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Online-Publikation: Januar 2009 im Internet-Journal <<kultur-punkt.ch>>
Ereignis-, Ausstellungs-, AV- und Buchbesprechung

<< Thomas Bernhard : Monologe auf Mallorca & Die Ursache bin ich . Zwei Filme von Krista Fleischmann: Interviews >>
DVD, Farbe, 94 Min., mit Booklet; ISBN: 978-3-89848-880-8; Best. Nr.: 880; € 19,90
filmedition suhrkamp - fes 4:, Frankfurt am Main 2008; www.suhrkamp.de;  www.suhrkamp.de/autoren/autor.cfm?id=267

Inhalt
Einen unfilmischeren Erzähler als Thomas Bernhard kann man sich kaum vorstellen: Er verachtete Details und Beschreibungen, vermied es peinlich genau, mit der Sprache die Möglichkeiten des Bilds nachzuahmen. »Ich schreib’ immer nur Begriffe, und da heißt’s immer Berge oder eine Stadt oder Straßen, aber wie die ausschauen …« Welchen Mehrwert das Medium Film trotz oder gerade wegen der Bernhardschen Invektivkaskaden haben kann, dokumentieren die beiden langen Interviews, die die Journalistin Krista Fleischmann in den achtziger Jahren auf Mallorca und in Madrid mit ihm führte. Sie zeigen Bernhard, der sich vom Kameramann extra »unkonventionelle Bilder« gewünscht hatte, »die man üblicherweise wegwirft«, von seiner besten, seiner vergnüglichsten Seite: am Hafen, beim Stierkampf und in Cafés. Dabei plaudert er über die Lust und den Tod, über die Unterhosen des Papstes und die Frauen im allgemeinen, über Bach und das Fernsehen – in diesem Fall das spanische: »Und wenn man die Sprache nicht versteht, ist das sehr erholsam, weil man immer mehr hineintut, als sie wirklich aussagen, die Bilder, wahrscheinlich.«

Fazit
»Ich bin ein negativer Schriftsteller, aber gleichzeitig ein positiver Mensch. Dann kann mir eigentlich nix passieren« sagt Thomas Bernhard in seinen "Monologe(n) auf Mallorca & Die Ursache bin ich ." und in den zwei Filmen - auf  DVD mit ausführlichen Booklet-Texten - von Krista Fleischmann in den Interviews in der neuartig und hervorragend präsentierten filmedition von suhrkamp. Er spricht abwägend voll Bitterkeit mit reifer Erkenntnis, wie es philosophische Persönlichkeiten nur gelingt, ihr chronisches Leiden samt ihrer Weltsicht so im Leben und in der Welt ausgewogen darzustellen. Die Begegnung mit Bernhard in den verblichenen Filmmaterialien im "Rotrausch" sind sprachlich wie bildhaft eindrücklich und zeigen dadurch noch gesteigert die Einmaligkeit dieses bedeutenden österreichischen Schriftstellers Bernhard. w.p.09-1


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