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W+B Agentur-Presseaussendung April 2006
Buch- Ereignisbesprechung
<<Hans Holbein der Jüngere - Die Jahre in Basel 1515 – 1532>>
Ausstellung: Kunstmuseums Basel; 1. April bis 2. Juli 2006
Im Prestel-Verlag erscheint dazu ein Katalog in deutscher und englischer Sprache mit zahlreichen Essays. Inhalt ca. 528 Seiten, 236 Farb-Abbildungen, 167 Schwarz-Weiss-Abbildungen.
Im Rahmen der Ausstellung findet ein reichhaltiges Veranstaltungsprogramm statt. Details dazu unter www.kunstmuseumbasel.ch
CHF 75,–, ca. EUR 50,–  ; www.prestel.de werner@prestel.de
Kunstmuseum Basel; Christian Selz; St. Alban-Graben 8; CH–4010 Basel; Telefax +41 61 206 62 52
pressoffice@kunstmuseumbasel.ch ;

Zum Ausstellungsvorhaben
Das Kunstmuseum Basel zeigt vom 1. April bis zum 2. Juli 2006 eine grosse Ausstellung, die Hans Holbein dem Jüngeren (Augsburg 1497/1498–1543 London) gewidmet ist. Sie befasst sich mit dem Werk des Künstlers, das zwischen 1515 und 1532 in Basel entstand. Holbein wandte sich dann nach England und wurde Hofmaler Heinrichs VIII.
Die Tate Britain in London veranstaltet wenig später, vom 28. September 2006 bis zum 7. Januar 2007, eine zweite Holbein-Ausstellung. Sie bringt das Schaffen des Künstlers aus seiner Zeit in England zur Darstellung. Beide Ausstellungen ergänzen sich gegenseitig und berücksichtigen Holbeins ersten Englandaufenthalt zwischen 1526 und 1528. Den Besuchern beider Ausstellungen bietet sich im Jahr 2006 also die nicht wiederholbare Möglichkeit, eine Vorstellung vom Gesamtwerk des Künstlers zu erhalten.

Zum Künstler
Hans Holbein d. J. im Kunstmuseum Basel 2006
Die Ausstellung versammelt einen Grossteil aller erhaltenen Werke aus Holbeins Basler Schaffensjahren zwischen 1515 und 1532. Nach fast einem halben Jahrhundert – die letzte grosse Holbeinausstellung fand 1960 in Basel statt – wird das reiche und vielfältige Werk, das der Künstler während dieser Zeit geschaffen hat, wieder zu sehen sein.
Mit rund vierzig Gemälden, einhundert Zeichnungen und zahlreichen druckgraphischen Werken wird sein hochrangiges Oeuvre vor Augen geführt. Zu den bedeutenden Leihgaben gehören der „Oberried-Altar“ aus dem Münster in Freiburg i. Br., die „Solothurner Madonna“ und die „Darmstädter Madonna“. Hinzu kommen unter anderem Bildnisse aus Holbeins erstem Englandaufenthalt wie das der Anne Lovell aus London, der Lady Mary Guildford aus St. Louis (USA) und des Thomas Godsalve mit seinem Sohn John aus Dresden.
Die Zeichnungen, die in der Basler Sammlung reich vertreten sind, werden durch Leihgaben aus Augsburg, Berlin, Braunschweig, Leipzig, Lille, London, München, Paris und Windsor Castle ergänzt, so dass das zeichnerische Werk nahezu vollständig gezeigt werden kann.
So wird die einzigartige Möglichkeit bestehen, die sonst verstreuten Werke nebeneinander zu sehen, sie unmittelbar zu vergleichen und ihre Besonderheit besser und anders wahrzunehmen.

Zur Biographie:
Von Augsburg nach Basel
Hans Holbein d. J. gehört zu den bedeutendsten Künstlern des frühen 16. Jahrhunderts. Er steht gleichrangig neben Albrecht Dürer, Hans Baldung Grien und Matthias Grünewald. Damals blühten am Oberrhein die Künste der Malerei, der Zeichnung und des Buchdrucks.
Aus Augsburg stammend, kamen Hans Holbein d. J. und sein Bruder Ambrosius im Jahr 1515 nach Basel. Ihre künstlerische Ausbildung hatten sie bei ihrem Vater Hans Holbein d. Ä. erhalten, der in Augsburg eine grosse Malerwerkstatt leitete.
In Basel konnte Hans früh schon seine Begabung als Porträtist und Maler von Fassadendekorationen unter Beweis stellen. Er erhielt den Auftrag von der Stadt, den Grossratssaal mit Wandbildern auszumalen und führte bald schon Aufträge für religiöse Tafelbilder aus. Er stand in engem Kontakt mit Druckern, für die er Entwürfe für Buchillustrationen lieferte, und den in Basel wirkenden Humanisten, unter ihnen kein geringerer als Erasmus von Rotterdam, den er mehrmals porträtierte.
Frankreich und England
Nicht nur die beginnende Reformation in Basel und deren negative Auswirkung auf die Kunstproduktion, sondern auch der Anspruch, den der Künstler an sich selber stellte, bewogen ihn schon bald, sich nach anderen Wirkungsstätten umzuschauen. So wandte er sich 1523/1524 nach Frankreich und dann nach England, um eine Tätigkeit als Hofmaler anzustreben. Während seines ersten Englandaufenthaltes zwischen 1526 und 1528 malte er Dekorationen für die Feste am Hof Heinrichs VIII. (1491–1547). Es gelang ihm, Aufträge für Bildnisse von Angehörigen der englischen Aristokratie aus dem Umkreis des Hofs zu erhalten.
Zu den herausragendsten künstlerischen Leistungen dieser Zeit zählt das Familienbild des Thomas More (1478–1535), das den Kanzler Heinrichs VIII. im Kreis seiner Familie zeigt – es ist das früheste Gruppenbildnis nördlich der Alpen. Erhalten haben sich der Entwurf Holbeins und Porträtstudien (im Kunstmuseum Basel, Kupferstichkabinett und in der Royal Collection in Windsor Castle, England); das Gemälde selbst verbrannte im 18. Jahrhundert.

Zur Wiederkehr nach Basel
Holbein kehrte 1528 für wenige Jahre nach Basel zurück, wo seine Familie lebte. Damals malte er das Bildnis seiner Frau mit den beiden älteren Kindern. Noch unmittelbar vor der Reformation, die 1529 zum Durchbruch gelangte, könnte er die Orgelflügel für das Basler Münster ausgeführt haben. Die gezeichnete Passionsfolge im Kupferstichkabinett Basel gehört jedenfalls zu den letzten Aufträgen mit religiösen Themen. In dieser Zeit vollendete Holbein auch die Ausmalung des Basler Grossratssaals.
Im Jahr 1532 wandte er sich erneut nach London. Dort hatte er Kontakt zu der deutschen Handelsniederlassung im Stalhof, für deren Mitglieder er Porträts ausführte und deren „Guildhall“ er mit Wandgemälden schmückte. 1535 wurde er Hofmaler Heinrichs VIIII. Ein Jahr vor seinem unerwarteten Tod 1543 in London bezeichnete er sich auf dem Selbstbildnis, das in den Uffizien in Florenz aufbewahrt wird, als Bürger von Basel, der Stadt, der er innerlich stets verbunden blieb.

Zur Sammlung im Kunstmuseum Basel
Das Kunstmuseum Basel birgt weltweit die grösste Sammlung an Gemälden, Zeichnungen und druckgraphischen Werken dieses bereits zu Lebzeiten hochgeschätzten Künstlers.
Bereits im Jahr 1661 konnte mit dem Ankauf des „Amerbach-Kabinetts“ der grösste Teil dieses bedeutenden Ensembles von Holbein-Werken für Basel gesichert werden. Das Amerbach-Kabinett ist die in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts entstandene Sammlung des Basler Juristen Basilius Amerbach (1533–1591), die auch den ererbten Besitz seines Vaters Bonifacius Amerbach (1495–1562) und eine grosse Bibliothek beinhaltete. Im Jahr 1823 kamen mit der Übergabe des „Museum Faesch“ an die Öffentliche Kunstsammlung der Universität weitere wichtige Werke hinzu, so u. a. das Doppelbildnis des Jacob Meyer zum Hasen und seiner Frau Dorothea Kannengiesser von 1516 mit den dazugehörenden Vorzeichnungen.

Zur Wirkkraft Holbeins, früher und aktueller Wertschätzung
In Basel ist man sich schon lange der Bedeutung des Künstlers und der hohen Qualität seiner Werke bewusst. Noch 1538 hatte der Rat der Stadt versucht, Holbein nach Basel zurückzulocken, und dies obwohl zahlreiche Bilder des Künstlers während des Bildersturms 1529 zerstört und beschädigt worden waren. Manche Werke sind Basel auch durch andere Umstände verloren gegangen. Sie wurden aus Furcht vor Zerstörung ins angrenzende Deutschland gebracht und blieben daher unvollendet (wie beispielsweise der „Oberried-Altar“ in Freiburg im Breisgau); die berühmte „Darmstädter Madonna“ veräusserten die Erben der Auftraggeber im 17. Jahrhundert ins Ausland.


Im Gruppenbildentwurf der Familie von Thomas More ( links aussen Elisabeth Dauncey) zeigt sich die geniale Präzisionskraft von Holbein wie er Grössenproportionen fliessend genau ihren Platz zuweist (rechts der Sohn von Thomas More - im Gruppenbild in der zweiten Reihe stehend ohne Kappe dargestellt.
Die jahrhunderte überdauernde figurative Kraft seiner Linienführung taucht immer wieder auf - insbesondere im Sohnbild - die Strichführung assoziiert Schiele in der Kleidungsgestaltung und Matisse in der Flächenwirkung bei der Hand und dem Buch so auch bei Larsson's Familienbildentwürfen....

Die Förderer
Die Ausstellung wird unterstützt durch: Credit Suisse (Hauptsponsor), Novartis

Zur Biographie:
Hans Holbein d. J. (Augsburg 1497/98 – 1543 London)

1497/98           Geboren wahrscheinlich im Winter 1497/98 in Augsburg. Hans und sein wenig älterer Bruder Ambrosius erhalten ihre erste Ausbildung bei ihrem Vater, Hans Holbein d.Ä. (um 1460/70 – 1524), der in Augsburg eine grosse Malerwerkstatt unterhält.

1515/16           Hans und Ambrosius reisen 1515 nach Basel; der Vater arbeitet 1516 im nahe gelegenen Isenheim. Hans d.J. und Ambrosius sind wohl in der Werkstatt des aus Strassburg stammenden Malers Hans Herbster (um 1470 – um 1552) tätig. 1516 porträtiert Hans d.J. den Basler Bürgermeister Jacob Meyer zum Hasen (1482 – 1531) und dessen Frau Dorothea Kannengiesser.

1517/19           Zwischen 1517 und 1519 Aufenthalt in Luzern, wohl zusammen mit dem Vater. Hans d.J. schmückt das Haus des Grosskaufmanns und Schultheissen Jacob von Hertenstein (1460 – 1527) mit Fassadenmalereien und porträtiert 1517 dessen Sohn Benedict von Hertenstein.

1519/20           Kehrt 1519 nach Basel zurück und wird am 25. September Mitglied der „Zunft zum Himmel“. Ambrosius Holbein ist ab 1519 nicht mehr nachweisbar.
            Am 3. Juli 1520 erhält Hans das Basler Bürgerrecht; er ist vermutlich schon mit Elsbeth Binzenstock (gest. 1549) verheiratet. Um 1520 entstehen für den Goldschmied Balthasar Angelroth (um 1480 – 1544) die Fassadenmalereien am „Haus zum Tanz“.

1521/22           Im Sommer 1521 erhält Holbein von der Stadt Basel den Auftrag, den Grossratssaal mit Wandbildern auszumalen.
1521/22 entsteht das Tafelbild „Der Leichnam Christi im Grabe“; 1522 malt er für den Basler Stadtschreiber Johannes Gerster (gest. 1531) und dessen Frau Barbara Guldinkopf eine grosse Madonnentafel, die „Solothurner Madonna“.

1523/24           Hans porträtiert 1523 den in Basel lebenden Erasmus von Rotterdam (um 1469 – 1536). Vielleicht noch Ende des Jahres 1523 und bis Mitte des folgenden unternimmt Holbein eine Reise nach Frankreich. Er versucht offenbar vergeblich, bei dem französischen König Franz I. als Hofmaler Fuss zu fassen.

1525 – 1528    Im Auftrag des ehemaligen Bürgermeisters Jacob Meyer zum Hasen malt Holbein 1525/26 ein Madonnenbild, die „Darmstädter Madonna“. Im Herbst 1526 reist er mit zwei Empfehlungsschreiben des Erasmus von Rotterdam über Antwerpen nach London, wo er als Gast im Haus des Thomas More (1477 – 1535) weilt. Mit dem Familienbildnis des Thomas More von 1527 schafft Holbein das erste Gruppenbildnis nördlich der Alpen. Er porträtiert  Mitglieder der Aristokratie und Angehörige des Hofes.
Holbein entwirft Dekorationsmalereien für die Festlichkeiten, die Heinrich VIII. im Mai 1527 für den Empfang der französischen Gesandten veranstaltet.
Während Holbeins Aufenthalts in England bleibt seine Werkstatt in Basel tätig. Ein Mitarbeiter, der sogenannte „Venus-Maler“, malt unter Rückgriff auf das Gemälde der Laïs das Bild „Venus und Amor“.

1528 – 1532    Holbein kehrt im August 1528 nach Basel zurück und erwirbt ein Haus an der St. Johanns-Vorstadt um 300 Gulden (Teil des heutigen, 1856 neu erbauten Hauses Nr. 22).
Die Reformation gelangt 1529 in Basel endgültig zum Durchbruch. Zu den letzten religiösen Arbeiten gehört die Folge der gezeichneten Passion Christi. Holbein vollendet 1530 die Bemalung der bislang leer gebliebenen Südwand des Basler Grossratssaales.

1532 – 1535    Wohl im Frühling 1532 erneute Reise über Antwerpen nach London. Er schmückt die Guildhall des Stalhofes mit Wandbildern und porträtiert die Mitglieder der deutschen Handelsniederlassung. Für den festlichen Einzug der Königin Anne Boleyn am 31. Mai 1533 entwirft er Dekorationen.

1535 – 1538    Am 6. Juli 1535 wird Thomas More hingerichtet. Spätestens 1536 tritt Holbein in den Dienst von Heinrich VIII. und erhält ab März 1538 bis zu seinem Tod regelmässig Zahlungen über 30 Pfund pro Jahr. Reist im Auftrag von Heinrich VIII. nach Brüssel, Joinville und Nancy, um Christina von Dänemark, Luise von Guise und Anna von Lothringen zu porträtieren. Ab dem 10. September 1538 hält er sich für kurze Zeit in Basel auf. Er wird vom Rat aufgefordert, nicht länger als zwei Jahre von Basel fern zu bleiben, und erhält zugleich das Versprechen einer jährlichen Bezahlung von 50 Gulden sowie die Erlaubnis, seine Werke in Frankreich, England und Mailand zu verkaufen.
Auf dem Rückweg nach London reist er zusammen mit seinem Sohn Philipp (1521–1602) nach Paris, um ihn bei dem aus Basel stammenden Goldschmied Jacob David (gest. 1564) in die Lehre zu geben.

1543    Am 7. Oktober 1543 verfasst er sein Testament, in welchem er seinen Nachlass und die finanzielle Absicherung seiner beiden unehelichen Kinder in England regelt. Holbein stirbt vor dem 29. November 1543 in London.


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