine spezifische Auswahl der berühmten, zum Teil
überlebensgroßen Skulpturen der Nachkriegszeit zeigt, wie weitgehend Giacometti die Idee der Spielfelder
immer wieder aufnimmt.
Keines der frühen wie späteren Schaumodelle wurde endgültig als öffentliche Platzgestaltung realisiert.
Giacometti fertigte aber einzelne Elemente auch in einem mittleren Maßstab und umgab sich über Jahrzehnte
damit in seinem winzigen Pariser Atelier, das „mit der Zeit immer größer wurde“ (Alberto Giacometti).
Er hielt ihre bedeutungsvollen Platzierungen auf seinem Atelierboden sorgsam fest, wie in einem
Gedächtnistheater. Die Ausstellung ermöglicht mit zahlreichen Gemälde, Zeichnungen und Photographien
aus verschiedenen Schaffensperioden teils bisher ungesehene Einblicke in diesen außergewöhnlichen
Produktions- und Präsentationsort. Denn auch das Atelier war Giacomettis ‚Spielfeld’: Es wurde
zur Bühne, auf welcher der Künstler sich selbst und seine Schöpfungen inszenierte. Dieses zu Recht
zum Mythos gewordene Atelier wird in der Ausstellung erstmals rekonstruiert.

***


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