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Online-Publikation: August 2012 im Internet-Journal <<kultur-punkt.ch>>
Ereignis-, Ausstellungs-, AV- und Buchbesprechung
<< Michael Erler / Wolfgang Rother (Hrsg.) : Philosophie der Lust . Schwabe Epicurea (SchwEp) . Studien zum Hedonismus >>
343 Seiten, 5 Abbildungen. Gebunden. ISBN 978-3-7965-2765-4 ; sFr. 78.- / € (D) 55.- / € (A) 56.50
Schwabe Epicurea 3, Basel; www.schwabe.ch;  Christoph Merian Stiftung, www.merianverlag.ch;

Inhalt
«Die Lust … bildet gewissermassen die Vorschule zur Moralität.»
Philosophische Reflexionen über die Lust und Positionen, die wir heute als hedonistisch bezeichnen würden, gab es schon vor Epikur. Doch war er es, der das subjektive Anliegen eines Strebens nach Lust zu einer anthropologischen Konstante und diese Erkenntnis zur Grundlage eines Gegenentwurfes zur klassischen Philosophie erhob. Damit prägte Epikur ein für allemal die hedonistische Tradition des abendländischen Denkens.
Die vorliegenden Studien nehmen einzelne Aspekte des philosophischen Lustdiskurses von der Antike bis zur Neuzeit in den Blick.

Beiträge
Edwin J. de Sterke: «Doppelt ist die Freude». Zum Protagoras im Spiegel des platonischen Lustdiskurses
Michael Erler: Schmerzfreiheit als Lust. Traditionelles in Epikurs Hedonekonzept
Günther Mensching: Ist Epikur wirklich ein Hedonist?
Francesca Longo Auricchio: Lacunous Hedonism. Tradition and Innovation in the Study of the Herculanean Papyri
Giuliana Leone: Reconstructing PHerc. 1783/1691/1010 and PHerc. 1149/993 (Epicurus, On nature, Book I)
Giovanni Indelli: ‘Hdonh¢ and ἡdu¢z in the Herculaneum Papyri
Jürgen Hammerstaedt: Leib, Seele und Umwelt. Überlegungen zum Hedonismus des Diogenes von Oinoanda
Holger Essler: Die Lust der Freundschaft und die Lust des Freundes von Epikur bis Cicero
Beate Beer: Lust und Verlust in Lukrez’ De rerum natura
Thomas Baier: Lust und Leid des labor in Vergils Georgica
Martin Baumann: Lust und Mystik. Bernhard von Clairvaux und Meister Eckhart
Jean-Charles Darmon: De l’épicurisme chrétien et de ses variations entre Âge baroque et Lumières
Gianni Paganini: Il piacere dell’amicizia. Hobbes, Gassendi e il circolo neo-epicureo dell’Accademia di Montmor
Antony McKenna: Le débat sur le plaisir et sur le bonheur à l’âge classique
Ursula Pia Jauch: Herr Maschine im Land der Lust. Einige Randbemerkungen zu Julien Offray de La Mettries École de la Volupté
Anthony A. Long: Bentham, Mill and Sidgwick on Epicurean Hedonism
Wolfgang Rother: Der Lustbegriff im deutschen Idealismus: Kant, Reinhold, Hegel

Die Herausgeber
Michael Erler,
geb. 1953, studierte Physik, Mathematik, Klassische Philologie, Philosophie in Köln und London (University College) 1977. Promotion (Köln) 1985. Habilitation (Konstanz) 1986. Heisenberg- Stipendiat 1987/88. Junior Fellow Center for Hellenist Studies Washington D.C. Fellow Institute for Advanced Study Edinburgh 1990; Professor für Klassische Philologie (Latein) Erlangen 1989. Ordentlicher Professor für Klassische Philologie (Gräzistik) Würzburg 1991. Präsident International Plato Society 2001–2004. Präsident Gesellschaft für Antike Philosophie 2007–2010. Präsident Sokratische Gesellschaft ab 2010.
Wolfgang Rother,
geb. 1955, studierte Philosophie, Theologie und Germanistik in Marburg, Tübingen und Zürich. Er ist Professor für Philosophie an der Universität Zürich, Autor verschiedener Bücher zur Ideengeschichte und Mitherausgeber des Grundrisses der Geschichte der Philosophie sowie mehrerer wissenschaftlicher Buchreihen.

Fazit
Der transdisziplinäre Diskurs zur "Philosophie der Lust" im Buch der Herausgeber Michael Erler / Wolfgang Rother bewegt sich, dank der vielfältigen Beiträge, in einem europäischen Kontext " wenn.. auch vergnüglich - unterhalb der Mitte.. im Schattenreich" bei Platon (de Sterke); bei Erler lautet die "These, dass Schmerzensfreiheit Lust sei; und Mensching folgert dass der pragmatische "Mensch. stets zwischen Zuträglichem und möglicherweise Schädlichem abwägend, kaum zu unreglementierter Lust "gelangt; unter dem Epikurianismus hat die Hellenistische Philosophie - laut Auricchhio und Indelli - ihre besondere Bedeutung erlangt; auch die Doktrin des Diogenes von "Leib, Seele und Umwelt" kommt bei Hammerstaedt zu Wort "bei der Lust des Anschauens und der Lust des Geschlechtsverkehrs an die Erwartungen und Erfordernisse der Umwelt adaptiert"; Essler entbirgt im Epikureischen die Dreiteilung der Freundschaft: 1 wegen des eigenen Nutzens, 2 um der Freunde selbst willen, 3 wegen 1 und 2; Bei Beer gehen Lust und bewusster VerLust im epikureischen Verständnis nach Lukrez Hand in Hand (Paronomasie); Beier durchkämmt Vergils Georgica und findet, dass Arbeit /labor, Schwere des Daseins bedeutet und dennoch im Vorwärtstreben zum "leidenschaftlich erhitzten Gemeinwesen" inhärent wirkt, nur so entsteht Kultur (Platon...Vergil); Baumann widmet sich der Lust der Mystiker von Clairvaux und Eckart, und findet diese durchaus "ausgesprochen lustfreundlich" und mythisch-hedonistisch; Jauch findet bei de la Metries in seiner "Schule der Lust (Wollust) - der Heiterkeit (Sanssouci)", um 1740, Zugang und erkennt darin " Fühlende Maschinen" und nicht bis heute rezeptiv betrachtet "brutale materialistische Maschinenmenschen" sondern gegen den innertheologischen Descartes' Diskurs gerichtet ...dass wenn Tiere als "sensitive" Maschinen zu betrachten sind, so auch der "Mensch eine Maschine" sei... jedoch erotisch bis frühromantisch wie "Art de ajouir" als epikureisches Manifest zur Lebenskunst... La Mettrie ist Agnostiker, sagt Jausch und schliesst mit Eros bei Mettrie: "Der Eros untersagt das Reden, das Schauen, das Hören und das Denken, er hebt die normalen Funktionen unseres Organismus auf, bemächtigt sich sozusagen des ganzen Menschen und seine Macht ist so gewaltig, dass selbst die Vernunft, diese hochmütige Göttin, ihm untertan ist." ... Dieses philosophische Diskursbuch ist so anregend, dass wir es allen Denkenden und zugleich Fühlenden empfehlen, um sich dem entbergenden Eros hinzugeben. m+w.p12-8
 


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