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W+B Agentur-Presseaussendung September 2006
Buch- und Ereignisbesprechung
<<Zentrum Paul Klee, Bern: Paul Klee, Handpuppen>>
Hrsg. Zentrum Paul Klee, Bern, ; www.zpk.org;  
antonietta.salvati@zpk.org,  ursina.barandun@zpk.org;  christine.hopfengart@zpk.org
Vorwort: von Andreas Marti, Text von Christine Hopfengart, Aljoscha Klee, Felix Klee, Osamu Okuda,
Tilman Osterwold, Eva Wiederkehr Sladeczek
Ausstellung: Buchvernissage im Zentrum Paul Klee am 6. Juli 2005, 18.00 Uhr
Begrüssung und Einführung: Andreas Marti, Direktor Zentrum Paul Klee und Tilman Osterwold,
Künstlerischer Leiter Zentrum Paul Klee.
Zwittergeschöpfe – Paul Klees Handpuppen zwischen Kunst und Kasperltheater: Vortrag von
Christine Hopfengart, Konservatorin Zentrum Paul Klee ;
152 Seiten, 182 Abb., davon 86 farbig, 22,80 x 26,70 cm, gebunden mit Schutzumschlag, ISBN
3-7757...; € 24,80; SFR 42,00
Hatje Cantz Verlag, Stuttgart, 2006 / www.hatjecantz.de

Inhalt:
Zwischen 1916 und 1925 fertigte Paul Klee (1879-1940) für seinen Sohn Felix rund 50
Handspielpuppen, von denen sich 30 Figuren erhalten haben. Für die Köpfe verwendete der Künstler
Materialien aus dem eigenen Haushalt: Rindsknochen und Steckdosen, Borstenpinsel, Fellreste und
Nussschalen. Die ersten Kostüme nähte die später berühmt gewordene Puppenmacherin Sasha
Morgenthaler, bald übernahm Klee diese Arbeit selbst.
Die Handpuppen sind eine eigene Werkgruppe, die nicht den Anspruch großer Kunstwerke erhebt,
aber doch die künstlerischen und gesellschaftlichen Entwicklungen dieser Jahre spiegelt. So lässt
sich die zeitliche Nähe zu Dada und den Collagen von Kurt Schwitters etwa bei Klees
Zündholzschachtelgeist erkennen; mit dem Deutschnationalen karikierte er einen politischen Zeittyp.
Der Band präsentiert die unübertrefflich fantasievollen Handpuppen Paul Klees und beschreibt die
einzelnen Figuren. (Englische Ausgabe ISBN 3-7757-1740-4; französische Ausgabe ISBN
3-7757-1741-1)

Ursina Barandun, Christine Hopfengart, Zentrum Paul Klee, Bern:
Paul Klees Handpuppen standen bisher im Schatten seines malerischen und zeichnerischen Werks
und wurden nur einmal (1979) zusammenhängend publiziert. Das neue Buch, das die Puppen
umfassend fotografisch dokumentiert und sie erstmals kunstgeschichtlich analysiert, erscheint im
Hatje Cantz Verlag und wird am 6. Juli im Zentrum Paul Klee im Rahmen einer Buchvernissage
vorgestellt. Das Buch ist in deutscher, französischer und englischer Sprache im Shop des Zentrums
sowie im Buchhandel erhältlich.
Paul Klees Handpuppen sind Zwittergeschöpfe. Sie sind Produkte zwischen Kunstwerk und Spielzeug
und Produkte eines Dialogs zwischen Kind und Erwachsenem – Paul und Felix Klee. In den Puppen
treffen die komplexe Fantasie eines Künstlers und die Spielfreude des Kindes auf einander. Denn die
Puppen entstanden nicht aus Klees eigener Initiative und sie wurden auch nicht von ihm selbst
gespielt. Vielmehr war es sein Sohn Felix, der im Alter von neun Jahren mit seinem Wunsch nach
Kasperlfiguren den Anstoss gab. Eine erste Gruppe von acht Figuren entstand 1916. Bis 1925 wuchs
das Ensemble auf rund 50 Puppen an; 30 von ihnen haben sich bis heute erhalten und befinden sich
alle im Besitz des Zentrum Paul Klee.
Die ersten Puppen waren Figuren aus dem klassischen Kasperltheater. Es gab einen Kasperl, dessen
Frau Gretl, einen Teufel und ein Krokodil. Bald schon erweiterte der Künstler das traditionelle
Repertoire und kreierte eigene Fantasiegeschöpfe, wie etwa den Herrn Enterich, den Buddhistischen
Mönch oder den Weisshaarigen Eskimo. Die Puppen erheben nicht den Anspruch grosser Kunstwerke
und Klee nahm sie auch nicht in sein Werkverzeichnis auf. Sie sind aber geistreiche Bastelarbeiten,
an denen Paul Klees Vergnügen am Spiel mit Materialien und Formen und seine Lust an ironischen
Kommentaren und versteckten Anspielungen ablesbar ist. So verbergen sich in manchen Figuren
Hinweise auf Klees persönliches Umfeld. Hinter dem Gekrönten Dichter steht mit grosser
Wahrscheinlichkeit Rainer Maria Rilke, im Mönch spielte Paul Klee vermutlich auf seinen
Bauhauskollegen Johannes Itten an. In anderen Fällen reflektieren die Figuren politische oder
gesellschaftliche Themen: Mit dem Deutschnationalen nahm er die Ultrakonservativen der Weimarer
Republik aufs Korn, mit dem Steckdosengeist spielte er auf die rasante Verbreitung der Elektrizität in
den 1920er-Jahren an.
Bei der Herstellung der Figuren verwendete Klee mit Vorliebe Fundstücke aus dem eigenen Haushalt.
Für die Köpfe nahm er beispielsweise alte Handschuhe oder Steckdosen, Borstenpinsel, Fellreste
oder Nussschalen, während er für die Kostüme die häusliche Stoffkiste auswertete. Klees
Handpuppen sind in ihrer Bildsprache ebenso selbständig, wie Klees gesamtes Werk. Dennoch ist
auch hier die Nähe zu zeitgenössischen Kunstströmungen unübersehbar. Figuren wie der
Zündholzschachtelgeist oder der Elektrische Spuk lassen an Dada-Collagen denken, während der
Breitohrclown konstruktive Anregungen aus Klees Bauhaus-Zeit verarbeitet.

Antonietta Salvati, Zentrum Paul Klee , Bern:
Paul Klees Handpuppen standen bisher im Schatten seines malerischen und zeichnerischen Werks
und wurden nur einmal (1979) zusammenhängend publiziert. Das neue Buch, das die Puppen
umfassend fotografisch dokumentiert und sie erstmals kunstgeschichtlich analysiert, erscheint im
Hatje Cantz Verlag und wird am 6. Juli im Zentrum Paul Klee im Rahmen einer Buchvernissage
vorgestellt.

Fazit:
Was für ein Künstler-Vater Paul, der seinem Sohn Felix Muster zur Hand gibt, dabei sein Umfeld karikiert und parodiert (Rilke, Itten...), wie für die spielerische und ästhetischen Bewältigung der Lebenswelt sorgt. Mehr noch, wir wagen die Behauptung - das Zentrum Paul Klee in Bern wäre nie zustande gekommen, wenn die Imagination, die von den Handpuppen für Kinder jeden Alters ausstrahlte - auf Familie, Gesellschaft und schliesslich auf Mäzene wie Dr. Müller, der auch den integrierte Kinderspiel -und -gestaltung-Bereich zur Recht forcierte.
Ein weit(e)reichendes Geschenkbuch mit Folgen ist so entstanden.
http://archiv.kultur-punkt.ch/praesetation/ereignisse/er-kleezentrum-bern05-6.htm


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