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W+B Agentur-Presseaussendung Mai 2007
Hördokument-Besprechung
<<Jean Baudrillard: Die Macht der Verführung >>
Audio-CD, 68 Minuten; Konzeption und Regie: Thomas Knoefel; Ton: Klaus Sander; Schnitt: Anja Theismann
ISBN-10: 3-932513-67-3, Euro 18,00 ; verlag supposé, Köln; kontakt@suppose.de; www.suppose.de ..www.schaulager.ch 

Inhalt
Die Macht der Verführung: Sie unterläuft die Wahrheit und die Kräfte der Produktion, sie erledigt, parodiert den Sinn und
lockt uns ins Spiel. Die Macht der Verführung ist die Macht des Weiblichen. Das Weibliche aber ist unwiderstehlich: der reine
Schein - substanzlos, mysteriös, ungeheuer. So beginnt Baudrillard uns die Geschichte der Verführung zu erzählen, eine
Geschichte, die immer wieder beginnt, die nie zum Ende kommt.
Es geht nicht um Sex. Es geht nicht um Lust. Das Sexuelle ist flach und banal, nur Physiologie, Mechanik, Sport - die
Verführung dagegen eine Herausforderung, ein Duell, "geheime Distanz", eine Beziehung der Überbietung, der Entgegnung. Sie
favorisiert das Schwache, kreist um leere Begriffe, arbeitet mit Magie und Zauber. Die Verführung ist ritueller Tausch: "Ich
kann nur verführen, wenn ich schon verführt bin, und niemand kann mich verführen, ohne selbst schon verführt zu sein."
Baudrillard, der Verführer, führt uns durch alle Arten der Verführung: Die Verführung Gottes, der Götter, der Toten, der Frau,
des Spiels.
Aber was für arme, schwache Zeiten für die Verführung: Wir sind eine Kultur der "ejaculatio praecox" - Triebabfuhr und
Befriedigung stehen auf dem Programm! Es ist die Zeit der Wahrheitsapostel und Sinnstifter, der Produzenten, Klone, der
Liebe, des Universellen. Gegen diese Übermacht evoziert Baudrillard das Schicksal, die Leidenschaft, das Flüchtige, den Tod!
Doch die Macht der Verführung ist auch und gerade dort, wo die Verführung ausgeschlossen, gebannt, exorziert werden soll.
Jean Baudrillard, der große französische Theoretiker spricht hier deutsch. Gelegentlich fällt er für einige, wenige Sätze in
seine Muttersprache, um diese dann gleich zu übersetzen: Selten waren Suchbewegungen des Denkens, war Sprachfindung
plastischer, präsenter. Und in den Lücken, dem Abgrund zwischen den Sprachen kommt das Unaussprechliche, Namenlose
zum Vorschein. So wird die Stimme Baudrillards selber zum Instrument der Verführung: rhapsodisch, beschwörend, lockend...
Das uralte Lied... Die Verführung stirbt nie!

Inhaltsfolge
1 Prolog: Wider die Liebe
2 Eine kurze Geschichte der Verführung
3 Séduction und Produktion
4 Die Macht des Weiblichen
5 Von der Verführung der Toten
6 Verführung und Pornographie
7 Die Verführung Gottes
8 Perversion und Verführung
9 Über die Normierung der Welt
10 Jenseits des Zufalls
11 Verführung und Liebe
12 Technik und Magie

Zum Autor
Jean Baudrillard, geboren 1929, Philosoph und Schriftsteller, lebte zuletzt und stirbt in Paris 2007.

Fazit
Das Hördokument von Jean Baudrillard: Die Macht der Verführung weist eine einmalige Intensität auf , eines genial gereiften
Geistes mit blitzgescheitem verhaltenen bis behutsam-zögerlichen Spiel zwischen Deutsch und seinem ureigenen
Französisch wie dem inhaltlichen vorgetragenen verhängnisvollen Duell von Mann wie Frau in einer grausam globalisierten
Welt zwischen Apotheose und Apokalypse.
Seine gelassene Heiterkeit vor einem endgültigen Abschied, nahe dem Sokratischen, wirkt wie die Tröstung eines Freundes
(Hanimann,FAZ) vor dem unvermeidlichen Verschwinden, zu dem wir verdammt sind. Baudrillard zitiert auch im Kontext seine
geistigen Weggefährten Canetti (Verführung der Toten: Allmähliches Verschwinden des Körpers und der Objekte..), Nietzsche
und Heidegger...( Perversion und Verführung: gesetzfixiert zugleich gesetzlos, grausam reduzierte Zerteilung, Zerr-Stückelung von
Körper, Sex und Porno...ein Wille zum Tod...).
Baudrillard bewegt zentral das Jenseits des Zufalls: Darin erkennt unsere Angst vor dem Ich-Sein (Heidegger): Die Dinge
treffen fatal zusammen (Koinzidenz) - Zufall und Schicksal stehen einander gegenüber.
In der Leidenschaft / Perversion hat das Objekt eine gleichgültige Wertigkeit. Es ist ein Spiel ohne Gegenspiel. Bis die Dinge
umstürzen (Beckett, Canetti, Jonescu, Robert Gober, Schaulager ..) - in unentschlüpfbare und unentrinnbare Gewalt.
Baudrillard schliesst sein Thema Verführung mit Technik und Magie: Er stellt fest das Wahrheit ein Gebündeltes (bottelage)
von Positivem wie Negativem, Eine Ja/Nein Antwort ergibt (wie auch Robert Gober, Skulpteur, in seinen Antworten auf Fragen zu seinem Schaffen im Schaulager 2007-5) wobei dem Materiellen, Körperlichen ein Minus/Verschwinden und dem Geistigen etwas Symbolisches Plus zukommt...Zauber im Äussersten des unvergesslichen Denkzauberers Baudrillard.


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