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pa4-11-11visionutopie-diskurs
 
<< PA4-Diskurs Einladung für Sonntag den 6. November 2011, ab 11 Uhr .Thema: Vision und Utopie . Eine imaginäre Gesprächsrunde >>

Diskursteamleitung

Jean Baudrillard 
(1929-2007) war emeritierter Professor für Soziologie an der Universität Paris-Nanterre
N Jean Nouvel
ist Architekt. Zu seinen bekanntesten Bauwerken zählen das Institut du monde arabe in Paris, die Galerie Lafayette in Berlin und das Kongreßzentrum in Luzern . ..

PA4-Teilnehmer, virtuell / vor Ort*

A-    Magdi + Herwig Angerer 
B-    Dieter Braeg  http://archiv.kultur-punkt.ch/praesentation/architektur/salzburg-wallner-braeg07-10.htm
H*   Ulrike + Heribert Heere  http://archiv.kultur-punkt.ch/galerie/sammlung/gs-heere.htm
M*   Marietta + Lothar Meinz
N-    Norbert Mayr  http://archiv.kultur-punkt.ch/praesentation/architektur/arch-mayr-salzburg06-11_kopie(1).htm
P*    Marga + Walter Prankl
R-    Dietlinde + Fritz Rakowitz
S-     Meina Schellander  http://archiv.kultur-punkt.ch/ereignisse/schellander-himmelraumbilder11-1.htm
W-    Gisela + Gerhard Wallner  http://archiv.kultur-punkt.ch/galerie/sammlung/gs-wallner.htm
 
Virtuelle Diskursteilnehmer

1   Teamsprecher Uni-München zu Humboldt, 150.+ : Utopie und Urbanität
     http://archiv.kultur-punkt.ch/akademie4/diskurs/edition-architektur09-8utopie-urbanitaet.htm

2   Sabine Breitwieser : Utopie und Monumentalität

     http://archiv.kultur-punkt.ch/ereignisse/springer11-7utopie-monument.htm

3   Jörn Düwel, Hans Stimmann : Sozialutopie und Architektur

     http://archiv.kultur-punkt.ch/architektur/dom-publishers11-6sozialutopie-stadthaus.htm

4   Malewitsch : Suprematismus ; Malerei als Vision/Utopie
     http://archiv.kultur-punkt.ch/praesentation/ereignisse/malewitsch03.htm

5   Lothar Lang : Vision und Kunst als Scheitern
     http://archiv.kultur-punkt.ch/praesentation/ereignisse/faber10-02.htm

6   Autorenteamsprecher: Luftschloss/Imagination als Utopie in der Realität
      http://archiv.kultur-punkt.ch/praesentation/architektur/gta08-4luftschloss.htm

7   Michael Schindholm : Erinnerung an eine Utopie – Dubai
     http://archiv.kultur-punkt.ch/akademie4/diskurs/dtv09-11schindhelm-dubai.htm

8   C. N. Ledoux : Utopie und Geometrie der Aufklärung

     http://archiv.kultur-punkt.ch/praesentation/architektur/birkhauser06-9ledoux-vidler.htm

9   F. Bark Hagen : Erinnerung an paradiesische Momente / Glücksuche und Utopie
     http://archiv.kultur-punkt.ch/lebensraum/larsmueller11-8barkhagen-glueckimgarten%20.htm

10 Imre Kertesz : Hass und Kreativität - Energiequelle für Utopie und Vision

     http://archiv.kultur-punkt.ch/buchtipps/suhrkamp2-5-03.htm
11 Alexander Kluge : Poesie, Energiequelle für Utopie und Vision
     http://archiv.kultur-punkt.ch/buchtipps-allgemein/wagenbach06-5kluge-utopie.htm

12 Peter Sloterdijk : Anthrop-Technik als Ko-Kreativität und Utopie
     http://archiv.kultur-punkt.ch/akademie4/suhrkamp09-4sloterdijk-lebenaendern.htm

13 Adolf Loose : Soziale demokratische Geometrie als Vision und Utopie
     http://archiv.kultur-punkt.ch/praesentation/ereignisse/lhose10-02.htm

14 Günther Feuerstein : Urbane Visionen und Utopien im 20, Jhdt.
     http://archiv.kultur-punkt.ch/praesentation/architektur/editionmenges08-7-feuerstein-urbanfiction.htm

15 Gerhard Richter : Digitale Geometrie als Diskurs zur Transzendenz
     http://archiv.kultur-punkt.ch/praesentation/titelbilder/titel-07-9richter-meisner.htm

16  Otfried Höffe: Macht Tugend schön? Über Lebenskunst und Moral
     http://archiv.kultur-punkt.ch/akademie4/diskurs/schwabe11-10hoeffe-tugend.htm

17  Karl Schwarzenberg zu Barbara Toth : Unterschätzen Sie nicht meine Boshaftigkeit
     http://archiv.kultur-punkt.ch/akademie4/diskurs/residenz-np11-11schwarzenberg-toth.htm


IMAGINÄRER DISKURS

B: ..Man wird nicht mit dem Nichts anfangen..eher ein Endpunkt.. Die Radikalität....mehr ein Bereich des Schreibens, der Theorie und weniger im Bereich der Architektur.... mehr des Raumes ..vielleicht des Nichts...

P: Stimme dem zu, das erklärt auch unser Verschwinden aus dem Archtitektur- , Design- Szenario als Handelnde und die Hinwendung zum publizierenden Denken …

1: Utopische Texte gibt es – angefangen beim Urvater allen utopischen Denkens Platon „Atlantis, Politea“ über den Genre-Gründer – Thomas Morus „Utopia“ bis zu einer Sozialutopia von Max Frisch, Borges u.a.m. …

2: Ich sehe Utopie als Denkraum und Monument  als Erinnerungsraum, wobei diese zwei Begriffe aus der Debatte um Öffentlichkeit verschwunden sind…

P: Ihre Utopie-Textinhalte z. B. Ihrem verborgenen Terrain mit aufgelassenen Schrebergärten, öffentlichen Raum im Zeitalter seiner Privatisierung und der Thematisierung einer Arbeiterkantine und Blumen sind notwendiger weiser die Blumenbeete zwischen den Baracken von Auschwitz hinzuzufügen. Ihr Konzept dient dem Beliebigen, der Verwirrungsspiel (Platon II) - ist weder Utopie noch Vision sondern bedienen das Hamsterrad von Marketing-Phantasmen ,,,

3: Die, die markantesten Grosssiedlungen haben, die schneidigsten Wohnmaschinen und Grossformen, die brutalsten Strassendurchbrüche durch die Altstädte, Leninplätze, Fischerkietze, dies Missstände stehen auf den Konten regelmässig auf sozialdemokratischen Bausstadträten und in der DDR auf solchen mit Parteibüchern der SED …

P: Stimmen zu dieser unsäglichen Zerrsiedelung im Innern wie am Rand unserer europäischen Städte. Sie fragten mit Recht „Wo, bitte geht’s zur Mitte ?“, die wir als soziale demokratische Urbanisten in der visionär-utopischen Schrift anmahnten. In der inhärente kurwegige und –weilige fussgängergemässe und synästhetische Bewegungen und Verweil möglich sind – Rückurbanisierung ist unser Kredo …

B: Denker des Sichtbaren und des Unsichtbaren stellen in der angenommenen Realität einer Welt  ihre radikale Illusion, Unentschlossenheit und den Schwindel dar

 P: Diese Überzeugung teile ich mit Ihnen…und

 6: Die Feiern von Luftschlössern als ein Stück Utopie im Barock werden zu unvergesslichen Spektakeln, um den Zuschauer als Benutzer zu domestizieren..

P: Was diese Luftschloss oder Festarchitektur dennoch so sympathisch macht, ist das Ephemerische, Flüchtige und Musterhafte, Atmosphärische und Transnationale, obgleich es der Machtbessenheit dient...

7: Unter dem Motto grösser, höher, moderner, glamouröser sollte Dubai, mitten in der Wüste, eine Weltstadt entstehen. Aber, in einer Welt des Hofstaats, der Emire, Abenteurer und Glücksritter aus aller Herren Länder zeigen sich radikale Widersprüche, kühne Spekulationen, Sehnsücht nach einer missverständlichen neuen Kulturwelt

P: Dieses urban-babylonische Monstrum neo-arabischer Version machen ein stammestradiert-absolutistisches Regime deutlich als eine unsägliche urbanistische Verwicklung / Entgleisung...

N: Die Schwierigkeiten der Architektur sind Schaffen und Vergessen. Du Baudrillard hat gesagt: New York ist Utopie ist das Epizentrum des Weltuntergangs .. man muss diese Utopie retten, das ist die Arbeit des Intellektuellen

P: Der Mensch braucht diese Art Weltuntergang als moralischen Gegen-Halt ?!

B:...des Sichtbaren und des Unsichtbaren...die  der angenommenen Realität einer Welt ihre radikale Illusion (Unentschlossenheit, Schwindel...) gegenüberstellt.

 10: Und ich habe den Hass immer als Energie aufgefasst. Sie ist blind, doch ihre Quell ist paradoxerweise die gleiche Vitalität, aus der sich auch die kreativen Kräfte speisen.

 P: Sie stellen in ihrer Schrift "Heureka" fest, dass Sie, wenn Sie sich mit der traumatischen Wirkung in Auschwitz auseinandersetzeb, dass Sie auf die Grundfragen der Lebensfähigkeit und kreativen Kraft des heutigen Menschen stossen, Darin stimmen wir vollends überein und fügen hinzu, dass Ihre Exilierte Sprach auf den im Kern enthausten Mensche kassandrisch auch zukünftig hinweisen ...

P: (zu beiden) Der Mensch braucht den Weltuntergang als moralischen Halt .. Retten heisst doch die Utopie in eine Vision zu verwandeln, ist keine romantische Anwandlung, sondern existenziell geprägt …

 8: Anthony Vidler hat 200 Jahre nach meiner molekularen Reise /dem Ableben mich als Inspirationsquelle für aussergewöhnliche Entwürfe bezeichnet und Nikolaus Pevsner als kühnsten und extremsten Revolutionsarchtitekten beschrieben. Das scheint mir etwas überhöht. Dennoch ich habe lediglich versucht Natur in ihrem innersten Wesen zu erfassen, damit meine ich die reine Geometrie mit dem Menschgedachten und -gemachten der aktuellen Manufaktur in Einklang zu bringen...

P: Verehrter Meister Ledoux, dennoch haben Sie parallel zur blutigen Revolte und manufaktorellen Massenschlachtung durch ein durchaus perfekt geometrisch-funktional gestaltete Guillotine, ein Gegenmuster einer neuen ästhetisch-geometrisch-geomantischen Gestaltung geschaffen, wie wir es heute nennen. Die zur Zeit nach der industrialisierten Massenvernichtung durch Zyklon B in Auschwitz und den Orange Fields in Vietnam durch numerisch-neoliberale Produktionsweisen noch vermehrt entsetzlich herabgewürdgt wird...

B:..Architektur pendelt zwischen Nostalgie und Antizipation..(= Retrospektive...= Provokation als Verführung ....und Geheimnis...die Kultur ist überall...."punktum" (Barthes in Bezug zur Photographie ....Architektur)

5: Ich glaube, es ist mir gelungen eine Retrospektive zur ostdeutschen Bewegtheit der bildenden Kunst des letzten halben Jahrhunderts vorzulegen..

P: Dabei sind  Aufstieg und Fall - Ikarus als Scheitern immanent - Denn in allen Lebensräumen leiden und scheitern die Schaffenden an der Ignoranz und Tradiertheit der Machthaber in Wirtschaft und Politik ...

P: .. aus diesem Grund nannten wir folgerichtig unseren virtuellen Standort „kultur-punkt“ als kritische Begleitung dieser Retrospektive der Verführung…

N: ...in der Kunst und in der Architektur geht es um eine Suche nach der Grenze...es gibt ein Vergnügen an der Destruktion (Fast-Nichts.. Nichts...Weisses Quadrat auf weissem Grund...)..

4: Sie, ich und meine Freundin Matjuschin, arbeiten immer an der Vollkommenheit in uns … wir suchen sie in unseren Hirnen, wo es viele Korridore und Lagerstätten gibt, wo Universen und ihre Vollkommenheiten beheimatet sind …

 P: und ohne Aussenräume wie Sie, Hochgeschätzter, Sie sind einer der ganz Grossen, Stillen, der auf dem Weg zum Innersten der geometrischen Schönheit war und paradigmatisch ist, trotz der todesbedrohenden Kulturgewalt Stalins mit seinem Gegenmuster des Soz-Realismus, ist für uns bis Adolf Lohse, dem Künstler und sozialen Demokraten ein Weg, der im Diesseitigen die geometrische Masse als Sichtbares /den Ariadnefaden und im Unsichtbaren die geistige Manifestation und reformierte Religiösität als IKONe Flucht- und Rettungsweg aus den Korridoren der Folterkeller und Gulags genutzt hat

P: wir verstehen Sie Malevitsch, Ihr „Schwarzes Quadrat auf (leicht verschmutzt-) weissem (Schnee-)Grund“ in seinen Suprematismus (der einfachsten Empfindung ihrer Malerei) als das Verschwinden von der Retrospektive der Ikonenmalerei seiner Anwesenheits-Zeit, zugleich als existenz-bedingte Flucht /Bewegtheit (wie Schostakovitch) aus der todbringenden Verantwortung seiner totalitären Umwelt…um der Vernichtung zu entfliehen ..wenigstens intellektuel-ästhetisch …

B: Die Ästhetik des Verschwindens...(Vernichtung bei Virilios ).. in den Netzwerken ( wo jeder der Klon oder die Metastase von etwas anderem wird), der Verflüchtigung... das   "Konzept der Nullität"....des Nichts" = eine Form der Metamorphose: ein Erscheinen und Verschwinden...= ist alles nicht mehr wirklich klärbar.. man muss auch spielen, gezwungenermassen...das Objekt (heute) hat sich zerstreut ( nicht verloren, das wäre nostalgisch) ist verschwunden, weggegangen.. kommt vielleicht in einer fatalen Form zurück...

P: Es geht um O und 1, Welle und Korpuskel, ein Diabolon…das schliesslich als Endspiel (Beckett) in die „Molekulare Reise“ mündet, so  ich begreifen, ja empfinden wir  Ihre Nullität ganz ausserordentlich intensiv… und stimmen ihnen zu…

 11: Dazu zählen wohl auch die Protagonisten Fontane, Kleist, Büchner deutscher Poesie sind eine Energiequell für Utopie und Vision..

 P: Ihre "Grammatik der Zeit" die von Kohlhaas, dessen Energie nach aussen, von Lenz, die nach innen geht und bis 1989 begänne eine Radikalisierung aller Zeitverhältnisse, die scheint uns nicht so plausibel zu sein. Denn die Treuhand-Akteure haben dieses von ihnen okkupierte Gebiet entkernt und es bis heut nicht auf Augenhöhe zu befrieden vermocht. Und Heiner Müller's Utopie von Mehrheit und Glauben bleibt illusinär und Poesie nur als Vermächtnis...

 B:...jetzt  ist es zweideutig, ambivalent, reversibel und aleatorisch (real zeitlich)...das Objekt verschwindet im äussersten Falle..

 15: Genau, ein Beispiel.  Im Widerstreit zu Kardinal Joachim Meisner hat er zu mir und meiner Arbeit am Köner Dom-Fenster folgendes gesagt: "Dort wo die Kultur vom Kultus von der Gottesverehrung abgekoppelt wird, erstarrt der Kult in Ritualismus und die Kultur entartet"

 P: Es ist geradezu widerlich und beschämend nach 66 Jahren hart erarbeiteter deutscher Demokratie diese faschistische Terminologie in ästhetischem Zusammenhang zu benutzen.Das Ornament, auch Design genannt, wohnt nun in der PC-Pixel-Flut und scheint uns als puritanes spektralfarbenes Quadrat* virtuell-leuchtend am Bildschirm entgegen...Ihnen Richter,  ist es gelungen dieses Quadrat* an einer dem Süden zugewandter Position der Mittagssonne vis a vis zu setzen und so leuchten diese Glasquadrate körperhaft durchscheinend (farbdurchtönend = per sonare) gleichnishaft zeitgleich (real time) allem Persönlichenentkleidet uns entgegen, machen uns - so wir die richtigen Filter wählen - auf unsere Fremde und zugleich aufmerksam und geben uns auf unserem (Augen)Weg in das Licht zugleich die Möglichkeit zur Erhellung, Erleuchtung in der Frage zum Unsichtbaren, Unbegreiflichen, Unaussprechlichen...schlicht nach Zukunft.
P: Jetzt sind wir an einem Punkt angekommen, die Karten offen zu legen – ich sehe unser Gesprächs-Bewegtheit nach unten gerichtet zu sein, in die unterste Ebene von Platon’s  Höhlengleichnis: Es ist der gefesselte, behinderte, be- und gefangene Mensch, dem wir da begegnen, der ( Ihren Ausführungen folgend) nicht einmal mehr Schatten vor sich wahrnimmt – in neuer Sicht-Losigkeit (Blindheit ?) die pure  Nullität erspürt, erahnt. Und so schliesse ich daraus, dass das Feuer im Gleichnis nicht vor-scheint , erloschen oder ebenso behindert ist – zu erscheinen  - wie der gefesselte Mensch es ist und es erlebt….Von der Schattenwelt  hinterscheint sie die „Schattenlose Raum-Zeit“ ?..

N: Vielleicht, ist aber Mutation angesagt .. man hat in Rekordzeit .. Dinge, Räume, Gebäude, Vororte, auch Nicht-Orte produziert und reproduziert...

12: Stimme zu. Den Kern meines Plädoyers für eine lebensändernde Anthropotechnik bildet die Einheit von der Selbstbildung alles Humanen d.h. alle menschlichen Aktivitäten wirken auf den Menschen zurück: die Arbeit auf den Arbeiter, der Konsum auf den Konsumierenden, die Gefühle auf den Fühlenden ...

P: Ihre sich sichtlich aufdrängende Utopie, ist platonischen Ursprungs, durchsichtig parodisch, der Mensch als Übender steht sich selbst erzeugend gegenüber - Spiegelneutronen lassen grüssen - . Ihre sprachasrtistisch- geschliffene Zeitreise zeigt uns Tacitus gemäss unser AufderStelletreten und so sind wir auf unseren selbst verursachten Krüppelpfaden unterwegs.

Und Ihrem Ko-Immunismus haben wir unsere Ko-Kreativität hinzuzufügen, durch lebensbegleitende tägliche Übungen. So können wir Ihren Utopievorschlag vollends heiter geniessen.
P: In einer sprunghaften Abänderung der Lebensweisen kommen wir ( wenn wir dem Höhlengleichnis weiter folgen) zu den beiden höheren Ebenen: Bunte und Bewegte Welt, Verwirrtheit ( Super-, Weltmarkt.. Neo-Babylon..)  zur Doxa ( Masse, Meinung, Medien..) ..

Ich sehe in Ihrer Haltung zur Destruktion, die Sie im ersten Gespräch erwähnten, eine Lust, die in Ihrem Metier üblich und erfolgreich auftritt als paranoide Arroganz oder auch als monomane Ich-Zentriertheit bezeichnet werden kann… ( Ausnahmen sind selten im vergangenen Jahrhundert: Aalto, Neutra…)  am Beispiel Luzern wird das deutlich, wie Sie die Kernfunktion, die musikalische Funktion (Hörqualität) erst einmal zugunsten der  monumental-ästhetischen Ausdrucksgestaltung beiseite geschoben haben…und so zum Verschwinden des Zuhörens und der Zuhörenden beigetragen haben…

B: was sich Mutation oder kulturell nennt, ist nur eine Ansammlung von polymorphen, perversen Aktivitäten.....man müsste eine Architektur entwerfen, die auf der Logik der Datenverarbeitung beruht.. dann gibt es Multikulturalität (Identitätswechsel).. die Dinge, die werden sind selten, sind dem Verkennen ausgesetzt, und vielleicht dem Verschwinden.

P: Sie lieben es, wie ich bemerke, zwischen den beiden Begriffen „Verwirrung und Verlöschtem“ der beginnenden Nullität gedanklich zu pendeln ..

B: Dazu zählt wohl Umwelt, Ökologie.. habe ein Vorurteil gegen diese Dinge.. diese existiert  auf der Grundlage von einem Verschwinden aller natürlichen Gegebenheiten ..um eine perfekte künstliche Welt zu errichten, in der Räume der Natur zu Naturschutzgebieten werden...

P: Ich steigere Ihre These noch, indem ich feststelle, dass unsere Um- und Un-Räume „Natur und -Schutz“ zu Macht- und Gewalt-Szenarien verkommen…in Resträume, Müllhalden im Wiederaufbereitungs-Wahn verkommen…

9: Ich halte dagegen. In meinen bebilderten Essays "Versuch das Glück im Garten zu finden" werden vermeintlich individuelle und  kollektive Paradiese als eine Art ultimative Utopie vorgestellt..

 P: Sie haben sich geradezu liebevoll in der unermesslich vielfältigen Gartenkultur auf Glücksuche begeben, weltweit umgesehen und ihrem Zitat von Ezra Pound ein würdiges Denkmal zwischen Vision und Utopie angefügt (I have dried to write Paradise / Do not move / Let the wind speak / that is paradise) und ich variiere es : "Let the rain drop on paper with chinese ink lines and so it has chi from paradise" w.p.1955

N: Architektur als reines Ereignis sagtest Du (zu B)?

B: Ja, ich unterscheide das Mondiale, das Universelle und das Einzigartige...

N: .. und zum Neutralen?

B: Dafür brauchen wir keine Architekten...

H*: Aber „Heterotopien“
Einer der kulturell bedeutendsten dieser von Foucault so genannten „Heterotopien“ ist der Garten, im Altpersischen pairi.daêza, das Paradies, heute der Bestandteil der Werbung eines jeden Gartencenters, als „hortus conclusus“, also als mittelalterliches Paradiesgärtlein der Traum jeder schöner Gärtnerin, und als Park von Anfang an Abbild und Sinnbild der Welt. Insbesondere der Park, entstanden im 18. Jh. als nach Bildern berühmter Landschaftsmaler inszenierte Natur, dürfte heute eine der virulentesten Utopien sein: die Welt als globalisierter Park. Dabei ist die Tendenz vom Naturpark zum Themenpark nicht nur in der überstrapazierten und von Schneemangel bedrohten Alpenregion schon mehr als Zukunftsmusik. An den Rändern der mediterranen Welt, z.B. im Süden des Peloponnes, gibt es sie noch, die unter einer gewissen Optik menschenleeren Küsten. Dass diese Gebiete völlig zu Recht oft Naturschutzgebiete sind, zeigt den Traum, die Welt wieder in ein Paradies zu verwandeln, Beleg für eine mächtige Tendenz in der Moderne: die Vision einer Zukunft mit dem Mythos des Ursprungs kurzzuschließen.

P: Stimme Dir zu lieber Heribert, aber noch zurück zu Ihnen Baudrillard . Wir haben genug „Ampassadeure“ , die sich aus ihrer universellen Verantwortung clever heraushalten,  statt sich als mitfühlende und integre, soziale Wesen zu offerieren…

 13: Kultur ist nur eine Randerscheinung, sowohl in kapitalistischen als auch in kommunistischen Systemen. Träger dieser Kultur sind da die Wirtschaft und dort die jeweilig bestimmenden Kulturideologien

 P: Wen die Wirtschaft fördert, dann nur mit Aspirin -Wirkkraft für die marketing-forzierte Gesellschaftsträger

 Max Bill erscheint.

 P: ihm sich zuwendend :  Und Ihnen danken wir für Ihre Unterschrift zur unserer Initiative 1975 die jahrhundertalten Kastanienallee vor dem Schloss retten zu wollen, ein Drittel Jahrhundert vor Stuttgart 21..

14: Ich habe mit meinem Lebenswerk " Urban Fiction. Strolling through Ideal Cities..."  meine Aufgabe empirisch und möglichst unvoreingenommen die räumliche Gestaltung des Urbanen zwischen Vision und Utopie zu beschreiben..

 P: Lebensbegleitend kennen wir Sie und bist Du Günther Muster und Zeitgefährte, hast Du uns durch 100 Stadträume geführt, bist selbst darinnen flaniert, ja gestrolcht, augenscheinlich gelassen , gleich einem HansguckindieLuft mit altersgereifter Weisheit gekleidet und sammlungs-bepackt. Dabei boten sich Dir sowohl Schreckensgebilde, kafkaeske Räume, Verschleppungen und Strafkolonien, als auch romantische wie poetische Visionen von unerfüllten und realen Optimierungen..Berührend ist dabei das gemeinsame Aufbrechen - beispielhaft in der Welt und in einem kleinen Land wie Österreich
- 20 Jahre nach dem Grauen des Krieges und nach 10 Jahren Staatsvertrag im Zeit-Rucksack (geschickt verpackt am Schluss des Buchinhalts mit Russland und Österreich)..Nach den Mythen, Legenden, den Hochkulturen des Altertums, Mittelalters und der Neuzeit bis jetzt - tritt
wiedermal vor das Tor der Gestaltung (Kafka, Parabel ) das Naive, Spirituelle neben dem Virtuellen und frägt nach Vision und Utopie (Platon, Staat). Hoffen wir dass es beim Frage-Diskurs bleibt, nur der offene Dialog in gleicher Augenhöhe miteinander in Zeit und Raum verspricht gestaltend ein demokratisch-sokratisches Vorgehen zu einer Weltgesellschaft von mündigen Weltbürgern - wie es bei Dir Günther anklingt. 08-7 w.p.

16: Und ich möchte zu den inneren Räumen und Gängen wie es vorhin Malewitsch äusserte hinzufügen :
„Die schöne Seele begnügt sich weder mit einer nur ästhetischen Schönheit noch mit bloßer Moral. Sie bedeutet eine Ganzheit und umfassende Wertschätzung, eine umfassende und zugleich in sich ruhende Humanität.»

P: Genau das vermittelt Herr Höffe Ihre Schrift" Macht Tugend schön? Über Lebenskunst und Moral Darin stellen Sie fest, dass heute das Verständnis als "vollkommene Einheit" des Menschen verloren gegangen sei - Schiller, Rousseau und Wieland sind sozusagen die letzten Zeitzeugen auf dieser Zeitreise. Sie thematisieren diese Lebenskunst in I Besonnenheit./ Eudaimonie, fragen - ist Autonomie kontra Eudaimonie und warum moralisch? Schliesslich kommen Sie zu Kant und dessen These dazu, für diesen " wäre die schöne Seele ein Ideal / Vollkommenheit, sofern sie in einem Individuum / nur im stoischen Weisen und nicht in einer realen Person / nur als personalisiertes Ideal, existiert". Diese visionäre Utopie zur tugendhaften Schönheit wäre aber ein mögliches Gegenmuster zur Lebenskunst, gerade heute

17: Unterschätzen Sie nicht meine Boshaftigkeit !

P: Ich halte dagegen:  Ihre Aussagen Fürst Schwarzenberg, sind nicht nur weitsichtig und altersweise, dennoch scharfzüngig leuchtet da ein zeitkritisch-europäisch entflammter Geist in Ihnen auf wenn Sie mit Barbara Toth sich als ein grosser Visionär erweisen, wie es in ihrem Buchtitel heisst und im Fliesstext ein Paradebeispiel dazu. „T: Ich möchte mit Ihnen über die Zukunft Europas sprechen. S: Um Gottes willen. T: Warum? S: Wir haben in Europa jegliche Vision, jegliche Vorstellung davon verloren, was wir wollen und wozu wir da sind.“
Es ist eine Lust Ihnen als Zeitgefährten zu begegnen, um bereichert zu werden, während wir,  parallel dazu, das eigene Mitspielen in den unteren Rängen des Zeitenlaufs, dessen Auf und Ab repetieren und so geniessen können.

B: .. Alles was Ideen, Träume und Utopien waren, ist virtuell verwirklicht. Du stehst vor dem Paradoxon einer Freiheit, die keine Finalität hat …

P: Für diese Schlussbemerkung danken wir  im besonderen Ihnen Beiden  und allen
aktiven Teilnehmern für das überaus anregende, transdisziplinäre Gespräch …

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