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..Online-Publikation: April 2013 im Internet-Journal <<kultur-punkt.ch>>
Ereignis-, Ausstellungs-, AV- und Buchbesprechung
<< Schaulager Ausstellung, Münchenstein/Basel : Paul Chan – Selected Works . Trans-disciplined & Mixed Philosophic Media 12.4 - 19.10. '14 >>
Schaulager, Ruchfeldstrasse 19, CH - 4142 Münchenstein/Basel; www.schaulager.org 
 

2.Bunte Welt 4.-1.Weltsicht 4. Zuwendung

   
   

2. Verwirrung 3.Bewegtheit 1. Schattenwelt


Fazit / Quintessenz, vorangestellt



Das kognitiv Eine: Wahrhaftig/Wirklich
 
verum
Apollinisches


digital

Platons Erkenntnis
Modell
Das ethisch Eine: Gut

bonum,

transdisziplinär

offen abwägend



Das ästhetisch Eine:
Schön /

pulchrum Dionysisches


analog






 
Höhlengleichnis

als TANDEM-PRINZIP
von 4. - 1.Ebene und von 4.- 1.

4.Ebene >WELTSICHT<
<<Grundsicherung*>>
 << ------ Die Erkenntnis- ------>>
Zuwendungs-, Mitarbeitsfähigkeit*


3. Ebene >WELT-IN-BEWEGUNG<
<< ------Die Bewegtheit------->>
Beschleunigung-Burnout-Entschleunigung


2. Ebene > BUNTE WELT<
Der Alltag, Routine
Supermarkt/Weltmarkt.
<< ------Die Verwirrung ------->>


1.Ebene > SCHATTENWELT<
Die Behinderung, Gefangenschaft,
<< ------Das Abgründige------->>


>8<.....Unermesslichkeit als Ausgangs- Basis
Geist…. Welle/Bewegung
>Transdisziplinärer Diskurs<

Energie 

 

Paul Chan

reflektiert sein TANDEM-PRINZIP im Vergleich zu Platons Höhlengleichnis:

Erstimpressionen

Lustige Dinge, 'Gulliver'sicht-Figuren, bewegen sich in Teilen, es zeigt sich eine Miniaturfiguren Szenenwelt (Breughel, http://de.wikipedia.org/wiki/ Die_Kinderspiele ) .....vorerst, dann:

<4.-1.>Crossover – Philosophie 

pendelt 'fluchtArtig' zwischen dem 'Höhlengleichnis mit

>1< Schattenfick', in der utopischen Flucht-Polis' von Platon (6) und dem kritischen 'Nihil...' von Nietzsche - aber generalistisch und genial direkt- demoktratisch aktualisiert er in Habitus, Geste und amerikanisch-maschenerweiternder spielerisch vorgetragener Wirkkraft im Kontrast zum aktuellen NSE-Gehabe aus der Ära des Bush-Clans herüberscheinend.

Sein bestechend mit höchster Kompetenz, interdisziplinär (im cross over) genial vorgetragen. gepaart mit hintergründigem, zugleich kritischen aber leisem bitteren Homergelächter zeigt es sich  besonders metaphorisch an der Tischskulptur / PC-Tastatur, die sich in jeder einzelnen Taste in einen 'Grabstein' darstellt und so bei einem realen Gebrauch in weitere Totenfelder  bis
>8< ins Unermessliche steigern kann ...

Sein 'Politea' Blick verknüpft  sich mit dem der res publica - Sichtweise.

<1-2> Dies zeigt sich konzentriert in den offen gelegten und hängenden electronic-circuit-Kabelschlangen, die an und mit

>1-3<
Dingen und Resten des allltäglichen und kriegerischen Lebens & Sterbens  /  fragmentierten Torsi (1, 5), sie sind  einseitig gesteckt oder beidseitig offen herumliegend, oder wandseitig figurativ montiert .. Sie enthüllen das erkaltete Entsetzen über unser aller stets aktuelle Auffassung, die von einem fast vollkommenen eingebetteten, medialgesteuerten Weltblick, einer analog/digitalen 'Scheinpuppenstube' erzählt, in der alle Grausamkeiten  auch Liebenswertes dieser Welt kühl und konservativ wissensgesteuert ( apollinisch, (3) präraffaelitisch und Tea-Party-bewegt ) hegemonisch (4) wirken.

>1-4< Chan's  Ausgewählte Arbeiten zeigen einen in labyrinthischen Selbstgesprächen verwickelten zugleich verknüpfenden  Mixedmedia- und Crossover- Künstler, der seine Ariadnefäden (Kabelschlangen... Linienführung in Zeichnungen /Gang durchs Labyrinth) stets bei sich hat, und der 'keine Freunde (?Familie?) hat (?mag?)', weil sie ihn von seiner Tag-Nachttätigkeit fernhalten könn(t)en - also - ist er ein universal prägender ästhetischer
zugleich direkt demokratisch-ästhetischer Homo Faber.

m+w.p14-4


(1) Die Schlacht am Antietam,
vor allem in den Südstaaten auch Schlacht bei Sharpsburg
http://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_am_Antietam 

(2) Eingebettetes System
(auch englisch embedded system) bezeichnet einen elektronischen Rechner oder auch Computer, der in einen technischen Kontext eingebunden (eingebettet) ist. Dabei übernimmt der Rechner entweder Überwachungs-, Steuerungs- oder Regelfunktionen oder ist für eine Form der Daten- bzw. Signalverarbeitung zuständig, beispielsweise beim Ver- bzw. Entschlüsseln, Codieren bzw. Decodieren oder Filtern
http://de.wikipedia.org/wiki/Eingebettetes_System

(3) Präraffaeliten und Tea-Party-Bewegung
Die Präraffaeliten waren eine in der Mitte des 19. Jahrhunderts in England zusammengekommene Gruppe von Malern. Sie schufen und prägten den nach ihnen benannten Präraffaelismus, einen Stil, der stark beeinflusst war von den Malern des italienischen Trecento und Quattrocento und von den deutschen Nazarenern – aber auch von Künstlern der italienischen Renaissance wie Botticelli und insbesondere Raffael, obwohl die Präraffaeliten jene bereits ablehnten.
Die Tea-Party-Bewegung ist eine US-amerikanische anfangs libertäre, später zunehmend konservative und populistische Protestbewegung, die 2009 entstand. Der Name der Bewegung bezieht sich auf die Boston Tea Party von 1773. Politisch steht sie für einen Limited-Government-Konservativismus, also eine Verringerung der Macht der Bundesregierung, und definiert ihr Leitbild im Contract from America. Die Tea-Party-Bewegung wird von der religiösen Rechten und den Neokonservativen unterstützt, ohne sich deren gesellschaftspolitische Aussagen zu eigen zu machen.

(4) Hegemonie
(von altgriechisch hēgemonía ‚ Heerführung, Hegemonie, Oberbefehl‘ ‚ Führer, Anführer‘)[1] versteht man die Vorherrschaft oder Überlegenheit einer Institution, eines Staates, einer Organisation oder eines ähnlichen Akteurs in politischer, militärischer, wirtschaftlicher, religiöser und/oder kultureller Hinsicht. Gegenüber einem Hegemon (dem Machthaber in der Hegemonie) haben andere Akteure nur eingeschränkte Möglichkeiten
http://de.wikipedia.org/wiki/Hegemonie

(5) Torsi, Figuration
http://archiv.kultur-punkt.ch/galerie/fragmentierung-torsi13-1.htm
http://archiv.kultur-punkt.ch/galerie/fragmentierung-figuration13-1.htm

(6) Platon heute
'eine offene philosophie für heute und morgen' ..
http://archiv.kultur-punkt.ch/akademie4/


Inhalt
Paul Chan, The argument: Antietam, (Detail), 2013, Kabel, Schuhe, Beton,
courtesy the artist and Greene Naftali, New York, © Paul Chan, Foto: Tom Bisig
Das Schaulager zeigt während sechs Monaten die bisher umfassendste Ausstellung des in Hongkong geborenen und in New York lebenden und arbeitenden Künstlers Paul Chan. Der erst vierzigjährige Künstler kann bereits ein weitgefächertes Werk vorlegen, das ihn als eine der originellsten und vielseitigsten Stimmen in der zeitgenössischen Kunst ausweist. Seine Interessen reichen von aktuellen politischen und gesellschaftlichen Fragen bis zu zeitlosen, grossen Themen der Geschichte, Literatur und Philosophie, die er ohne Berührungsängste spielerisch aufnimmt und für seine Kunst nutzt.
Paul Chan ist ein typischer Vertreter seiner Generation. Er benutzt exzessiv das Potenzial des World Wide Web und dessen Überfluss an Informationen, die er so zielgerichtet wie ungebremst neu gestaltet und vernetzt. Als Video- und Installationskünstler, Zeichner und Maler ist er dabei ebenso versiert wie als Autor und Dozent. Sein scheinbar sprunghaftes, ausuferndes und unübersichtliches Schaffen entpuppt sich dem interessierten Betrachter bei näherem Hinsehen als konsequent, unbeirrbar und tiefgründig. Wir laden Sie dazu ein, sich mit uns in Paul Chans spannende Welt zu begeben und sich auf seine ungewöhnliche Kunst einzulassen.
Paul Chan hat die Einladung ins Schaulager zum Anlass genommen, sein bisheriges Schaffen neu zu überdenken und weiterzuführen. In einer eigens für die Ausstellung entworfenen Architektur verbindet er bestehende und neue Werke zu einer kunstvoll durchdachten, verblüffenden Inszenierung. Dabei besticht zunächst die unmittelbare Wirkung der Werke im Raum. Es ist Ihnen überlassen, wie weit Sie sich mit den unzähligen Themenbereichen und aufgeworfenen Fragen befassen möchten. Wenn Sie sich auf diese Entdeckungsreise wagen, können Sie manches, was anfänglich schön und doch verstörend, eindringlich aber gleichzeitig befremdend oder sogar schockierend wirkt, auf andere Weise erleben und verstehen.
Eine «schwierige» Ausstellung? Sicher eine überraschende, ungewohnte Ausstellung, die das Verweilen und Wiederkommen lohnt. Ihr Eintrittsticket gibt Ihnen deshalb die Möglichkeit, die Ausstellung im Schaulager drei Mal zu besuchen. Ein attraktives Begleitprogramm aus Führungen, Werkbetrachtungen und Vorträgen bietet weiterführende Hintergrundinformationen, und am 12./13. September findet im Auditorium ein öffentliches Symposium statt, bei dem sich Fachleute mit der Ausstellung und Paul Chans Schaffen auseinandersetzen.
Am Donnerstagabend ist jeweils wieder Schaulagernacht, in der die Ausstellung bis 22 Uhr geöffnet ist. Dabei sollten Sie die Führungen, Kunstfilme im «Artist’s choice»-Programm, Vorträge und Poetry Sessions nicht verpassen, zu deren kostenlosem Besuch Ihr Ticket Sie berechtigt.
Wir wünschen Ihnen viel Vergnügen beim Besuch der Ausstellung «Paul Chan – Selected Works»!

Einführung
Was ist ein Wort? Was ist ein Ding? Was ist Wissen? Wer bin ich selbst? Wie leben? Gibt es Licht ohne Schatten? Vernunft ohne List? Was ist Kunst? Was für grosse Fragen. Fragen, welche die Philosophie, die Religion und die Gesellschaft bewegen. Aber auch Fragen, so einfach und direkt, wie Kinder sie stellen. Fragen, die plötzlich auftauchen, beim Autofahren, unter der Dusche, in den lichten Momenten, wenn der Alltag absurd, Gewohnheiten bizarr und jede Gewissheit verdächtig erscheint. Fragen auf jeden Fall, die keinen Menschen unberührt lassen. Die eine Schleuse öffnen, woraus ein breiter Strom aus Ideen und Assoziationen hervorbricht, die miteinander verwirbeln und die Gedanken mitreissen mit der Kraft ihres Sogs.
Eine ähnliche Anziehungskraft besitzen die Werke von Paul Chan, die trotz ihrer inhaltlichen Komplexität ganz einfach und direkt daherkommen. Sie ziehen in Kreisbahnen um zentrale Themen aus Geschichte, Philosophie und Literatur, grosse Themen, die unfassbar erscheinen, aber in Chans Auseinandersetzung in Wort und Bild plötzlich ganz nah und selbstverständlich sind. Auf den ersten Blick wirken die digitalen Animationen, Installationen, Zeichnungen und Skulpturen klar und einfach: Leuchtende Farben, erkennbare Materialien, klare Strukturen, deutliche Kontraste. Die Werke locken wie Sirenen und laden ein zum Verweilen. Aber mit der Zeit offenbaren sie ihre Ambivalenz und die Abgründe, die sich hinter der Schönheit auftun. Die beredten Titel der Werke lesen sich wie Orakelsprüche und entpuppen sich als ironisches Spiel mit Doppeldeutigkeiten und Scheinbarem.
Paul Chan ist ein grossartiger und gerissener Erzähler. In der Ausstellung im Schaulager sind seine Werke in Konstellationen so angeordnet, dass sie als einzelne Positionen ihre Stimme behaupten, ihre Verbundenheit sich aber gleichzeitig im breiten Fluss der Narration zeigt. Ein Spannungsbogen zieht sich über die ganze Ausstellung hinweg – sichtbar auf den ersten Blick in den Arguments, die sich wie ein Flechtwerk über die Räume erstrecken oder die wie der Faden der Ariadne im Labyrinth des Minotaurus Orientierung bieten.
Man kann sich verlieren im Netz der Werke von Paul Chan, sie geben Rätsel auf und legen Fährten, die ins Dickicht verlaufen. Die Werke sprechen in einer Sprache, die man nicht unmittelbar versteht, vieles erscheint fremd, anderes doch vertraut. Einige Referenzen, auf die Chan eingeht, sind unmittelbar klar, andere Quellen offenbaren sich erst, wenn man weiter forscht. Die Zitate und Ideen, die historischen Bezüge und literarischen Grundlagen sind ebenso in unserer Kultur verortet wie in unserem Alltag. In den Werken von Paul Chan verlieren die Anspielungen und Hinweise ihre ursprüngliche Zugehörigkeit und gehen unter in einer neuen Ordnung, tauchen aber als vertraute Stimmen wieder auf – wie ein Echo – in der fremdartigen Erscheinung, als die sich das Werk zeigt.
Das Konzept der Ausstellung verläuft entlang von Achsen – Himmel und Erde, diesseits und jenseits, dem Traum von einer andersartigen Welt und der Realität unseres Daseins. Während die Werke im Erdgeschoss um positive wie negative Utopien kreisen, sieht sich der Betrachter im Untergeschoss mit Szenarien einer in aller Härte durchbrechenden Realität konfrontiert. Aber keine Sorge, es ist nur Kunst. Und wer hat schon Angst vor Kunst?

Der Protagonist
Paul Chan ist 1973 in Hongkong geboren, er lebt und arbeitet in New York. Sein Werk war in zahlreichen internationalen Ausstellungen vertreten, darunter an der documenta 13 in Kassel, 2012; Making Worlds, 53. Biennale Venedig, 2009, an der Whitney Biennale, Whitney Museum of Art, New York, 2006, und an der 54th Carnegie International, Carnegie Museum of Art, Pittsburgh, 2004. Wichtige Einzelausstellung umfassen Paul Chan: The 7 Lights in der Serpentine Gallery, London und im New Museum, New York, 2007–2008. In New Orleans arbeitete Chan 2007 mit dem Classical Theatre of Harlem und Creative Time an einer ortsspezifischen Freiluftaufführung von Samuel Becketts Stück Waiting for Godot. Seine Essays und Interviews sind in Artforum, Frieze, Flash Art, October, Tate Etc., Parkett, Texte zur Kunst, Bomb Magazine sowie in weiteren Zeitschriften und Journalen erschienen. 2010 gründete Paul Chan den Verlag Badlands Unlimited.

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Inhalt
Paul Chan, The argument: Antietam, (Detail), 2013, Kabel, Schuhe, Beton,
courtesy the artist and Greene Naftali, New York, © Paul Chan, Foto: Tom Bisig
Das Schaulager zeigt während sechs Monaten die bisher umfassendste Ausstellung des in Hongkong geborenen und in New York lebenden und arbeitenden Künstlers Paul Chan. Der erst vierzigjährige Künstler kann bereits ein weitgefächertes Werk vorlegen, das ihn als eine der originellsten und vielseitigsten Stimmen in der zeitgenössischen Kunst ausweist. Seine Interessen reichen von aktuellen politischen und gesellschaftlichen Fragen bis zu zeitlosen, grossen Themen der Geschichte, Literatur und Philosophie, die er ohne Berührungsängste spielerisch aufnimmt und für seine Kunst nutzt.
Paul Chan ist ein typischer Vertreter seiner Generation. Er benutzt exzessiv das Potenzial des World Wide Web und dessen Überfluss an Informationen, die er so zielgerichtet wie ungebremst neu gestaltet und vernetzt. Als Video- und Installationskünstler, Zeichner und Maler ist er dabei ebenso versiert wie als Autor und Dozent. Sein scheinbar sprunghaftes, ausuferndes und unübersichtliches Schaffen entpuppt sich dem interessierten Betrachter bei näherem Hinsehen als konsequent, unbeirrbar und tiefgründig. Wir laden Sie dazu ein, sich mit uns in Paul Chans spannende Welt zu begeben und sich auf seine ungewöhnliche Kunst einzulassen.
Paul Chan hat die Einladung ins Schaulager zum Anlass genommen, sein bisheriges Schaffen neu zu überdenken und weiterzuführen. In einer eigens für die Ausstellung entworfenen Architektur verbindet er bestehende und neue Werke zu einer kunstvoll durchdachten, verblüffenden Inszenierung. Dabei besticht zunächst die unmittelbare Wirkung der Werke im Raum. Es ist Ihnen überlassen, wie weit Sie sich mit den unzähligen Themenbereichen und aufgeworfenen Fragen befassen möchten. Wenn Sie sich auf diese Entdeckungsreise wagen, können Sie manches, was anfänglich schön und doch verstörend, eindringlich aber gleichzeitig befremdend oder sogar schockierend wirkt, auf andere Weise erleben und verstehen.
Eine «schwierige» Ausstellung? Sicher eine überraschende, ungewohnte Ausstellung, die das Verweilen und Wiederkommen lohnt. Ihr Eintrittsticket gibt Ihnen deshalb die Möglichkeit, die Ausstellung im Schaulager drei Mal zu besuchen. Ein attraktives Begleitprogramm aus Führungen, Werkbetrachtungen und Vorträgen bietet weiterführende Hintergrundinformationen, und am 12./13. September findet im Auditorium ein öffentliches Symposium statt, bei dem sich Fachleute mit der Ausstellung und Paul Chans Schaffen auseinandersetzen.
Am Donnerstagabend ist jeweils wieder Schaulagernacht, in der die Ausstellung bis 22 Uhr geöffnet ist. Dabei sollten Sie die Führungen, Kunstfilme im «Artist’s choice»-Programm, Vorträge und Poetry Sessions nicht verpassen, zu deren kostenlosem Besuch Ihr Ticket Sie berechtigt.
Wir wünschen Ihnen viel Vergnügen beim Besuch der Ausstellung «Paul Chan – Selected Works»!

Einführung
Was ist ein Wort? Was ist ein Ding? Was ist Wissen? Wer bin ich selbst? Wie leben? Gibt es Licht ohne Schatten? Vernunft ohne List? Was ist Kunst? Was für grosse Fragen. Fragen, welche die Philosophie, die Religion und die Gesellschaft bewegen. Aber auch Fragen, so einfach und direkt, wie Kinder sie stellen. Fragen, die plötzlich auftauchen, beim Autofahren, unter der Dusche, in den lichten Momenten, wenn der Alltag absurd, Gewohnheiten bizarr und jede Gewissheit verdächtig erscheint. Fragen auf jeden Fall, die keinen Menschen unberührt lassen. Die eine Schleuse öffnen, woraus ein breiter Strom aus Ideen und Assoziationen hervorbricht, die miteinander verwirbeln und die Gedanken mitreissen mit der Kraft ihres Sogs.
Eine ähnliche Anziehungskraft besitzen die Werke von Paul Chan, die trotz ihrer inhaltlichen Komplexität ganz einfach und direkt daherkommen. Sie ziehen in Kreisbahnen um zentrale Themen aus Geschichte, Philosophie und Literatur, grosse Themen, die unfassbar erscheinen, aber in Chans Auseinandersetzung in Wort und Bild plötzlich ganz nah und selbstverständlich sind. Auf den ersten Blick wirken die digitalen Animationen, Installationen, Zeichnungen und Skulpturen klar und einfach: Leuchtende Farben, erkennbare Materialien, klare Strukturen, deutliche Kontraste. Die Werke locken wie Sirenen und laden ein zum Verweilen. Aber mit der Zeit offenbaren sie ihre Ambivalenz und die Abgründe, die sich hinter der Schönheit auftun. Die beredten Titel der Werke lesen sich wie Orakelsprüche und entpuppen sich als ironisches Spiel mit Doppeldeutigkeiten und Scheinbarem.
Paul Chan ist ein grossartiger und gerissener Erzähler. In der Ausstellung im Schaulager sind seine Werke in Konstellationen so angeordnet, dass sie als einzelne Positionen ihre Stimme behaupten, ihre Verbundenheit sich aber gleichzeitig im breiten Fluss der Narration zeigt. Ein Spannungsbogen zieht sich über die ganze Ausstellung hinweg – sichtbar auf den ersten Blick in den Arguments, die sich wie ein Flechtwerk über die Räume erstrecken oder die wie der Faden der Ariadne im Labyrinth des Minotaurus Orientierung bieten.
Man kann sich verlieren im Netz der Werke von Paul Chan, sie geben Rätsel auf und legen Fährten, die ins Dickicht verlaufen. Die Werke sprechen in einer Sprache, die man nicht unmittelbar versteht, vieles erscheint fremd, anderes doch vertraut. Einige Referenzen, auf die Chan eingeht, sind unmittelbar klar, andere Quellen offenbaren sich erst, wenn man weiter forscht. Die Zitate und Ideen, die historischen Bezüge und literarischen Grundlagen sind ebenso in unserer Kultur verortet wie in unserem Alltag. In den Werken von Paul Chan verlieren die Anspielungen und Hinweise ihre ursprüngliche Zugehörigkeit und gehen unter in einer neuen Ordnung, tauchen aber als vertraute Stimmen wieder auf – wie ein Echo – in der fremdartigen Erscheinung, als die sich das Werk zeigt.
Das Konzept der Ausstellung verläuft entlang von Achsen – Himmel und Erde, diesseits und jenseits, dem Traum von einer andersartigen Welt und der Realität unseres Daseins. Während die Werke im Erdgeschoss um positive wie negative Utopien kreisen, sieht sich der Betrachter im Untergeschoss mit Szenarien einer in aller Härte durchbrechenden Realität konfrontiert. Aber keine Sorge, es ist nur Kunst. Und wer hat schon Angst vor Kunst?

Der Protagonist
Paul Chan ist 1973 in Hongkong geboren, er lebt und arbeitet in New York. Sein Werk war in zahlreichen internationalen Ausstellungen vertreten, darunter an der documenta 13 in Kassel, 2012; Making Worlds, 53. Biennale Venedig, 2009, an der Whitney Biennale, Whitney Museum of Art, New York, 2006, und an der 54th Carnegie International, Carnegie Museum of Art, Pittsburgh, 2004. Wichtige Einzelausstellung umfassen Paul Chan: The 7 Lights in der Serpentine Gallery, London und im New Museum, New York, 2007–2008. In New Orleans arbeitete Chan 2007 mit dem Classical Theatre of Harlem und Creative Time an einer ortsspezifischen Freiluftaufführung von Samuel Becketts Stück Waiting for Godot. Seine Essays und Interviews sind in Artforum, Frieze, Flash Art, October, Tate Etc., Parkett, Texte zur Kunst, Bomb Magazine sowie in weiteren Zeitschriften und Journalen erschienen. 2010 gründete Paul Chan den Verlag Badlands Unlimited.

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