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 W+B Agentur-Presseaussendung März 2006
Buch- Ereignisbesprechung
<<Stephan Kemperdick, Kunstmuseums Basel: Das frühe Porträt, 15.-16.Jhdt>>
Aus den Sammlungen des Fürsten von und zu Liechtenstein und
des Kunstmuseums Basel; 25. Februar – 2. Juli 2006
84 Seiten, 66 Farb- und Duplex-Abbildungen; Broschur mit Schutzumschlag; € 31.70
Kunstmuseum Basel; Christian Selz; St. Alban-Graben 8; CH–4010 Basel; Telefax +41 61 206 62 52
pressoffice@kunstmuseumbasel.ch ; www.kunstmuseumbasel.ch

Aus den Sammlungen des Fürsten von und zu Liechtenstein und dem Kunstmuseum Basel Bildnisse aus Spätmittelalter und Renaissance gehören zu den Schätzen sowohl der fürstlichen Liechtenstein Sammlungen in Wien und Vaduz als auch des aus bürgerlichen Kabinetten hervorgegangenen Kunstmuseums Basel.
Ausgewählte Werke aus beiden Beständen veranschaulichen die Höhe der Porträtkunst in Deutschland, Frankreich und den Niederlanden von der Mitte des 15. bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts. In dieser Zeit erst beginnt die Geschichte des Porträts als eigener, zunehmend wichtigerer Gattung der Malerei, als Fürsten und Bürgerliche ihr eigenes Konterfei zum Hauptgegenstand von Gemälden machen lassen, um damit ihr Andenken über den Tod hinaus zu sichern, ihre Taten zu verewigen oder um sich einem künftigen Ehegatten stattlich zu präsentieren.
Nördlich der Alpen schafft der Verismus der altniederländischen Malerei seit etwa 1430 neue Voraussetzungen zur Darstellung des Individuums, das nun in seiner unverwechselbaren äusseren Erscheinung ebenso wie hinsichtlich seines Standes und seiner sozialen Stellung erfasst werden kann.
Von den frühen niederländischen Meistern wie Jan van Eyck oder Rogier van der Weyden gehen daher auch wesentliche Impulse für die Bildniskunst in ganz Europa aus. Doch obgleich zahlreiche Künstler Anregungen von denselben Vorbildern beziehen und sie zudem meist ähnliche Anforderungen von Seiten der Auftraggeber zu erfüllen haben, zeigt sich jedes Bildnis als eigene künstlerische Leistung.
Erkennbar wird das Spannungsverhältnis zwischen überregional wirksamen Bildformeln und tradierten Symbolen einerseits und deren stets neuer individueller Füllung andererseits.
Unter den versammelten Werken befinden sich bekannte Stücke wie das französische Bildnis eines jungen Mannes von 1456:
1
Im Hintergrund des Kopfes ist diese Jahreszahl prominent und ornamental eingefügt.
Verunsichernd ist die arabische Zahlenschreibung - links 14 wie üblich rechts jedoch steht augenscheinlich ein römisches Zeichengebilde "VI" mit starker Verlängerung nach unten; wenn man die neuzeitliche Zeichensetzung der offenen 4 dagegenhält, so ist die 5 als Dekade sehr fragwürdig. Warum wechselt der Künstler den arabischen Duktus inmitten eines logischen Struktur :
1 4 <altes arabisch 4 <oder < VI <lateinisch-neuzeitlich 6 ? Fazit: 1446 / 1466

2
Zur öffentliche Positionierung der Frau: Tobias Stimmer...Schwytzer und seine Frau... Um eine Kopflänge ist die Frau kleiner; bei Hans Asper: Oberst Fröhlicher's Frau hat gerade mal 25% der Grösse ihres Mannes...
lediglich in den Diptychen ist Partnerschaft angesagt.
3
Das Ornament umzingelt, umrahmt förmlich das jeweilige Portrait; auch die Kleidung, die Schrift- und Zahlenzeichen sind davon liebenswert betroffen...
4
Glanzpunkt: Dieser tief in das halbe Jahrtausend reichende Blick , der uns gewährt wird, dank dieser grossartigen Schau, ist durch eine formvollendete Stilisierung und feinstfühlige Farbgebung gekennzeichnet.

Des weiteren Gemälde sind aussergewöhnliche Kunstwerke zu entdecken, die bislang kaum zugänglich waren. Das Spektrum reicht von den Tafeln anonymer Meister des späteren 15. Jahrhunderts zu Schöpfungen von Künstlern wie Hans Baldung Grien, von intimen Brustbildnissen bis hin zu den repräsentativen lebensgrossen Ganzfiguren von Hans Mielich und Tobias Stimmer.

Die Ausstellung wird unterstützt durch: LGT – Die Vermögensexperten des Fürstenhauses von Liechtenstein, was gerade in unseren Tagen in denen der Sparwahn die öffentlichen Manager erfasst hat, besondere Wertschätzung verdient.

Geniessen wir diesen Tiefblick in die Gesichter von Frauen und Männern unterschiedlichen Alters und Standes - mit 500-jährigem Abstand: Ein Blick also mit umgedrehtem Fern-Rohr und zugleich in unsere aktuelle Seelenlandschaft - im Vergleich.


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