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W+B Agentur-Presseaussendung Dezember 2007
Hörbuchbesprechung
<< Mrozek Slawomir: Das Leben für Anfänger >>
Ein zeitloses ABC (Buchausgabe mit Zeichnungen von Chaval)
Herausgegeben von Daniel Keel und Daniel Kampa. Aus dem Polnischen von Klaus Staemmler, Christa Vogel und Ludwig Zimmerer. Mit einem Nachwort von Jan Sidney
Gelesen von Christian Ulmen
Hörbuch, 1 CD, 53 Min., ISBN 3-257-80086-X, Euro 14.90 / sFr 26.90
Diogenes Verlag AG Zürich, www.diogenes.ch

Zum Inhalt
»Der Zweck des Lebens ist das Leben selbst«, so Goethe – wirklich hilfreich ist das jedoch nicht. Mrozek läßt uns dagegen nicht im Stich. In diesem Buch werden alle lebenswichtigen Themen abgehandelt, von A wie Abwechslung, Anarchie und Angst über Fortschritt, Frauen, Freiheit, Rente und Revolution bis Tod, Tourismus, Ungerechtigkeit und Wahrheit. Mrozek weiß immer Rat.

Jeder lebt, aber irgendwie sind wir doch alle Dilettanten, überfordert in einer Welt, in der gestern alle Techno tanzten und heute Tango, in der man entweder arbeitslos ist oder sich zu Tode arbeitet, in der Fußballer auf einmal aussehen wie Frauen, die Frauen in der Fußball-wm aber besser abschneiden als das starke Ge-schlecht. In solchen Zeiten brauchen wir Hilfe. Mit Witz und geschliffenen Formulierungen rückt Mrozek der Absurdität unseres Daseins zu Leibe. Je grotesker und absurder seine Tips, desto handfester und konkreter. Und um so größer der Lesespaß. »Mrozek ist Humorist – also meint er es besonders ernst«, so Marcel Reich-Ranicki.

Mrozek Slawomir
Geboren am 29.6.1930 in Borzecin bei Krakau. Ein Postmeister hatte die Tochter eines Kleinkrämers geheiratet. Der Kleinkrämer züchtete Schweine. Am Futter für die Schweine taten sich aber nicht nur die Schweine gütlich, auch Ratten ließen es sich nicht entgehen, wenn es etwas zu fressen gab. Der Sohn des Postmeisters wiederum war immer interessiert zur Stelle, wenn die Schweine – und Ratten – gefüttert wurden. »Diese Studien sollten mir später helfen, den Charakter und das Verhalten gewisser
Menschen zu verstehen.« Der Sohn des Postmeisters, Slawomir Mrozek, verlegte sich später mehr auf Architektur, Kunstgeschichte und Orientalistik. Karikaturen und Satiren erschienen in Zeitungen und 1957 in seinem ersten Buch ›Der Elefant‹. Das Studieren war Vergangenheit, es folgten eine Hochzeit und dank Stücken wie ›Tango‹ und ›Emigranten‹ der Weltruhm. Bei der polnischen Regierung war Mrozek so hoch angesehen, daß er jahrelang in Italien wohnen konnte, ohne daß die gute Miene als Zeichen für
ein böses Spiel hätte gedeutet werden können. 1968, als der Prager Frühling in einen bitteren Winter umschlug, beantragte der Vorzeige-Intellektuelle in Paris politisches Asyl. Es verschwanden das Lächeln aus dem Gesicht der Regierung, seine Bücher aus den Bibliotheken und Buchhandlungen und seine Stücke von den Spielplänen. Nur zwei Jahre später – in der polnischen Funktionärsriege hatte es inzwischen kleinere Umstrukturierungen gegeben – tauchte alles wieder auf. Mrozek festigte indessen den
Ruf seiner Weltläufigkeit, bereiste Südamerika, dozierte in den USA, entzog sich »der Zugluft der historischen Ereignisse«, ließ sich mit seiner zweiten Frau, einer Mexikanerin, auf einer Ranch in Mexiko nieder und entschloß sich nach zwei Filmen, Schriftsteller zu bleiben. Gut so, denn sonst wäre es vielleicht nie zum Krakauer Mrozek-Festival von 1990 gekommen, das den berühmtesten Schriftsteller der Stadt mit einer Dackelparade feierte.

Fazit
Der verscmitzte Poet, Dramatiker und Erzähler Mrozek Slawomir gibt auch in "Das Leben für Anfänger" sein Bestes, nämlich Humor mit genialer Verrückung in seinen Ratschlägen zum Leben - ein unverzichtbares Hörvergnügen mit Christian Ulmen der besonderen Klasse.


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