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W+B Agentur-Presseaussendung Oktober 2002
258<<Philosophie des Alltags im O-Ton, ein verbogenes GesamtKunstwerk>>
Hör-Besprechung
Gesprochen von:<<Karl Valentin & Liesl Karstadt: Buchbinder Wanninger>>
Produktion: Bayerischer Rundfunk, 1928-1946
Zusammengestellt und kommentiert von Helmut Bachmaier
Szenen und Monologe
1 CD / 1MC
Laufzeit ca. 68 Min.; EUR 15,50
der hörverlag
, München; 2001 / www.derhoerverlag.de

Liesl Karstadt und Karl Valentin konzentrieren sich in ihrer szenen-künstlerischen Gestaltung auf die Tücken und Katastrophen des Alltags und schmieden zugleich einen Komplott dagegen.
Sie führen dazu sogar "eine Mass"einheit ein: Das KATASTROPHAL.
Samuel Beckett hat zu Valentin und Karstadt "viel und voll Trauer gelacht", Bert Brecht hielt sie für "eindringlichste geistige Figuren der Zeit". Die Reihe der Bewunderer reicht von Achternbusch, Benjamin, Einstein, Hesse, Kracauer, Mann, Polgar, Rilke, Tucholsky bis Zuckmayer:
Die Palette des Komik, Narrentums reicht vom Kindhaft-Komischen bis zur Hypochondrie. Diese Komik zeitigte Resultate wie die des Philosophen Wittgenstein: " Die Ergebnisse der Philosophie sind die Entdeckung irgendeines schlichten Unsinns und Beulen, die sich der Verstand beim Anrennen an die Grenzen der Sprache geholt hat. Warum empfinden wir einen grammatischen Witz als tief? Und das ist ja die philosophische Tiefe". Das Valentin-Paar bewies damit sowohl eine grammatikalisch-rätselnde Tiefe als auch eine unverkennbare Körperkomik. Dazu betrieb Valentin Maskenstudien zu Napoleon, LudwigII., u.a.
Das "Wortsteller-Paar" verstand sich aber auch als Pionier der deutschsprachigen Kinogeschichte: 1912, vor Chaplin, 1914.
Im Buchbinder Wanninger deckt die Sprache die Machtzusammenhänge und die Ohnmacht des Einzelnen auf. Die Erfolglosikeit potentiert sich bis zum äussersten Scheitern, landet im scheinbefreienden Schimpfwort. Ein Hörstück, das überzeitlich wirkt. Schade nur, dass auch bis heute die Künstler-Partnerin nicht auf gleicher Augenhöhe verlegerisch vermittelt wird.


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