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Online-Publikation: Dezember 2010 im Internet-Journal <<kultur-punkt.ch>>
Ereignis-, Ausstellungs-, AV- und Buchbesprechung
<< André Kirchhofer: Stets zu Diensten - gezwungenermassen! Die Schweizer Bahnen und ihre «Gemeinwirtschaftlichkeit» für Staat, Wirtschaft und Bevölkerung >>
525 Seiten, 15 Abbildungen, 23 Tabellen. Gebunden. ISBN 978-3-7965-2649-7; sFr. 120.- / € (D) 84.- / € (A) 86.50
Schwabe Verlag, CH-4010 Basel, www.schwabe.ch;

Inhalt
Strukturerhaltung dank «Gemeinwirtschaftlichkeit»
Zu den wichtigsten Zielen der Schweizer Verkehrspolitik gehört bis heute «Service public». Angestrebt wird eine flächendeckende und preislich erschwingliche Grundversorgung mit Leistungen insbesondere des Schienenverkehrs. Zur Debatte stehen regelmässig Organisation, Finanzierung und Umfang von Infrastruktur und Betrieb der Bahnen. Soll die Verantwortung beim Staat liegen, oder braucht es mehr Markt und Wettbewerb? Bis vor wenigen Jahren wurde dabei der ältere Begriff «Gemeinwirtschaftlichkeit» verwendet, wenn die Rede auf «Service public» kam.
Das Buch bietet nun erstmals einen ideengeschichtlich angelegten Überblick, wie «Gemeinwirtschaftlichkeit» in der Politik und der Wissenschaft jeweils theoretisch verstanden und in der Praxis umgesetzt wurde. Für den Zeitraum von 1852 bis 1982 sowie anhand von vier Fallbeispielen wird aufgezeigt, dass und weshalb «Gemeinwirtschaftlichkeit» entgegen den gesetzlich verankerten Vorgaben nicht nur der Allgemeinheit nützte, sondern zunehmend unbeabsichtigte Nebenwirkungen hatte: Profite für Dritte, massiv steigende Kosten für die Bahnen und den Staat sowie betriebliche Ineffizienzen. Dennoch erhoben sich kaum kritische Stimmen gegen das Prinzip einer möglichst umfassenden Grundversorgung. Stattdessen wurden die steigenden Defizite der Bahnen mit immer neuen Subventionen des Bundes und der Kantone gedeckt. Grundlegende Reformen kamen erst in den 1970er Jahren allmählich in Gang, unter anderem dank den Schweizerischen Bundesbahnen SBB, die selbst für mehr Markt und Wettbewerb eintraten. Allerdings eignete sich «Gemeinwirtschaftlichkeit» weiterhin als Deckmantel für vielfältige Interessen. Nicht zuletzt wurden damit ökologische Anliegen verbunden.

Der Autor
André Kirchhofer, geb. 1977, studierte Geschichte und Klassische Philologie an der Universität Bern. Anschliessend war er Assistent bei Prof. Dr. Christian Pfister am Lehrstuhl für Wirtschafts-, Sozial- und Umweltgeschichte des Historischen Instituts ebenfalls in Bern. Die Promotion folgte 2007. Seine Dissertation wurde 2008 mit dem Preis der Paul und Gertrud Hofer-Wild Stiftung für die beste Doktorarbeit an der Philosophisch-historischen Fakultät ausgezeichnet. Heute arbeitet André Kirchhofer als Leiter Politik & Kommunikation beim Schweizerischen Nutzfahrzeugverband ASTAG.

Fazit
In der Reihe Wirtschafts-, Sozial- und Umweltgeschichte (WSU) von Christian Pfister / Christoph Maria Merki herausgegeben, ist nun von André Kirchhofer "Stets zu Diensten - gezwungenermassen! " erschienen. Sie behandelt die Schweizer Bahnen und ihre «Gemeinwirtschaftlichkeit» für Staat, Wirtschaft und Bevölkerung. Dabei stellt das Autorenteam folgende praktisch-visionäre Fragestellungen / Umsetzungen zum Diskurs: 1 Der Verweigerung der Politik der jüngeren Lehre der Verkehrsökonomie; 2 Ausgehend vom Ergebnis, dass Gemeinwirtschaftlichkeit nach klassischen Verständnis zusehends an Relevanz verlor ( seit das Automobil zur Verfügung steht ) ohne Nachteile für Verfrachter und Passagiere befürchten zu müssen; 3 Dank der direkten Demokratie / dem Mitspracherecht der Bevölkerung über Referenden, Initiativen sowie Petitionen profitierte im 1. und 2. Weltkrieg das Gemeinwohl an Erkenntnisgewinn; 4 Methodisch: wären mikrohistorische auf Unternehmen, Landesteile und Personen ausgerichtete Arbeiten denkbar eine regionalgeschichtliche Synthese zu schaffen sowie makrohistorisch explizit das Eisenbahnnetz auch in der Peripherie zu erhalten, (durch kontraproduktive Lobbyarbeit wie zum Beispiel bei den Nachbarn ! Anm. d. Rez.)); 5 Letzte Anregung: Jüngste Geschehnisse berücksichtigen statt Service Public die bis nun minimierte Gemeinwirtschaftlichkeit zu promoten, um politische Lösungen in der Gegenwart zu finden "aus der Vergangenheit heraus für die Zukunft" sind die Schlussworte von Christian Pfister und Christoph Maria Merki , denen wir so nur zustimmen können.
m+w-p10-12

 


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