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<<Friedrich Pohlmann : Lebensstile in Deutschland - Wandlungen eines Wohnviertels im 20. Jahrhundert>>
SWR2
>>Künstlerisches Wort/Literatur, RadioART: Essay
Redaktion: Stephan Krass, Christiane Meyer; Sendung: 10.01.2005, 21.03 – 22.00 Uhr
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PD Dr. Friedrich Pohlmann, Institut fuer Soziologie, D-79085 Freiburg
Fax 0761-203-3493 Tel 0761-696059
friedrich.pohlmann@soziologie.uni-freiburg.de


Der Autor schildert in einer persönlichen, familiengeschichtlich geprägten Perspektive Schlüsselerfahrungen einer Nachkriegs-Kindheit in den 50er Jahren. Aus dem Blickwinkel eines Kindes wird dabei vor allem ein spezifischer familialer Lebensstil dargestellt, für dessen Formung prägende Einschnitte wie Krieg, Flucht, Gefangenschaft und das Arbeitsethos der Zeit des Wiederaufbaus bestimmend waren. Im Ausgang von der Frühzeit der Bundesrepublik werden die Veränderungen in einem typischen Wohnviertel im Nachkriegs-Deutschland bis in die Gegenwart geschildert. Wie wandelt sich ein Wohnviertel im Laufe eines halben Jahrhunderts? Wie verändert sich sein Aussehen, seine Umgebung, seine soziale Struktur, sein Altersgefüge, die Lebensstile seiner Bewohner? Die Veränderungen, die der Autor beschreibt, reflektieren exemplarisch Veränderungen der deutschen Lebenswirklichkeit in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts.

Es war im Frühsommer 1956. Wir, d.h. meine Familie, d.h. ich und vier Geschwister höchst ungleichen Alters mitsamt natürlich der Eltern, die ja in Familien das Wichtigste sind, zogen um. Mein ältester Bruder war nicht dabei. Der war nämlich schon aus dem Haus gegangen, wie das so schön heißt. Dieses Haus war bis dahin ziemlich klein gewesen, eine Etage in einem Häuschen meines Großvaters, das um 1930, im Zuge der Brüningschen Notprogramme, gebaut worden war. Mein Großvater, ein pensionierter Lehrer, hatte es gekauft, um im Alter dem Land, auf dem er als Bauernsohn im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts aufgewachsen war, nahe sein zu können. Daß wir, also eine nicht weniger als acht Personen große Gruppe, auf einer Etage von dreieinhalb Zimmerchen in seinem Haus gewohnt hatten - und in der Etage darunter nicht nur der Großvater, sondern auch die Großmutter und ein Onkel von mir - wird jüngere Menschen heute sicherlich erstaunen. Die älteren ahnen aber bestimmt, daß das mit Ereignissen aus der ersten Jahrhunderthälfte zu tun gehabt haben muß. Das waren jene unmittelbaren Folgen des Krieges, die viele Familien getroffen haben: Flucht und Gefangenschaft. Meine Mutter war mit meinen drei älteren Geschwistern kurz vor Kriegsende aus dem abgebrannten Pommernland geflohen. Die vier, sehr bald von der Roten Armee überholt, waren ca. sechs Monate unterwegs. Je älter meine Mutter wurde, desto obsessiver hat sie von dieser Flucht erzählt, besonders davon, wie sie an der Aller, die die russische von der britischen Zone trennte, einen russischen Wachsoldaten namens “Iwan” mit eine Flasche Kartoffelschnaps bestochen habe. Dort, an der Aller, wollten sich übrigens auch meine beiden Brüder, wie der jüngere mir kürzlich berichtete, ihrer kleinen Schwester entledigen. Die beiden, sechs und neun Jahre alt, waren es leid, sie mit einem an seinen Rädern lädierten Kinderwagen weiterzuschieben. Woran der Plan gescheitert ist, hat er nicht gesagt. Wer vom Schicksal vieler Flüchtlingsfamilien direkt nach Kriegsende weiß, weiß, daß die vier froh sein konnten, bei meinem Großvater unterzukommen. Dessen Garten und bäuerliche Verwandtschaft sorgten auch für Zusatznahrung zu den Hungerrationen der Lebensmittelkarten. Übrigens hat mein Großvater als passionierter Raucher bis zur Währungsreform selbst Tabak angebaut. Mein Vater war kurz vor Kriegsende nach vierjährigem Kriegseinsatz mit einem versprengten Truppenteil auf der kurischen Nehrung in russische Kriegsgefangenschaft geraten. In einem Lager in Ostaschkow am Ladogasee blieb er weitere vier Jahre. Als er zurückkam, hat er sehr bald - trotz schwerer gesundheitlicher Beeinträchtigungen -  mich gezeugt. In kurzen Abständen folgten dann meine beiden Schwestern. Eigentlich war ein derartiges reproduktives Agieren angesichts der gerade angesprochenen Wohnverhältnisse und der Tatsache, daß mein Vater erst ab 1955 in seinem Beruf wieder hat unterkommen können, unvernünftig. Aber offensichtlich hat man damals noch etwas anders als unter späteren Wohlstandsbedingungen kalkuliert.
Man kann sich vorstellen, daß wir - wir Geschwister - eine ungewöhnliche Gruppe sind. Ungewöhnlich von der Altersstruktur her, meine ich. Sechs Kinder, die aber nicht wie die Orgelpfeifen auf einander folgten, sondern sich sozusagen auf zwei Würfe verteilten. Meine beiden älteren Brüder sind vor dem Krieg geboren, meine ältere Schwester ist das Produkt eines Fronturlaubs in der Anfangsphase des Krieges, dann kommt aus gerade skizzierten Gründen lange nichts, und erst dann komme ich, und kurz danach, wie gesagt, meine beiden kleinen Schwestern. Ich bin also, wenn man so will, der Chef der zweiten Geschwistergruppe, in ihr der große Bruder, aber - bezogen auf meine älteren Brüder - nur ein männlicher Nachkömmling,  sozusagen ein weit abgeschlagener Winzling. Wie ungleich die beiden Geschwistergruppen waren, zeigt der Altersabstand zwischen ältestem Bruder und jüngster Schwester: das sind immerhin 18 Jahre. Entsprechend gering waren die Erfahrungen gemeinsamen Zusammenlebens unter einem Dach zwischen Geschwistergruppe 1 und 2, und entsprechend vorsichtig und gering sind bis heute die Kontakte zwischen ihnen. Es ist richtig, daß diese ungewöhnliche Alterstruktur ein Produkt des Krieges ist, aber diese Aussage ist doch etwas vage und mißverständlich.  Tatsächlich ist ja nur die Existenz der von mir angeführten zweiten Gruppe, obwohl nur aus Friedenskindern bestehend, kriegsbedingt. Denn wir wären ja wohl kaum früher geboren worden, wenn es den Krieg nicht  gegeben hätte. Die, die da möglicherweise geboren worden wäre, wären ja  nicht  wir gewesen. Vielleicht hätten sie sich uns vorstellen können. Zum Sprung von der Fiktion in die Wirklichkeit aber hätte uns auch eine derartige Phantasieleistung nicht verholfen. So aber sind wir es, die sich sie vorstellen. Wir sind da, sie aber nur eine Fiktion. Ohne den Krieg wäre das nicht denkbar. Vielleicht sollten wir deshalb dem Krieg sogar dankbar sein. 

Die gerade vorgestellte Gruppe - damit hatte ich begonnen - zog also im Frühsommer 1956 um.  Richtig, ich muß präzisieren: die gerade vorgestellte Gruppe unter Abzug des ältesten Bruders. Hätte ich das vergessen zu erwähnen, wäre das nicht nur familiengeschichtlich inkorrekt gewesen, sondern es hätte auch ein kleines, aber durchaus zeittypisches Detail gefehlt. Das war die Sehnsucht nach der Ferne, die zu dieser Zeit bei jungen Menschen  sehr verbreitet war. Mein ältester Bruder war 1955 direkt nach dem Abitur sofort der atemberaubenden Wohnungsenge entflohen, aber nicht etwa, um zu studieren, sondern um zur See zu fahren. Als Schiffsjunge ist er sogar noch zwei Jahre auf der “Passat” gefahren. Viele werden sich erinnern, daß die “Passat” und die  “Pamir”, ihr Schwesterschiff,  die letzten deutschen Großsegler waren. Man weiß, daß die “Pamir” Ende der fünfziger Jahre bei Kap Horn in einem Sturm untergangen ist. Weit über Hundert Seeleute kamen dabei um. Das war eine der größten deutschen Schiffahrtskatastrophen der Nachkriegszeit. Für mich als Jungen wurde danach das Wort Kap Horn das, was für Odysseus Scylla und Charybdis gewesen sein muß, eine angstlustbesetzte Meeresgefahr, die ich später, als erwachsener Seefahrer, heroisch zu durchqueren mir vorgenommen hatte. Daß ich Seemann werden wollte, hing auch mit den Ansichtskarten zusammen, die mein Bruder von seinen langen Reisen aus fernen Orten mit so geheimnisvoll-fremden Namen wie “Buenos Aires” oder “Yokohama” verschickte. Unvergeßlich ist mir - ich muß neun Jahre gewesen sein - das Bild seines sich auf der Weser in Bremen  langsam durch den Nebel seinem Anlegeplatz zubewegenden Ozeandampfers, eines großen Frachtschiffes des legendären “Norddeutschen Lloyd”. Zum imposanten Bild paßten genau die langgezogenen und etwas dumpfen und heiseren Klänge der Schiffssirene.

Die Reise von unserem alten zum neuen Wohnort, einer Hafenstadt an der Nordsee, hatten wir im Zug und zwar per Dampflok, die damals noch sehr gebräuchlich war, gemacht. Ich war da gerade sechs Jahre und hatte schon zwei Monate unangenehmen Schulbesuchs hinter mir. Das war meine zweite Zugfahrt. Die erste, auch sie mit der Dampflok,  hatte mich und meinen Onkel ein Jahr zuvor in den Zoo nach Hannover geführt.  Es gibt ein Bild von diesem Besuch: ein als freundlicher Eisbär verkleideter Mensch faßt mir von hinten mit seinen Tatzen auf die Schultern. Ich, mit einer Stulle in der Hand, schaue ängstlich in die Kamera. Bekleidet war ich mit einem Mantel, dessen Kapuze - es muß kalt gewesen sein - meinen Kopf bedeckte, knielangen Wollstrümpfen und kurzer Hose. Ich weiß aber, daß ich an den Oberbeinen nicht unbekleidet gewesen war. Sie waren mit langen, fleischfarbenen Strümpfen bedeckt, die an den Hüften mit Strumpfhaltern befestigt wurden. Lange Hosen waren zu dieser Zeit für Jungen meines Alters, besonders in Flüchtlingsfamilien, noch etwas Besonderes. Ich habe noch mindestens die ersten beiden Jahre in der Volksschule, wie andere auch, im Winter derartige Strümpfe getragen, mich allerdings mehr und mehr deswegen geschämt, weil sie nach Mädchenstrümpfen aussahen und ich bald fast der einzige war, der sie trug. Mit acht wurde ich übrigens ganz neu eingekleidet, allerdings nur mit Sonntagssachen. Die machte damals noch, auch für Kinder, der Schneider. Als er - mit einem um den Hals hängenden Meterband und Nadeln im Mund - mich drehte und das ärmellose Fragment eines Jacketts, das man mir übergezogen hatte, absteckte und mit Kreide bezeichnete, fühlte ich mich, wenn man so sagen darf, wie eine behängte Sache.

Als wir in Wilhelmshaven, nach Zug- und Busfahrt und längerem Fußmarsch genauer des Viertels ansichtig wurden, das unsere neue Heimat bilden sollte, soll mein Bruder - ich selbst kann mich an nichts erinnern - gesagt haben: “In diese Kasernen ziehe ich nicht ein”. Er ist dann aber doch eingezogen, hat dort allerdings nur noch knapp zwei Jahre - bis zu seinem Studienbeginn - gewohnt. Ich habe da noch zwölf Jahre, bis zum Abitur, gelebt, dort also einen Großteil meiner Kindheit und Jugend zugebracht. Meine Mutter wohnt bis jetzt dort, aber sie zieht in einigen Monaten in ein Heim, weil sie, nunmehr 93-jährig, sich kaum noch allein versorgen kann. Sie hat dort also fast ein halbes Jahrhundert gelebt. Ich habe sie nach meinem Auszug regelmäßig besucht, also den Wandel dieses Viertels sehr lange beobachten und auf mich einwirken lassen können. Über diesen Wandel möchte ich berichten. Wie verändert sich ein Wohnviertel im Laufe eines halben Jahrhunderts? Wie verändert sich sein Aussehen, seine Umgebung, seine soziale Struktur, sein Altersgefüge, die Lebensstile seiner Bewohner?  Die  Veränderungen, die ich beschreiben werde, reflektieren exemplarisch Veränderungen der deutschen Lebenswirklichkeit in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts. Geschrieben aus der Perspektive des Angehörigen einer Familiengruppe, die - wie meine einführende Darstellung zeigen sollte - in ihrer Struktur und in Facetten ihres Lebensgefühl stark durch die erste Hälfte des letzten Jahrhunderts geprägt worden ist, sollen sie die Entwicklung deutscher Wirklichkeiten im Langfristzeitraum nachzeichnen. Eine Bewertung dieser Entwicklung werde ich mir ersparen. Ich möchte allerdings anregen, sich am Ende meiner Schilderung ihre Ergebnisse einmal als Ausgangspunkte einer ähnlich langen Zukunftsentwicklung vorzustellen.  Das führt bestimmt zu einigen Irritationen.

Die Häuser des Viertels haben tatsächlich eine entfernte Ähnlichkeit mit Kasernen, denn sie sind alle nicht nur in ihrer Grundform gleich, sondern auch aus gleichem Baumaterial - dem für die Küstenregion typischen Klinker - und in einer quasi-militärischen Parallelität angeordnet.

Das Viertel bedeckt ein Areal von etwa einem Kilometer in der Länge und sechshundert Metern in der Breite, und als wir dort einzogen, waren drumherum nur Wiesen. Errichtet wurde es im Nationalsozialismus, eine Herkunft, auf die zwei - städtebaulich durchaus positiv bewertbare - Charakteristika hindeuten: die sehr großen, für Viertel dieser Zeit typischen Grünflächen zwischen den Häusern und die abgestuften Wohnungsgrößen. Es sind durchgehend Vierfamilienhäuser, mit jeweils unterschiedlich großen, aber in jedem Haus gleichen Wohnungen. Wahrscheinlich sollten durch diese Struktur soziale Homogenität und Vielfalt miteinander verknüpft werden: in jedem Haus Familien mit ähnlicher Größe und ähnlichem Sozialstatus, aber in Haus- und Straßennachbarschaft zu Familien sehr anderen Gepräges. Vielleicht wollten die Architekten eine architektonische Gußform für die nationalsozialistische “Volksgemeinschaft” schaffen. Jedenfalls war die Sozialstruktur  des Viertels in der zweiten Hälfte der fünfziger Jahre tatsächlich durch die Verbindung von Statusgleichheit und -differenz bestimmt. In unserem Haus zum Beispiel lebten nur sogenannte “Akademikerfamilien”, und zwar außer uns drei Lehrerfamilien, von deren männlichen “Vorständen” mich zwei einige Jahre später im Gymnasium keineswegs gutnachbarlich traktiert haben, während das Haus gegenüber mit den kleineren Wohneinheiten vor allem von Handwerkern und Arbeitern bewohnt wurde. Das Viertel, gefüllt mit Menschen, war sozial sehr heterogen, was unmittelbar wahrnehmbar war. Übrigens waren fast alle statushöheren Familien zugezogen, und viele unter ihnen, wie wir, Flüchtlinge in ihrem nunmehr zweiten neuen Domizil. Für die Entwicklung der Sozialstruktur des Viertels war das ein wichtiger Sachverhalt, weil gerade diese Leute dann mit steigendem allgemeinen Wohlstand in den nächsten beiden Jahrzehnten das Viertel überproportional stark verlassen sollten. Aber damit greife ich  vor. Für mich als sechsjährigen Neuankömmling waren zunächst ganz andere Dinge als die Feinheiten von Sozialstrukturen wichtig. Zwei müssen als erstes herausgehoben werden: Ruinen und  Kinder. Beginnen wir mit den Ruinen.

Auf der Rückseite unseres Hauses, am anderen Ende des Grünzwischenraums, konnte man  ein Duplikat desselben bewundern, allerdings eines in Trümmerform. Darauf mußten mindestens zwei Bombenvolltreffer gefallen sein. Was wir, aus dem Küchen- oder Eßzimmer schauend, also immer in frontaler Monumentalität wahrnahmen, war eine Ruine. Das war freilich beileibe nicht die einzige des Viertels. Als unregelmäßige Einsprengsel verzierten sie seine ganze Physiognomie. Es gab eine Querstraße, deren beide Ränder nur aus Schutt und Trümmern bestanden. Die Ruinen waren unzweifelhaft imposante Spuren des Krieges, aber keineswegs die einzigen. Manche Überbleibsel waren noch unmittelbar lebensgefährlich. Am Ufer eines kleinen Flusses am Außenrand des Viertels, der ins Meer führt und von mir im Alter von neun Jahren öfter mit einem aus Benzinkanistern gebauten Floß befahren wurde, habe ich einmal eine Munitionskiste gefunden. Und mein zweitältester Bruder hat im Sommer 1959 in den Semesterferien trotz seiner eher feinsinnig-ästhetischen Geisteshaltung nicht nur - es gab ja noch kein Bafög - im Schlachthof und als Friedhofsgärtner gearbeitet, sondern auch in einer Anlage zur Entschärfung von Munition, die man aus dem Meer geborgen hatte. Von besonderen Sicherheitsvorkehrungen oder Qualifikationen für diesen Job hat er nicht erzählt. Ich glaube übrigens auch nicht, daß meine Eltern danach gefragt haben. Vielleicht sollte ich an dieser Stelle schon etwas vorgreifen und auch bereits unsichtbare Spuren des Krieges ansprechen. In vielen Familien zu dieser Zeit waren, wie in unserer, die Vorkriegs-, Kriegs- und unmittelbaren Nachkriegserfahrungen präsent, aber diese Präsenz war ungreifbar, kaum jemals an- oder ausgesprochen. Die Kinder spürten aber, wie sie das Fühlen und Tun ihrer Eltern atmosphärisch einfärbten, sie nahmen sie als undefinierbare Stimmungsqualität wahr, als verschwiegene Präsenz eines bedrückenden und bedrohlichen Anderen. Obwohl Krieg und Gefangenschaft meinen Vater wie kaum etwas sonst geprägt hatten, hat er über den Krieg - wenn überhaupt - nur beiläufig Nebensächliches erzählt, und über die Gefangenschaft nur einige Male ganz kurz. In distanzhaltender, fast witzelnder Art,  ging es dann um die in den Baracken an der Decke entlanglaufenden Ratten, das “Dawai, Dawai” der Bewacher, die Erschießungsandrohung bei Diebstahlversuchs von volkseigenem Eigentum wie eines Sackes Mehl, nächtliche Verhöre, die Hungertoten und den Totenkarren des Lagers und die medizinische Prüfungsmethode der Arbeitsfähigkeit der Gefangenen, die aus einem Kniff in den Oberschenkel bestand. Das waren aber, wie gesagt, immer nur kurze Äußerungen, fast wie gegen den eigenen Willen herausgebracht. Den in Kriegs- und Gefangenenschaftserinnerungen schwelgenden deutschen Mann halte ich für eine ähnliche politpsychologische Fiktivkonstruktion wie Heinrich Manns “Untertan”.

Natürlich waren vor allem die Ruinen ein herrliches Spielterrain für die Kinder, verglichen mit dem die Abenteuerspielplätze von heute niedlich wirken. Übrigens: an Spielplätze in dieser Zeit kann ich mich nicht erinnern, sie kamen wahrscheinlich erst dann richtig in Mode, als die Kinder rarer und die Autos zahlreicher wurden. Die Ruinen waren geheimnisvolle Orte mit ihren teils verschütteten Kellerhöhlen, und sie waren gefährlich: Da gab es zur Hälfte weggerissene Fußböden auch in den oberen Stockwerken und große Stellen mit fehlendem Mauerwerk an den Seiten, so daß hier das Hausgerippe bloß lag. Es existierten also viele Möglichkeiten, sich die Beine oder auch das Genick zu brechen, aber das führte keineswegs zu Verboten, dort zu spielen oder zu fühlbaren Beaufsichtigungen. Die Kinder - auch die recht kleinen Exemplare unter ihnen - überließ man weitgehend sich selbst, wohl in einem gesunden Vertrauen auf die Leistungsfähigkeit gruppeninterner Kontroll- und Schutzmechanismen. Kinder und Jugendliche - die zweite Hälfte der fünfziger Jahre war ja die Hochzeit bundesrepublikanischer Kinderzeugung - prägten weitgehend Atmosphäre und nachmittägliches Erscheinungsbild des Viertels. Die vier Familien in unserem Haus hatten zusammen 16 Kinder, von denen 15 dort wohnten. In der Familie nebenan gab es neben den beiden Kleinkindern auch noch eine Großmutter von imposanter Fülle. Für mich waren die Kinder im Haus entweder zu klein oder zu groß, so daß sie als Spielgefährten nicht in Frage kamen. Aber man kann sich vorstellen, wie beengt man hier noch lebte. Jede Wohnung hatte vier - keineswegs sonderlich große - Zimmer, dazu kamen noch zwei Mansarden, die eine mit der Fläche einer etwas größeren Speisekammer. Um Platz zu sparen, waren Klappbetten üblich. In den Mansarden wohnten die älteren Geschwister. Ich habe als siebenjähriger häufiger meinen zweitältesten Bruder von dort zum Essen runtergeholt. Der bereitete sich gerade aufs Abitur vor und rauchte entsprechend. Wenn ich diesen vollgepafften Raums betrat, hatte ich immer das Gefühl, nur unter Vorbehalt einen kurzen Blick in eine mir verschlossene Welt zugestanden bekommen zu haben. Später, ab 11, bin ich dann in die kleinere der beiden Mansarden gezogen. Da war ich wenigstens unbeobachtet, ein Fakt, der in der Zeit der beginnenden Pubertät kaum überschätzt werden kann. In dieser Kammer habe ich auch meinen dreizehnten Geburtstag gefeiert. Wie meine sechs oder sieben Freunde darein gepaßt haben, ist mir heute noch rätselhaft. Jedenfalls gab es Kakao und Kaffee, den alle “Negerschweiß” nannten. Das hört sich zwar rassistisch an, war aber nicht so gemeint.

Die Wohnungen waren hellhörig, man kann sich also angesichts ihrer gerade skizzierten Belegstärke vorstellen, wie lautstark es dort zuging und wieviel die einzelnen Parteien voneinander mitbekamen. Übrigens wurde in zwei Familien - darauf gehe ich noch ausführlicher ein - auch viel musiziert. Beschwerden gab es unter diesen Bedingungen nie. Man arrangierte sich miteinander, aber da man soviel voneinander wahrnahm, hielt man Distanz. Ich glaube nicht, daß in den ersten Jahren meine Eltern oder Geschwister jemals in der Wohnung eines unserer Hausnachbarn waren.

Wenn ich versuche, mir das Aussehen von Kindern meines Alters quer durch die sozialen Milieus zu vergegenwärtigen und es mit den Eindrücken vergleiche, die man von Gegenwartskindern bekommt, dann fällt mir als erstes ein negatives Abgrenzungsmerkmal ein: Daß es bei uns um 1957/58 herum kaum fettleibige Kinder gab. Jene bedauernswerten kleinen Speckmonster mit massiven motorischen und kognitiven Entwicklungsstörungen, denen man heutzutage vor allem in unterprivilegierten Sozialmilieus begegnet, konnten sich noch nicht ausbreiten, dafür fehlten alle wichtigen Voraussetzungen. Es gab ja noch keinen Fernsehapparat, vor den man Kinder zur Ruhigstellung setzen konnte, und auch die materiellen Verhältnisse waren noch so karg, daß man nicht ohne weiteres süße oder salzige Magenfüller kaufen konnte. Außerdem trieben die beengten Wohnverhältnisse die Kinder nach draußen, wo sie in Gruppen gerieten, die Dicke hänselten. Typisch für diese Zeit - das bezieht sich jetzt nur auf die Verhältnisse unter den Jungen - war noch die generelle physische Überlegenheit von Kindern aus unterprivilegierten Verhältnissen über die bessergestellten. So “stark” wie diese Jungen waren wir nie.  Unsere Beziehungen zu ihnen will ich etwas ausführlicher charakterisieren, und zwar im Ausgang von einem für die Sozialstruktur des Viertels und die sozialen Beziehungen der Kinder zentralen Faktor: der Existenz eines direkt an das Viertel angrenzenden “Lagers”. Das sogenannte “Lager”, - das war eine schäbige Barackensiedlung von beachtenswerter Größe, in Bauweise und Anordnung der Baracken tatsächlich an ein “Lager”gemahnend, ein Auffangbecken für noch immer aus diversen osteuropäischen Ländern kommende Flüchtlinge, aber auch - und im Laufe der Zeit immer mehr  - für jene Familien, die die Integration nicht schafften. “Lager” dieser Art gab es bis mindestens Ende der fünfziger Jahre in fast jeder Stadt in der Bundesrepublik. Das “Lager” in unserem Viertel war der Inbegriff des sozialen Unten, der Asozialität. Es wirkte auf die Einwohner des Viertels wie eine geheime Drohung und markierte als unübersehbarer Schandfleck jenes Außen, gegenüber dem sie sich - so heterogen sie ansonsten auch in ihrer sozialen Zusammensetzung waren - als Zusammengehörige abgrenzen konnten. Die Komponenten, die das Bild des “Lagers” formten - Angst und Verachtung - nahmen die Kinder natürlich besonders intensiv wahr, und zwar um so mehr, als ihnen diese Örtlichkeit manchmal als unausweichlicher Endpunkt selbstverschuldeten Versagens ausgemalt wurde. Entsprechend groß war die Berührungsscheu vor diesem Ort. Ich war nur zweimal dort. Was mir von meiner ersten Erkundungstour dorthin, die kurz war und eher den Charakter einer Mutprobe hatte, vor allem in Erinnerung geblieben ist, ist der Geruch. Es war jene süßliche Mischung aus Rauch, miserablen Hygieneverhältnissen und Küchenausdünstungen, die wohl überall ein untrügliches Zeichen sozialer Not ist. Das zweite Mal war ich dort auf einem Geburtstag. In der zweiten Klasse der Volksschule hatte mich ein dort wohnender Junge eingeladen, obwohl ich gar nicht näher mit ihm zu tun hatte. An Einzelheiten des Geburtstagsfestes - mein Präsent war eine Tafel Schokolade - kann ich mich nicht mehr erinnern, festgesetzt hat sich nur das Bild des dunklen breiten Flurs beim Eintreten in die Baracke, von dem keine Wohnungen, sondern nur einzelne Zimmer für die Familien abgingen. Der erste Raum, den man wahrnahm, war die Gemeinschaftsküche. Gegen die Jungens aus dem Lager, die “Lagerbutscher” genannt wurden und den Nimbus besonderer Stärke und Rücksichtslosigkeit genossen, hatten wir keine Chance. Wir haben gegen sie kläglich ein Fußballturnier verloren, das vor der großen Ruine auf der Rückfront unseres Hauses ausgetragen wurde, und als ich einmal einen dieser “Butscher” nur durch die Drohkraft meines Blickes zur Flucht zwingen wollte, hat er mir einen sterneerzeugenden Faustschlag aufs Auge versetzt, der dasselbe dann tiefblau einfärbte. Das konnte ich dann immerhin als Zeichen von Männlichkeit und Wagemut präsentieren. Sehr anders als die Jungen waren die Mädchen aus dem Lager. Manche von ihnen waren offensichtlich stark in ihrer Entwicklung gestört. In der Volksschule saßen einige dieser “Lagermädchen” in der letzten Reihe. Sie waren derartig verschüchtert und angstvoll, daß sie - auch dies eine Erinnerung aus der zweiten Klasse - nicht selten während des Unterrichts Rinnsale auf dem Klassenboden hinterließen. Übrigens war die Volksschulzeit für niemanden sehr lustig. Man durfte morgens oder nach der großen Pause keineswegs ungeordnet in das Gebäude einströmen, sondern jede Klasse mußte vor dem Eingang eine lange, Zwei-Kind-breite Kette bilden. Dann betrat man im disziplinierten Gänsemarsch das Gebäude. Die Lehrer, bei deren Eintreten in den Klassenraum sich alle zu erheben hatten, waren streng und haben nicht selten auch noch geschlagen, Ohrfeigen oder Stockstreiche auf die Finger. Eltern haben sich deswegen aber bestimmt nie, auch wenn sie strikt dagegen gewesen sein mögen, beschwert. Man hielt hier noch auf Kompetenzabtrennung und hätte Sorgen um das psychische Wohl der Kinder auch kaum öffentlich verhandelt. Übrigens war auch die öffentliche Demonstration von Zärtlichkeit zu den Kindern nicht üblich und ein Kinderwagen schiebender Mann ein gänzlich unbekanntes Exemplar. Ab der vierten Klasse Volksschule teilten sich die weiteren Wege der Kinder noch ganz selbstverständlich entsprechend ihrer Schichtzugehörigkeit. Aus unserer Klasse wurden für die Aufnahmeprüfung zum Gymnasium fast ausschließlich Kinder aus der Mittel- und Oberschicht - maximal  zwanzig Prozent aus der Klasse - angemeldet.  

Die körperliche Erscheinung und die Physiognomie der Erwachsenen waren im zweiten Drittel der fünfziger Jahre noch sehr anders als in der Gegenwart. Auch hier fällt mir als erstes der Unterschied bei Angehörigen der unteren sozialen Milieus ein. In unserer Gesellschaft ist Fettleibigkeit überproportional stark bei Angehörigen des sogenannten “Harmoniemilieus”, wie der Soziologie Schulze das Nachfolgemilieu der traditionellen Arbeiterschicht genannt hat, vertreten. Das ist eine Folge nicht nur der Reduktion der Arbeit, sondern genauso ihres physisch erschöpfenden Charakters und des noch immer recht hohen - auch durch sozialstaatliche  Alimentierungen abgestützen - Wohlstandsniveaus, - eines Faktorenbündels, das bei Überschreiten bestimmter Grenzwerte unweigerlich zur physischen Verunstaltung führt, zur “Verhausschweinung des Menschen”, wie sich Konrad Lorenz einmal sarkastisch ausgedrückt hat, wenn man dem nicht aktiv entgegenwirkt. Damals aber war unter den Arbeitern noch ein hagerer, knochiger Typus dominant, dessen faltiges und gegerbtes Gesicht von harter Arbeit und noch nicht lange zurück liegenden physischen Entbehrungen zeugte. Nur am Rande sei hier angemerkt, daß noch zehn Jahre zuvor, im Jahre 1947, das Durchschnittsgewicht der Männer bei 52kg lag. Es waren jene Arbeitergesichter, die - wegen ihres respekteinflößenden aristokratischen Proletarismus  - in der bildenden Kunst sowohl des Kommunismus als auch des Nationalsozialismus idealisiert worden sind. Auch unter den Geistesarbeitern befanden sich noch häufig hagere Personen mit faltigen und immer angestrengt wirkenden Gesichtszügen - man denke an Kurt Schumacher während der Luftbrücke, um eine Vorstellung von diesem Phänotypus zu bekommen. Insgesamt waren die direkt ins Auge springenden Typendifferenzen von Gesichtern weit ausgeprägter als in der Gegenwartsgesellschaft, in der die groben physiognomischen Unterschiede  zurückgegangen sind. Was heutzutage zunehmend schwerer geworden ist, war damals meistens noch unschwer möglich: vom Gesicht und der physischen Erscheinungsform einer Person unmittelbar - ohne die Dazwischenkunft der verräterischen Sprache - auf seinen Beruf schließen zu können. Hauptgrund dafür war die Prägekraft der Arbeit. Die Arbeit stand im Zentrum der Existenz, und ab Mitte der fünfziger Jahre war die Bundesrepublik eine Arbeitsgesellschaft im vollen Wortsinn. Gerade die zentrale Orientierung an Arbeit und die Verinnerlichung eines strikten Arbeitsethos hatte viele unter der am Anfang der fünfziger Jahre noch großen Arbeitslosigkeit leiden lassen, aber jetzt waren die meisten, auch Heimkehrer wie mein Vater, in ihrem ursprünglichen Beruf wieder untergekommen, wenn auch manchmal anfänglich nur durch Beziehungen, die im Gefangenenlager geknüpft worden waren. Die Arbeitszeiten waren noch generell lang - auch am Samstagvormittag wurde gearbeitet -, aber der Hauptunterschied zum gegenwärtigen Arbeitssystem waren doch die scharfkantigen Differenzen, die viele berufliche Tätigkeiten damals noch voneinander trennten und das große Übergewicht, das die Handarbeit in allen Sektoren über den Bereich der Kopfarbeit hatte. Das Arbeitssystem der fünfziger Jahre hatte mehr Ähnlichkeiten mit demjenigen der Hochindustrialisierungsphase im 19. Jahrhundert als mit dem unsrigen, in dem der Computer und der dominante Dienstleistungssektor eine starke Angleichung vieler Berufstätigkeiten und ein fast völliges Verschwinden physisch erschöpfender Arbeit bewirkt haben. Beides, die noch nicht lang zurückreichende Entbehrung und die gerade skizzierten Merkmale des Arbeitssystems prägten sich physiognomisch aus, aber gerade der erschöpfende Charakter der Arbeit war auch atmosphärisch deutlich spürbar: Wenn ich um 1957/58 meinen Vater von einer kleinen Vorortbahn abholte, die kurze Zeit später stillgelegt wurde, entstiegen dem Gefährt Menschen, die erschöpft wirkten, und auch der “Feierabend”, der um diese Zeit dann begann, schien sich wie eine gewisse Müdigkeit und Schwere über das Viertel zu legen.

Unzweifelhaft gab es zu dieser Zeit in der Bundesrepublik - als Folge des völligen Neuanfangs nach 1945, den vor allem die Flüchtlinge versinnbildlichten, aber auch des kompletten Bedeutungsverlustes des Adels - bereits deutlich wahrnehmbare  Angleichungen im Lebensstil der verschiedenen sozialen Schichten, Tendenzen, die Helmut Schelsky seinerzeit  mit dem Begriff der “nivellierten Mittelstandsgesellschaft” zu charakterisieren versucht hat. Andererseits hatte das klassische bürgerliche Hochkulturschema gesamtgesellschaftlich noch kaum an Prestige eingebüßt. Auch für Menschen, die nie damit zu tun bekamen, umwehte die Namen “Goethe” oder “Beethoven” noch ein Hauch des Quasi-Sakralen, die  Aura eines höheren Seins, die sie zu Synonymen für Kultur überhaupt machten. Niemandem wäre eingefallen, den Kulturbegriff auch für Jazzmusik oder Rock’n’Roll zu verwenden, für Musikformen, die jetzt stärker- aber nur für Jugendliche - hörbar wurden. Die Erosion des bürgerlichen Hochkulturschemas als eines gesamtgesellschaftlich fraglos geltenden  Orientierungsrahmens für Kultur wurde deutlich ab der Mitte der sechziger Jahre spürbar, und in der  Folge entwickelten sich diverse neue Schemata der Massenkultur mit einem auf jeweils spezifische Milieus beschränkten Prestige. In der Gegenwart gibt es keine milieuübergreifende hierarchische Prestigeskala kultureller Schemata mehr, auch die milieuspezifischen Bewertungsmaßstäbe von “Kultur” haben sich inkompatibel pluralisiert. Die Letztphase unangefochtener Gültigkeit des bürgerlichen Hochkulturschemas hat meine Kindheit und Jugend geprägt, und es war auch ganz wesentlich die Nähe oder Ferne zu diesem Schema, durch die sich unterschiedliche Lebenstile und Mentalitäten in unserem Viertel ausdifferenzierten. Von zentraler Bedeutung war dabei der Bezug zur sogenannten klassischen Musik, der ja in Deutschland wie nichts sonst das Bürgertum geformt hat. In dem Viertel wurde in einem Großteil der Familien mit bürgerlichem Selbstverständnis musiziert und die Kinder zur Erlernung eines Instruments angehalten. Daß in nicht wenigen dieser recht unansehnlichen Häuser in Kasernenstilbauweise hingebungs- und niveauvoll Musik gemacht wurde, war ein ästhetisch durchaus interessantes Phänomen. In der Lehrerfamilie über uns im Haus spielten zwei der schon älteren Kinder Streichinstrumente und die Frau Klavier, und als ich ab dem Alter von 9Jahren intensiv mit dem Geigenspiel begann und mir bald die beiden Schwestern mit anderen Instrumenten nachfolgten, gab es über die beiden Stockwerke hinweg oft ein stundenlanges, nicht aufeinander abgestimmtes Duo- oder Triospiel, das sicherlich nicht nach jedermanns Geschmack war. Nie aber hätte jemand ein kritisches Wort dazu geäußert, dazu war das Prestige der Musik viel zu hoch. Die Musikausübung war für mich auch der wichtigste Bestandteil der Gymnasialzeit, und ich glaube, daß sich daran wie an nichts sonst der Unterschied zum Gymnasium der Gegenwart aufzeigen ließe. An unserem Gymnasium, wie auch an den beiden anderen der Stadt, gab es große Schulorchester  - und zeitweise sogar Orchester der Unter-, Mittel- und Oberstufe -, denen, da geleitet von hervorragenden Musiklehrern, und - dank außergewöhnlicher Privatlehrer am Ort - besetzt mit vielen sehr guten Spielern, Aufführungen anspruchsvoller Stücke in einer Qualität gelangen, die heute kaum mehr vorstellbar ist. Da wurden auf den jährlich zweimal stattfindenden großen Schulkonzerten der Gymnasien und einem Kammerkonzert zum Beispiel Violinkonzerte von Mozart oder Streichquartette von Beethoven vorgetragen, von Spielern, von denen einige dann Berufsmusiker geworden sind. Immer aber lag ein besonderes Schwergewicht auf Bach, der  oft auch in Kirchen aufgeführt wurde, und ich glaube, daß diese Hinwendung gerade zu seiner Musik nicht ein durch einzelne Lehrer bedingter Zufall war. Die Hinwendung zu Bach war - so deute ich die Gesichter und die Atmosphäre, die ich erinnere - wie eine quasi-sakrale Hinwendung zu einer transzendenten Instanz vor dem Hintergrund des Gefühls,  noch einmal davon gekommen zu sein. Sie hatte auch etwas von Demut an sich. Ohne die Erfahrung der Katastrophe des Krieges wäre sie so nicht denkbar gewesen, und notwendigerweise mußte auch in Deutschland mit ihrem Verblassen der Bezug auf diese Musik einen anderen Charakter  annehmen. Interesse verdient auch, daß auf der Schule guten Musikern schlechte Leistungen in den eigentlichen Schulfächern systematisch nachgesehen wurden, - ein Faktum, das noch den bis Mitte der sechziger Jahre weitgehend intakten Schichtcharakter der Gymnasien zu illustrieren vermag und im Gegenwartsgymnasium undenkbar wäre. Da diesem der bürgerliche Bildungskanon als Orientierungsrahmen weitgehend abhanden gekommen ist, bleibt ihm gar nichts anderes übrig, als auf das Gleichheitsprinzip und einen von technokratischen Effizienzkriterien bestimmten Bildungsbegriff zu setzen, der den Schülern manchmal mehr Leistungen als uns damals abverlangt. Das gesamtgesellschaftliche Prestige des bürgerlichen Hochkulturschemas kann ich an einer Erinnerung verdeutlichen, die in mir höchst ambivalente Gefühle hervorruft: dem alljährlichen Auftritt eines unserer Orchester bei der Weihnachtsfeier eines der größten Industriebetriebe der Stadt. In einer großen Maschinenhalle, erhöht sitzend, spielten wir dort zwischen Weihnachtsansprachen des Generaldirektors und irgendwelcher Arbeitervertreter vor mehreren hundert Arbeitern. Ich habe das schon damals als aufdringlich empfunden und als einen subtilen Demonstrationsversuch von Superiorität. Aber dafür gab es immerhin ein für einen Jungen hohes Honorar.  

Die Pflege klassischer Musik in vielen Familien und ihre Bedeutung an den Gymnasien bis Mitte der sechziger Jahre wirkt im Nachhinein wie der letzte Rettungsversuch von Bürgerlichkeit unter bereits unwiderruflich nachbürgerlichen Bedingungen. Als ich an der Vierzigjahresfeier  von Konzerten unserer Gymnasien teilnahm, wurde der erste Teil von einem aus betagten Ehemaligen bestehenden großen Streichorchester bestritten. Der zweite bestand aus Darbietungen von jetzigen Schülern. Sie machten ihre Sache fast immer gut. Aber was sie auf dem Keyboard oder der E-Gitarre oder als Interpreten von Popsongs produzierten, war eine andere Musik. Nichts veranschaulichte besser den radikalen Bruch einer langen Tradition von Bürgerlichkeit als die beiden Hälften dieses Konzertes.       

Ab dem letzten Drittel der fünfziger Jahre wurden in unserem Viertel und seiner Umgebung die Zeichen des beginnenden Wirtschaftswunders immer unübersehbarer. In der Straße vor dem Haus verlängerte sich die Kolonne parkender Autos von Jahr zu Jahr, nahm aber in ihrer ästhetischen Vielfalt in den sechziger Jahren immer mehr ab. Während anfangs noch so heterogene Formtypen wie Volkswagen, Messerschmitt-Kabinenroller, Borgward und die Opel- und Mercedesmodelle mit den kutschenartigen Kotflügeln hintereinander standen, präsentierten sich dann mehr und mehr die verschiedenen Automarken - abgesehen natürlich vom singulär bleibenden VW-Käfer -  wie nur noch geringfügig voneineinander abweichende Varianten eines  Einheitsmodells. Und in der Umgebung unseres Viertels entstand ein neues großes Viertel, das die divergenten sozialen Milieus, die bei uns noch in verschiedenen Wohnungstypen beieinander lebten, auf verschiedene Haustypen verteilte: auf Mehrfamilien-, Reiheneinfamilien- und “richtige” Einfamilienhäuser. Da aber die Architektonik der Häuser und ihre Gruppierung im Raum weitgehend den Strukturen unseres Viertels ähnelten, erschien es wie dessen verbesserte Kopie. In die Einfamilien- und Reiheneinfamilienhäuser dieser verbesserten Kopie zogen dann in der ersten Hälfte der sechziger Jahre nicht wenige  Familien aus den mittleren und höheren Sozialmilieus des Viertels. Das bewirkte eine erste Reduktion seiner sozialen Vielfalt, weil für sie jüngere Familien mit niedrigerem Bildungshintergrund nachzogen.

Wie ein Symbol des industriellen Aufschwungs wirkten die großen Rohre, die dann im ersten Drittel der sechziger Jahre quasi auf der Grenzlinie zwischen den beiden Vierteln aneinander gereiht und im Laufe eines Jahres in der Erde vergraben wurden. Aus ihnen erstand eine Ölpipeline von der Nordsee ins weit entfernt Ruhrgebiet. In diesen Rohren habe ich mit meinen Freunden das Rauchen geübt und schließlich gelernt. Die Zigaretten hatten wir dank unserer manuellen Geschicklichkeit aus einem jener dann sehr bald ausgemusterten Apparate mit durchgehendem Schacht und Drehvorrichtung, mit der man einen Pfeil auf die gewünschte Marke einstellt, entwendet. In den Röhren wie Tom Sawyer und Huckleberry Finn in ihrer Tonne liegend, haben wir alle Marken - Senoussi, Overstolz, Golddollar usw. - durchprobiert und dabei anfangs ähnliche unangenehme Erfahrungen machen müssen wie Mark Twains Helden.

Es war ein kleines, aber für den schleichenden Veränderungsprozeß des Viertels durchaus symptomatisches Detail, daß der nur auf Rauchwaren spezialisierte kleine Laden, vor dem dieser Zigarettenautomat hing, Mitte der sechziger Jahre verschwand. Ende der fünfziger Jahre hatte übrigens schon der Schneider, der mir meinen Sonntagsanzug fabriziert hatte, seine Werkstatt geschlossen. Auch die etwas besser situierten Leute waren nunmehr dazu übergegangen, ihre Anzüge “von der Stange”, wie das genannt wurde, zu kaufen. Mit Großhandelsketten aber wie “Müller-Wipperfürth”, der in der Stadt eine Filiale eröffnet hatte, konnte unser Schneider nicht konkurrieren.

Im Laufe der sechziger Jahre verschwanden auch alle Ruinen im Viertel, und ab Ende dieses Jahrzehnts - zeitgleich mit meinem Weggang in eine andere Stadt - entstand dann an der oberen Peripherie des Viertels eine weitere Neubausiedlung, die aber architektonisch einen sehr anderen Charakter hat. Dominant sind hier nämlich Gebäude im Stile des Betonhochhaus-Einheitsmodells, das ab Anfang der siebziger Jahre die Landschaft überall in der Bundesrepublik zu verschandeln begann. Sinnigerweise haben Siedlungen dieser Art, die zur Jetztzeit alle mehr oder weniger verslumt sind, auch überall ähnlich idyllisierende Namen. Dieses hier heißt “Wiesenhof”, während sich in Süddeutschland eher Namen wie “Weingarten” usw. durchgesetzt haben. Ab dem letzten Drittel der siebziger Jahre begann sich auch, ausgehend vom Gelände des ehemaligen “Lagers”, das bereits 1963 abgerissen worden war, eine neue Einfamilienhaussiedlung am anderen Rande des Viertels auszudehnen. In ihr sind niedrige, ein- bis eineinhalbstöckige Häuser bestimmend, alle in ihrer Einfachheit einander sehr ähnlich, sehr gepflegt, mit einem kleinen Gartenstück davor und dahinter. Manchmal sieht man auch eine Kinderschaukel. Dieses Viertel wächst auch jetzt noch. Vielen Häusern sieht man an, daß ihre Grundfinanzierung auf zwei Bausparverträgen - einem vom jungen Paar und einem von ihren Eltern - beruht und daß sie noch nicht abbezahlt sind. Details an manchen lassen vermuten, daß es drinnen schon lange nicht mehr stimmt. Spürt man das, bekommt man Angst wegen der Familienkatastrophe, die die Trennung des Paares auslösen wird.. Übrigens befindet sich fast neben jedem dieser Häuschen auch ein “Carport”.

Natürlich hatte auch die Entstehung dieser beiden neuen Siedlungen tiefgreifende Auswirkungen auf die Sozial- und Infrastruktur unseres Viertels. Zunächst schleichend, dann aber in tiefen Einschnitten wandelten sich die Geschäfte und Einkaufsmöglichkeiten. In den sechziger Jahren gab es neben dem Bäcker und Metzger auch noch einen Lebensmittelladen, in dem man vom Salat bis zum Zucker alles kriegen konnte. Diese drei Läden versorgten das ganze Viertel. Ab Mitte der siebziger Jahre aber mußte der Lebensmittelladen schließen, weil  im Viertel ein Edeka-Markt eröffnet worden war und Märkte ähnlicher Größe ebenso in den neuen Siedlungen, die auch Kunden aus unserem Viertel anzogen. Nach der Entstehung eines Aldi-Marktes und eines “Getränkeparadies” benannten Getränkegroßmarktes auf der grünen Wiese zwischen den beiden neuen Vierteln anfang der achtziger Jahre, denen dann im folgenden Jahrzehnt dortselbst ähnliche Großmärkte mit nur anderen Namen folgten, mußte aber auch die Edeka-Filiale unseres Viertels ihre Pforten schließen. An Läden gibt es jetzt im Viertel nur noch den Bäcker, der wegen einer bestimmten Brötchensorte überlebt, die sogar Leute aus den anderen Vierteln anzieht, und den Metzger, zu dem sich aber kaum jemals jemand verirrt. Der Laden wird bald geschlossen, weil sein Betreiber in den Ruhestand geht. Zwischen ihnen, dort, wo früher das Lebensmittelgeschäft war, hat sich Ende der achtziger Jahre ein Video-Verleih niedergelassen. Dessen Außenfrontdekorationen verwahrlosten aber mehr und mehr, und Mitte der 90iger Jahre hatte auch er - in diesem Falle: gottseidank - Pleite gemacht. Im Viertel hatte sich eine demographische und soziale Struktur entwickelt, die eine Nachfrage nach seinen Produkten ausschloß. Ihre Grundmerkmale lassen sich in zwei Worten zusammenfassen: Vergreisung und Arbeitslosigkeit.

Zunächst begann als Folge der allgemeinen demographischen Entwicklung und der Entstehung der genannten beiden Neubauviertel - der Betonhoch- und der Einfamilenhaussiedlung - der Zustrom jüngerer Leute in unser Viertel mehr und mehr zu versickern: Die jüngeren mit geringem Einkommen zogen lieber in den “Wiesenhof”, dessen gesichtslose Modernität am anfang anziehend wirkte, und die besser qualifizierten -  meist Paare von Doppelverdienern -  in ihr schuldenbelastetes Eigenheim. Und weil zugleich von denjenigen, die anfang der achtziger Jahre schon im Viertel wohnten, auch kaum jemand mehr wegzog, war der geringe Bevölkerungsaustauch, den es in der folgenden Zeit noch gab, vor allem den Sterbefällen geschuldet. Nachrücker aber in die Wohnungen, die der Tod freigemacht hatte, waren zunehmend Arbeitslose und sozial Schwache - unter ihnen nicht wenige Problemfälle -, also jene Personenkategorien, von denen es in dieser strukturschwachen Region schon immer genug gab und die sich im Laufe der neunziger Jahre aus bekannten Gründen rapide vermehrt haben.    

Im Einklang aber mit den angesprochenen demographischen und sozialen Entwicklungen hat sich in den letzten beiden Jahrzehnten im Viertel eine ganz eigentümliche Atmosphäre immer mehr verdichtet, eine Atmosphäre, die - alles einhüllend - anmutet wie der schwächer werdende Atem eines abfallenden Lebensgefühls und mich sofort umfängt, wenn ich mich dort nach einjähriger, sinnenschärfender Abwesenheit wieder zu bewegen beginne. In ihr fließt dreierlei zusammen: die Wahrnehmung der Entleerung des Viertels von Menschen; die allüberall spürbare Verlangsamung; und schließlich die Stille.

Die spielenden Kinder, die in den achtziger Jahren noch - wenn auch in keineswegs großer Zahl - auf den großen Grünflächen für eine Ahnung von Lebendigkeit gesorgt hatten, verschwanden im Laufe der neunziger Jahre immer mehr, wodurch diese Areale, die ja für nichts anderes gedacht waren als die nachwachsende Generation, nun auf das Auge nur noch wie  gewissermaßen leere Größen wirken, eine dysfunktionale Ödnis in Grün. Im Sommer sieht man da und dort unter einem Sonnenschirm noch einen Rentner sitzen, aber da dadurch auch nur wenige und zudem noch immobile Farbtupfer entstehen, wird die leere Größe der Grünflächen eher noch stärker betont. Die Ausdünnung des Viertels wird durch nichts besser demonstriert als durch einen Vergleich der Bewohnerzahlen in dem Haus, in dem ich aufgewachsen bin. Während hier  Ende der fünfziger Jahre in vier Wohnungen vier Elternpaare, zwei Großeltern und 15 Kinder lebten, sind es  heute zwei über 90 Jahre alte Frauen und zwei Ehepaare zwischen 50 und 60. Die Frau von dem einen sitzt nach einem Schlaganfall im Rollstuhl. Ähnliche Belegzahlen und Altersverhältnisse findet man auch in den anderen Häusern, und da ältere Menschen bekanntlich nur noch ungern ihre vier Wände verlassen, macht das Viertel gerade an Regentagen, von denen es in dieser Region  viele gibt, einen deprimierend menschenleeren Eindruck. Immerhin haben sich einige von den vielen alleinstehenden älteren Menschen ein Hündchen angeschafft, das aber - da angepaßt an den Lebensstil seines Besitzers und selten von der Leine gelassen - auch keine spürbare Erhöhung von Vitalitätseindrücken bewirkt. Übrigens macht auch die neue Einfamilienhaussiedlung am Rande des Viertels keinen sonderlich belebten Eindruck. Man spürt, es tagsüber durchquerend, daß hier die meisten Paare Doppelverdiener sind, und da auch die Kinderschaukeln in den Gärten nur selten in Betrieb sind, muß man annehmen, daß auch der spärliche Nachwuchs hier seine Tage vornehmlich außer Haus verbringt.

Mit der Entleerung und Vergreisung des Viertels  geht einher eine allgemeine Verlangsamung, ein kraftlos und müde gewordener Bewegungs- und Lebensrhythmus, dessen krasseste Versinnbildlichung jene Älteren sind, die sich mühsam hinter einem haltspendenden Rollwagen vorwärts bewegen. Wie sehr nicht nur die Zahl der sogenannten aktiven Alten, die die Werbung immer mehr für sich entdeckt, sondern der alten Alten in Deutschland angewachsen ist, zeigt sich im Viertel  besonders deutlich. Die Verlangsamung, die das ganze Viertel atmosphärisch einhüllt, ist freilich nicht nur das unausbleibliche psychophysische Korrelat der Alterung, sondern sie wird von unten mitgespeist durch die Auswirkungen der Arbeitslosigkeit, von der im Viertel viele der wenigen Jüngeren betroffen sind. Daß längere Arbeitslosigkeit oftmals zu einem zähflüssig verlangsamten Zeitgefühl und einer Aufweichung der durch das Arbeitsleben vorgegebenen Rhythmik und Struktur des Tages führt, ist bekannt. In der klassischen Studie über lange Arbeitslosigkeit, den “Arbeitslosen von Marienthal” von 1933, haben die Autoren die Verlangsamung und den damit einhergehenden Abfall der Körperspannung sogar an der Gangart mancher Arbeitsloser feststellen können, an jenem müden Gehen, bei dem die Füße wie nachgeschleift wirken. Tendenzen einer derartigen Arbeitslosigkeits-Verlangsamung begegnet man im Viertel öfter, und zwar auch dann, wenn die betreffenden Personen gerade nicht mit Nichtstun, sondern irgendeiner Tätigkeit befaßt sind.

Letztes Merkmal der Atmosphäre im Viertel ist die Stille, eine Stille mit verschiedenen Schattierungen, die manchmal - vornehmlich bei schönem Wetter - beruhigend wirkt, öfter aber, und zwar vor allem in den Häusern mit mehreren alten Menschen, bedrückt. Weil die Stille hier den Charakter des Fließenden hat und ihr der Kontrast des lebendigen Klanges weitgehend fehlt,  wird sie einem, wenn man etwas länger dort weilt, gar nicht mehr bewußt. Sie sickert in die Psyche ein und wendet sich zu einer melancholisch-depressiven Stimmung.

Ich sollte aber nicht verschweigen, daß sich im Viertel auch ein florierender Betrieb niedergelassen hat, dessen Tatkraft immer stärker gefragt ist. Dort, wo früher das Lebensmittelgeschäft war und dann lange Jahre nichts und dann der Video-Verleih, gibt es jetzt ein expandierendes Dienstleistungsunternehmen. Es ist ein Betrieb zur Pflege und Versorgung älterer Menschen. Er verkörpert im Viertel die Zukunft, aber das Viertel verkörpert in krasser Form nur Tendenzen, die auch die Zukunft dieses Landes immer stärker bestimmen werden.   


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