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Online-Publikation: Juli 2012 im Internet-Journal <<kultur-punkt.ch>>
Ereignis-, Ausstellungs-, AV- und Buchbesprechung
<< Josette Baer / Wolfgang Rother (Hrsg.) : Körper . Aspekte der Körperlichkeit in Medizin und Kulturwissenschaften >>
198 Seiten, 22 Abbildungen, davon 1 in Farbe,1 Grafik. Gebunden. ISBN 978-3-7965-2826-2 ; sFr. 48.- / € (D) 40.50 / € (A) 41.50
Schwabe interdisziplinär - Schwint 1;, Basel; www.schwabe.ch;  Christoph Merian Stiftung, www.merianverlag.ch;

Inhalt
Meinem Körper von anderen angetane Gewalt ist Mir angetane Gewalt. Hegel
Jede Wissenschaft, sofern im Zentrum ihrer Diskurse und Forschungsbemühungen der Mensch steht, hat in besonderem Maße seiner Körperlichkeit Rechnung zu tragen. Die Körperlichkeit ist Inbegriff menschlicher Endlichkeit und Hinfälligkeit: In ihr bringt sich das Sein des Menschen zur Krankheit und zum Tode zum Ausdruck. So ist es kein Zufall, dass in einer interdisziplinären Sicht auf den Körper die medizinische zunächst im Vordergrund steht. Im Kontext des medizinischen Körperdiskurses stellen sich unter anderem Fragen volksgesundheitlicher und ästhetischer Normativität. Im Phänomen menschlicher Kommunikation zeigt sich die Angewiesenheit des Geistes auf den Körper und seine Organe – die Hand wird geradezu zu einem Organ des Denkens wie auch Inbegriff menschlicher Arbeit. Thematisch wird der Körper schließlich in der Religion und in ihrem ambivalenten Verhältnis zur Erotik.

Beiträge:
Wolfgang Rother:
Einleitung. Aspekte einer Metaphysik des Körpers
Peter Biro:
Warum sich Atemweg und Magen-Darm-Trakt kreuzen und für Kopfschmerzen bei den Anästhesisten sorgen
Stephan Vavricka:
Trägt die Darmflora zu unserem Wohlbefinden bei?
Iris Ritzmann:
Lesarten des Körpers im Zeitalter der Eugenik
Barbara Lay:
Die Sorge um Figur und Gewicht. Welchen Einfluss haben gesellschaftliche Entwicklungen auf das Körperbild?
Werner M. Egli:
Körper, Trance und freie Rede. Schamanismus und Ahnenkult in Ost-Nepal
Jürg Berthold:
Den eigenen Körper denken. Überlegungen zu Jean-Luc Nancy
Christina Vogel:
«Je suis par moments dans le creux de ma main». Paul Valérys Theorie der Hand
Josette Baer:
Živena – die helfende weibliche Hand? Zur Lage der Frauen in der Slowakei vor dem Ersten Weltkrieg
Jürgen Seidel:
Von der Last und Lust des Körpers. Religion und Erotik
Wolfgang Rother:
Der nackte Körper und die Frage nach der Wahrheit. Bemerkungen zu Degas, Nietzsche und Heidegger

Die Herausgeber:
Josette Baer,
geb. 1966, studierte in Zürich Slawistik, Politische Wissenschaften und Geschichte Osteuropas. Sie ist Privatdozentin für Politische Theorie mit Schwerpunkt Osteuropa an der Universität Zürich und Autorin zahlreicher Arbeiten zur Politik und zum politischen Denken Osteuropas.
Wolfgang Rother,
geb. 1955, studierte Philosophie, Theologie und Germanistik in Marburg, Tübingen und Zürich. Er ist Professor für Philosophie an der Universität Zürich, Autor verschiedener Bücher zur Ideengeschichte und Mitherausgeber des Grundrisses der Geschichte der Philosophie sowie mehrerer wissenschaftlicher Buchreihen.

I Fazit
Mit hochkompetenter Bravour stürzte sich das Autorenteam unter der Herausgeberschaft von Josette Baer / Wolfgang Rother (Hrsg.) auf das Thema " Körper " unter den Aspekten der Körperlichkeit in Medizin und Kulturwissenschaften. Sowohl metaphysisch-schamanische bis zu evolutinär bedingte anästhetische, eugenische und ergonmische Gesichtspunkte - am Beispiel der Hand und im besonderen der Heilenden. Klar fanden auch philosophische Blickweisen wie Erotik, Lust, Last, Wahrheitsfindung bei Künstlern und Denkern der Moderne ihre Aufmerksamkeit. m+w.p12-7
II Quintessenz
1
Bemerkenswert ist die philogenetische Erkenntnis von Peter Biro von vier Fehlern der Körperentwicklung (Lorenz, Riedl*, Wien) in Bezug auf die Kreuzung von Atemweg und Magen-Darm-Trakt: Aufrechter Gang (Wanderniere, Leistenbrüche und Hexenschüsse...), zweifelhafte Nähe von Urogenitaltrakt zum Darmausgang, enger Geburtskanal und eben die erwähnte Kreuzung. " Nur wenn einer Glück hat, verläuft das Leben wie die Evolution. Beide beginnen als physisches, und enden als geistiges Abenteuer *).
2
"Wo immer das Andere als Fremder erscheint, kommt ihm ein Moment des Gewaltsamen, des Eindringens zu. Das Fremde, wir es wirklich als fremd erfahren und nicht sofort angeeignet, hört nicht auf, anzukommen und damit Eindringling zu sein", Jürg Berthold. Und er setzt fort, dass das eigene, alte oder neu verpflanzte Herz, mit seinen Rhythmusstörungen und Aussetzern zum Fremdkörper wird, schliesslich einer ganz anderenArt, ein vielgestaltiger Fremdling - der Tod.
3
Eine Philosophie, Denkart, wie bei Rother, zwischen Zeitpolitik und seiner Gesellschafts-Verfasstheit, zeigt sich in einer künstlerischen Blickgestaltung*. Damit wird die sie überragende Wir-Wirkkraft enthüllt, die als "die Wahrheit (Wir-Wirkkraft*), als das aus der Verbergung Entborgene, zeigt sich im Licht, das auf es fällt (Heidegger)".
Die Vorbilder-Linie des figurativen Blicks zieht sich von Tizian, Rubens, via Hans Makarts**** („Die fünf Sinne“mit Romako in seinem Schatten ) sowie Rodin - bis Klimt und Schiele mit ihrer rigid- innovativ- malerischen Ornamentalität und Expression im Kernfeld der Secession und der Wiener Werkstätten um und nach 1900, die von Gerstl - leider nur kurz - und Kokoschka bis ins späte 20.Jahrhundert wirksam wurde. Parallel zum Manifestes von Adolf Loos ("Ornament und Verbrechen" von Adolf Loos ; http://de.wikipedia.org/wiki/Adolf_Loos ),  das zur tragischen Kastration der Architektur wesentlich beitrug, neben Bauhaus und Funktionalismus im und nach dem 2.Weltkrieg bis heute. Diese nostalgische Retrospektive lohnt deshalb allemal die ästhetische Wirkkraft weiterhin zu fördern - als kulturelles Vermächntnis, Stafette zum Weiterreichen. (Rother, Prankl).
4
Wolfgang Rother's transdisziplinärer Exkurs zur Anwesenheit von Wahrheit / Wir-Wirkkraft* ( Heidegger / Rother, Körper, Schüffel..) :
Entbergen von Wahrheit im philosophischen Diskurs
- Die Wahrheit als das aus der Verbergung Entborgene zeigt sich im Licht, das auf es fällt ... bei Degas: De-objektivierung der Frau, als radikaler Femminismus
- Das Wesen der Wahrheit enthüllt sich als Freiheit. Lichten ist somit mehr als nur Erhellen, mehr auch als Freilegen. Lichten ist das sinnend-versammelnde Vorbringen ins Freie, ist Gewähren von Anwesen ... ( Rother, Körper, S. 190, 2012)"
- Das Sichentbergen liebt das Sichverbergen... Die Verborgenheit braucht die Verborgenheit ... Der nackte Körper ist auch nicht der Schlüssel, der alle Rätsel des Denkens aufschliesst, sondern das Rätsel selbst.
- Aletheia (Mythologie, Wikipedia)
Aletheia (griechisch λήθεια „Wahrheit“) ist in der griechischen Mythologie die Göttin der Wahrheit und Tochter des Zeus. Nach Plutarch war sie die Amme des Apollon.
Nach einer Fabel des Äsop wurde sie von Prometheus aus Ton geformt, aber bevor er ihr Leben verliehen hatte, formte Dolos, der personifizierte Betrug, eine ihr völlig gleichende Gestalt, nur für die Füße reichte der Ton nicht mehr. Als Prometheus die beiden Figuren sah, staunte er über die Ähnlichkeit und belebte beide, worauf die echte Wahrheit gemessenen von dannen schritt, das Abbild des Betruges erhob sich auch, kam aber nicht vom Fleck.
In der römischen Mythologie entspricht ihr die Veritas. Diese ist Tochter des Saturnus[4], bzw. von „Tempus“, der „Zeit“, griechisch Chronos, was wieder Kronos und damit Saturnus entspricht.
http://de.wikipedia.org/wiki/Aletheia_(Mythologie)
**)
Anwesenheit von Wahrheit in der Kultur > Nacktheit (Rother, Körper..)
- Am Beispiel Akt-Darstellung (Degas, Makart, Klimt, Schiele .... )
Er stellt die Wahrheit ins Licht des Bildes, gewährt ihr Anwesenheit....Das Gewähren von Anwesenheit setzt Unverborgenheit voraus, ohne Gewähr...(Rother, Körper) - Denn das Sichentbergen liebt das Sichentbergen - Natur versteckt sich gern - um die Einheit und Identität von Verbergung und Entbergung aufzuzeigen ...(Heidegger, Heraklit, Aletheia)
- Am Beispiel Fragmentierung von Nacktheit und Dingwelt, u-kioye *** (Prankl, Torsi..)
Der anvisierte menschliche Körper und die Dingwelt dienen mit dem Werkzeug << Gradierung / Fragmentierung >> als Ausgangspunkt für den anatomischen wie sozio-ästhetischen Ausdruck sowie die Parzellierung / Stückelung (Taylorismus *), die abstufende Positionierung des Figurativen, dessen allmählichen Aus-/Verfall * - hin zur fern-figurativen Verfremdung (von Farbe, Kontur, Struktur)“ des menschlichen Körpers und seiner Beziehungselemente. Die Gradation-Serie orientiert sich restfigurativ an: "Hinten, Vorne, Hände, Interaktion, Beine, Rümpfe, Varias und Umfeld". Im erweiternden Sinn stellen diese Rest-Formen in ihrer rest-narrativen Umgebung* und den kulturgeschichtlichen Hintergründen/ Artefakten (Venus von Lespugue, Wilhersdorf ... Torso des Herakles ... Venus von Milo ... den aktuellen Model/len ...) eine unsichtbare Aura ** dar. Das Torsi-Projekt erzählt von den pathologischen Symptomen der Burn-Out-, Multi-Tasking-Gesellschaft …
http://archiv.kultur-punkt.ch/galerie/gradierung-torsi10-8.htm
***)
Selbst -und Wir-Wirkkraft
http://archiv.kultur-punkt.ch/akademie4/pa4-12-4diskurs-risiko-leben-schueffel-hoffmann-meinz-prankl.htm
http://archiv.kultur-punkt.ch/akademie4/  (aktuell unter Platon Akademie 4 : Risiken I-III 2012)
****)  http://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Makart
m+w.p12-7
 


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