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W+B Agentur-Presseaussendung Mai 2007
Hörbuchbesprechung
<< Georges Bataille: Das obszöne Werk >>
Gelesen von Eva Mattes, Heikko Deutschmann, Walter Kreye und Christian Redl
6 CD; Gesamtlaufzeit: 450 Minuten; ISBN: 978-3-89903-295-6; € 29,95
HörbucHHamburg HHV GmbH; http://www.hoerbuch-hamburg.de

INHALT
Das obszöne Werk, 1972 erstmals auf Deutsch erschienen, apostrophierte Susan Sontag als „Kammermusik der pornographischen Literatur“. Die erotische Erfahrung ist für Bataille eine zweifache: die des Tabus und die seiner Überschreitung; erst die Überschreitung des Tabus ermöglicht den Personen Batailles – Sartre nannte ihn einen „neuen Mystiker“ – auch die Transzendierung des Ich. Die Ekstase, das buchstäbliche Außer-sich-Sein, das die Mystik in religiöser Versenkung fand, suchen sie im körperlichen Exzeß und in körperlicher Entäußerung.

Michel Onfray, Philosophie der Ekstase. Frankfurt/M: Campus 1993 ISBN 3-593-34832-2
Michel Onfrays Denken schließt an die epikureische und hedonistische Philosophie an. Diese ist bei ihm analytische Theorie des Immanenten, damit zunächst implizit und mittlerweile auch deutlich formuliert Kritik an Konzepten der Transzendenz bzw. der Religionen, insbesondere der monotheistischen. Dagegen setzt Onfray eine Philosophie der Problemlösungskompetenz.

FAZIT
zur Geschichte es obszönen Blicks und einer hellsichtig-vulgären Sprache - so schreitet, eilt die Erzählreihe voran, in Bataille's "Das obszönen Werk" von der "Die Geschichte des Auges (gelesen von Deutschmann) - Madame Edwarda (gelesen von Kreye) - Meine Mutter (gelesen von Franke)- Der Kleine (gelesen von Kreye)- Der Tote (gelesen von Mattes, Franke)".

Genuss statt Orgasmus, Wixen und Masturbieren, Pisse, Speichel, Urin, Samen.. in beidseitigem ja Gruppen-Zusammensein... im Spielen bis zum Töten, Eros im eigenen Ungeheuer entdecken.. Schrecken und Eckel im Engel der Verderbtheit zeugen (das Zittern des eigenen Herzens) bis zum Tod (als Ekstase) inner- wie aussenräumlich, inner- wie aussen-körperlich.. so artikuliert Bataille den "Erotismus – im Gegensatz zur Sexualität" (Michel Foucault) der allerdings gleich einem Diaphragma höchst durchlässig wirkt , bis über die exstatische Grenze zur Gewalt und in ihr zugleich tödlich verkommt... Ein Urenkel von Sade, Zeitgefährte von Satre, Baudrillard** und Onfray* in höchster Potenz und klarem Sprach- und Sprechduktus dank der wunderbaren einprägsamen Stimmen von Eva Mattes, Heikko Deutschmann, Walter Kreye und Christian Redl.
Im Abweichung zu Onfray* nimmt Bataille wohl auch deterministische Sichtweise (epikureische und hedonistische Philosophie*) ein - in weiten Teilen seines Erzählstroms - doch schimmert das Höhlengleichnis von Platon immer wieder durch - in der unteren Ebene des ge- und befangenen Menschen mit seinem Umfeld ( Doxa ) zwischen der Schatten- und der 3-fach gemischten Bunten Welt: vie triviale, vie tragique und vie transcendentale.
**) http://archiv.kultur-punkt.ch/akademie4/diskurs/pa4-07-5menschenwuerde-diskurstafel.htm
      http://archiv.kultur-punkt.ch/buchtipps-allgemein/hoerbuch/cd-suppose-baudrillard-verfuehrung07-5.htm

* Michel Onfray, Philosophie der Ekstase. Frankfurt/M: Campus 1993 ISBN 3-593-34832-2


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