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Online-Publikation: Dezember 2010 im Internet-Journal <<kultur-punkt>>
Ereignis-, Ausstellungs-, AV- und Buchbesprechung
<< Horst-Eberhard Richter: Moral in Zeiten der Krise >>
suhrkamp tb 4231, Broschur, 192 Seiten; ISBN: 978-3-518-46231-7; D: ca. 12,00 € ; A: ca. 12,40 €; CH: ca. 18,90 sFr
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main > Berlin; www.suhrkamp.de
 
Inhalt
Keine Schurkenstaaten, wir allein sind schuld an der fortdauernden Finanzkrise und der Klimabedrohung. Einer ratlosen Politik fehlen die moralischen Kräfte, die für soziale Gerechtigkeit und für Zukunftsvorsorge unentbehrlich sind. Barack Obama stiftet Hoffnung. Aber die kann er nicht als Erlöser, die können wir nur selbst durch Wiedererweckung der Werte erfüllen, die uns abhanden zu kommen drohen.
Horst-Eberhard Richter, vom ehemaligen Bundespräsidenten Johannes Rau als Analytiker und Therapeut des ganzen Landes bezeichnet, behandelt die großen Fragen, vor denen wir heute stehen. Die Lehre des Vaters der deutschen Friedensbewegung aus seiner reichen therapeutischen Erfahrung und Begegnungen mit Brandt, Gorbatschow, Sir Ustinov und vielen anderen lautet schlicht: Kein anderer Weg kann uns aus den Krisen herausführen als das Erstarken eines neuen moralischen Verantwortungsbewusstseins.

Autor
Horst-Eberhard Richter, geboren 1923 in Berlin, Psychoanalytiker und Sozialphilosoph, erhielt er zahlreiche Ehrungen, darunter den Theodor Heuss Preis 1980, die Goetheplakette der Stadt Frankfurt am Main 2002 und die Paracelsus-Medaille der deutschen Ärzteschaft 2008. Er lebt in Gießen.
http://www.suhrkamp.de/autoren/horst-eberhard_richter_8315.html

Fazit
Der Berliner Psychoanalytiker und Sozialphilosoph Horst-Eberhard Richter hat mit seinem Diskursbuch "Moral in Zeiten der Krise" ein Testament vorbereitet, in dem er uns alle auffordert, ein über das Denken und Wollen hinaus ein liebendes Wesen (Max Scheler) zu sein und zu werden. Denn aktuell sind es selbst sogar die staatlichen Landesbanken die verantwortungslos handeln und die Politiker dabei mitziehen. So wird auch der Einzelne dazu angeleitet sein Mitgefühl zu verdrängen, um mit der gnadenlosen Konkurrenz Schritt halten zu können. Daher ist es Ziel seiner Psychotherapiepraxis das individualistische Menschenbild mit sozialer Offenheit zu erweitern (Norbert Elias: "Menschenbeziehungsgeflecht, zeitlebens existent ") . Mit Peter Ustinow und Freund Joseph Weizenbaum* ist Richter der Überzeugung, dass es "Zeit ist für einen moralischen Aufbruch": Und dass man diese Hoffnung unbeirrbar, mit eigener engagierter optimistischer Praxis realisiert. m+w.p10-12

*) Paradigmatisch dazu: Seit den 60er Jahren arbeitete Joseph Weizenbaum als System Engineer im Computer Development Laboratory der General Electric Corporation und war dort an der Konzeption des ersten Computer-Banksystems beteiligt. Weizenbaum war entsetzt, wie ernst viele Menschen dieses relativ einfache Programm nahmen, indem sie im Dialog intimste Details von sich preisgaben. Seit dieser Zeit mahnte Weizenbaum den kritischen Umgang mit Computern und die Verantwortung des Wissenschaftlers für sein Tun an. Besonders betonte er, die eigentliche Entscheidungsgewalt müsse immer in menschlicher Hand bleiben, auch wenn künstliche intelligente Systeme als Hilfsmittel zur Informationsbeschaffung herangezogen werden. Er war Mitbegründer der Computer Professionals for Social Responsibility in den USA und Beirat des Forum InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung in Deutschland und Vorsitzender des Wissenschaftlichen Rates am Institute of Electronic Business in Berlin. Während seiner Zeit am MIT verweigerte Weizenbaum die Mitarbeit an der Entwicklung von Waffen und Waffensystemen für den Vietnamkrieg, engagierte sich als kritischer Aufklärer und beteiligte sich an Demonstrationen. ( Aus Wikipedia und einem Videointerview, Zürich, 1994 w.p).


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