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Online-Publikation: September 2011 im Internet-Journal <<kultur-punkt.ch>>
Ereignis-, Ausstellungs-, AV- und Buchbesprechung
<< Doug Saunders : Arrival City . Über alle Grenzen hinweg ziehen Millionen Menschen vom Land in die Städte. Von ihnen hängt unsere Zukunft ab. >>
Originaltitel: Arrival City; Originalverlag: Knopf Canada. Aus dem Englischen von Werner Roller
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 576 Seiten, 13,5 x 21,5 cm; ISBN: 978-3-89667-392-3; € 22,95 [D] | € 23,60 [A] | CHF 35,90
Randomhouse-Blessing Verlag München; www.randomhouse.de/blessing;
 

Inhalt
Die Menschheit erlebt aktuell die größte Völkerwanderung ihrer Geschichte
Ein Drittel der Weltbevölkerung zieht – über Provinzen, Länder, Kontinente hinweg – vom Land in die Städte. In unserer Zeit leben zum ersten Mal mehr Menschen in der Stadt als auf dem Land.
Die These, dass diese radikale, unumkehrbare Entwicklung eine positive ist – sowohl für die Migranten als auch für die Städte, in denen sie ankommen –, setzt Saunders’ Buch von gern beschworenen Untergangsszenarien ab. Ob Migration funktioniert oder nicht, hat wenig mit kulturellen Klüften oder religiösen Gegensätzen zu tun. Die Ziele der Neuankömmlinge sind – egal aus welchem Land sie stammen oder in welche Stadt sie gehen – die gleichen. Doch ob sie Arbeit finden, soziale Netzwerke aufbauen, ihren Kindern Schulbildung und eine Zukunft ermöglichen können, hängt stark davon ab, ob die Stadt auf sie vorbereitet ist.
Drei Jahre lang hat Saunders in Berlin-Kreuzberg, im Londoner East End und den Banlieues von Paris, in den Favelas von Rio de Janeiro und den Barrios in Los Angeles mit Menschen über ihre Lebenspläne und -wirklichkeiten gesprochen. Über zwanzig solcher Viertel, Rand- und Außenbezirke, diese Orte der Ankunft – Arrival Citys –, porträtiert Saunders in seinem Buch. Sein Fazit: Scheitert die Arrival City, wird sie zum sozialen Brennpunkt, zur Brutstätte von Kriminalität und hybridem Extremismus, zum Elendsviertel. Blüht sie auf, wird die Arrival City zur Geburtsstätte der neuen Mittelschicht, der stabilen Wirtschaft und des sozialen Friedens einer Stadt.

Zitat
"In gut geschriebenen Reportagen bringt uns Saunders diese unbekannte Welt näher. Dabei ordnet er immer wieder in kleinen historischen und wissenschaftlichen Exkursen geschickt das persönlich Erlebte in einen größeren Kontext ein."
Wolfgang Hirn, manager magazin (01.09.2011)

Autor
Doug Saunders, Jahrgang 1967, ist kanadisch-britischer Autor und Journalist. Für seine Reportagen und Kolumnen wurde er bislang vier Mal mit dem National Newspaper Award ausgezeichnet, dem kanadischen Pendant des Pulitzers. Sein erstes Buch "Arrival City" wurde bereits für renommierte Sachbuchpreise nominiert und gewann den Donner Prize. Saunders leitet derzeit das Europabüro der zweitgrößten kanadischen Tageszeitung Globe and Mail in London.

Fazit
Von Los Angeles bis Shenzhen und von London bis Sao Paulo wird ein Trend sichtbar, der sich mit dem Begriff "Stadt-Völkerwanderung" oder "Arrival City" bezeichnen lässt , wie der Titel des hochaktuellen Diskursbuches von Doug Saunders heisst. Seine Quintessenz heisst: "Über alle Grenzen hinweg ziehen Millionen Menschen vom Land in die Städte. Von ihnen hängt unsere Zukunft ab." In zehn Kapiteln umreisst er die verschiedenen Formen des Eindringen, Einsickern oder Verwandlung des Dorfes in urbane Teilstrukturen: Von draussen rein, die Ankunft, das Sterben und die Neubelebung in der Ankunftsstadt, deren Randexplosionen, deren Wirkungswellen bis in die Zentren von zeit zu zeit anarchisch vordringen, nach dieser Periode stellt sich "die neue Stadt der/ihrer alten Welt". Saunders schildert in klarer bildhafter Sprache wie alle Vorgänge in ineina
ndergreifen und wie "das Ende der Ankunft", des Verweilens sich schliesslich stilvoll entfalten kann: aktuell in Niederlande (Slotervaart, Amsterdam), Bangladesch (Karail, Dhaka) und in Kanada zuletzt (Thorncliffe Park, Toronto) woher auch der Autor stammt. Schliesslich entlässt er die Lesenden nicht bevor er die "Revolutionen in der Ankunftsstadt am Beispiel "Boulaq Al- Dakrour in Kairo" analytisch präzise beschreibt. Es sind mehrheitlich gebildete Uni-Studenten und -Absolventen, deren tief erfahrenes Scheitern individuell enttäuschender Lebensziele zum "Arabischen Frühling" führte. Das wird parallet zu ihm auch von Hessel*, Brock**, Ziegler*** u.a. bestätigt. Es ist ein unverzichtbares Dis-Kursbuch in Richtung "Urbane Weltgesellschaft", deren Scheitern von unserer Haltung zum Anderen vom teilhabendem Augen-Merk abhängt, m+w.p11-9

Erweiternde Hinweise:
* http://archiv.kultur-punkt.ch/ereignisse/ullstein11-2hessel-empoerteuch.htm
**
http://archiv.kultur-punkt.ch/ereignisse/bazon-brock11-8wirtschafts-kriminalitaet.htm 
***
  http://archiv.kultur-punkt.ch/akademie4/diskurs/bertelsmann10-1ziegler-derhassaufdenwesten.htm 

 


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