Onlinejournal    Kultur . >        < Suchen  > > >   Finden  >

 

pa4-10-4heere-tragisches

<< PA4-10-4 Heribert Heere: Das Tragische, Böse, Negative. Essay - In Bild und Wort >>

Bilder / AQUARELLE
dionysos felipe goliath hl.magdalena
holofernes-pan-superman illyana johannes
 

Essay (gekürzte Fassung) mit Fazit im PA4-Diskurs
Inhalt

.pa4-10-4heere-tragisches
Heribert Heere: Das Tragische, Böse, Negative

Bilder / AQUARELLE

Handlungsfigurationen:
dionysos / lebenszugewandt
felipe / junger Mann, brasilianisch
goliath / popanz,
hl.magdalena / heilig, poligam
holofernes-pan-superman
illyana / fantasiefigur, osteurpäisch, fremdartig, willfährig ja/nein
johannes / homoerotisch

Inhalt  und Fazit des Diskurses

1 Digitale Collage: Tragik und Euphorie
H
Diese Art von „computergestützter Malerei“ lässt sich also im weiteren Sinne einer Collage zuordnen; die durch den Rechner mit unendlich vielen, differenzierten Möglichkeiten ausgestattet ist.
Jede Collage ist gekennzeichnet durch ein Herausreißen von Fragmenten aus einem ursprünglichen sinnhaften Zusammenhang und einem mehr oder weniger willkürlichen Wiederzusammenfügen zu einem gänzlich neuen Kontext. Dieses Herausreißen ist einerseits von einer gewissen Tragik, einer Trauer über das verlorene Ganze gekennzeichnet, andererseits von einer Euphorie über die neue überraschend geglückte Zusammenstellung. Walter Benjamin...
PA4
Digital, Überreal, auf der Suche, alles ist eine Collage, die dem Fraktalen in der Welt am nächsten kommt...

2 Tragische Dissimulation
H
David-Goliath
Bezeichnenderweise stellt der Maler sich nicht als David dar, was ja dem Künstler-Ego viel angemessener wäre, sondern als sterbender Goliath, dem gerade das Auge bricht. Man hat darin einen „geistreichen Einfall“ gesehen, in dem der Maler „seine Hinrichtung stellvertretend im Kunstwerk vollzieht“,
Begriff einer „ästhetischen Theodizee“ argumentieren, wie sie von
Nietzsche
entwickelt wurde: „Incipit tragoedia“ : Die Tragödie beginnt „mit Zarathustras Untergang“, mit seinem „in-die-Tiefe-Steigen“ aus seinem Wolkenkuckucksheim, aus seinem Elfenbeinturm. Doch „Irgend etwas ausbündig Schlimmes und Boshaftes kündigt sich an: incipit parodia, es ist kein Zweifel…“ . Es geht um die Erhaltung des Lebens überhaupt... Kunst ist die Ermöglicherin des Lebens“ überhaupt...
PA4
Dissimulation=beabsichtigte Verstellung, Verheimlichung, Maske ... ; Dissimilation=Ähnlichkeitsverlust, -ferne; Kunst als Spiegelung des Daseins, gnostisch, das Böse zulassen (Leibniz)...

3 Ästhetische Theodizee
H
Nietzsches
berühmte „Artisten-Metaphysik“, deren Credo darin besteht, dass „nur als ästhetisches Phänomen das Dasein und die Welt ewig gerechtfertigt ist
Es geht um die Erhaltung des Lebens überhaupt...„Kunst ist die Ermöglicherin des Lebens“ überhaupt
PA4
göttliche Weisheit mit dem göttlichen Bösen in der Welt in Einklang bringen....ähnlich A.Kluge: Zirkuskuppel und
um die Ästhetik als Ermöglicherin des geistig-seelisch-tragischen Lebens...


4 Dionysos: Erscheinung und „Chock“ (Benjamin)
H
Karl Kerenyi:
Das „Dionysisch-Tragische“ hat seiner ungeheuer detailreichen Studie zu Dionysos den Untertitel beigegeben: „Urbild des unzerstörbaren Lebens“ . Letzteres heißt in der griechischen Sprache „zoe“ im Gegensatz zu „bios“ und wurde jüngst von Giorgio Agamben zum Ausgangspunkt seiner Untersuchung zur modernen „Biopolitik“ gemacht
PA4
zoe, zoon, zoion: LebeWesen im abstrahierten Sinn und ; bios: Leben im individuellem Sinn;

5 Die Kunst und das Böse
H
In meinen Bildern arbeite ich vor allem durch die collagistischen Überlagerungen verschiedenster „Zeitsplitter“mit diesem ästhetischen Chockcharakter, wobei, wie in „Johannes“ sogar ein wirklicher Chock dieses Bild unbeabsichtigterweise skandalisieren könnte, wie der sexuelle Missbrauch in kirchlichen und weltlichen Internaten, dessen partielle Aufdeckung die Republik im Frühjahr 2010 bewegt. ..
Rilke: „das Schöne, das nichts als des Schrecklichen Anfang ist“ thematisieren, besonders was die parodistische Comic-Fratze betrifft, die auf den caravaggesken jungen hl. Johannes starrt, eine moralisierende Intention bekommen.
Insbesondere Eros und Sexus sind und waren (auch außerhalb des Christentums) sowohl mannigfaltigen Tabuisierungen wie auch endemischer massivster Gewalt ausgesetzt, wie die Tausende von Belegen bezeugen, die Hans Peter Duerr in seinem fünf-bändigen Opus „Der Mythos vom Zivilisationsprozess“ zusammentrug.
Verstrickungen werden dargestellt und nirgendwo sonst ist die Verquickung von Lust, Tragik und dem Bösen auf eine immer wieder neu faszinierende wie auch erschaudernde Weise thematisiert worden wie in der Kunst.
PA4
Medienvielfalt als anwendungsorientiertes Werkzeug methodisch wie im Tun zur Reflexionsarbeit nutzen;

6 Tragische Transparenz:
H
Körper, Leib in der Collage:
Aus der „Transparenz der Körper“ resultiert eine doppelte Tragik: zum einen ist der Körper, das Fleisch hinfällig durch Krankheiten und durch den Tod und zum zweiten vermag eine Collage der „Intertextualität“ oder besser gesagt der „Interbildlichkeit“ niemals den Charme der idealen Ganzheiten früherer Kunst auszustrahlen. Darin liegt aber auch deren Chance: So kann niemand unterstellen, in dieser „performativen“ Struktur des „gefrorenen“ Augenblicks der interbildlichen Collage läge ein nostalgisch rückwärtsgewandtes „Kunstwollen“.
PA4
Die Retrospektive ist stets imanent...

7 Gesellschaft des Spektakels
H
Roland Barthes: nach wie vor sind seine unübertroffenen Studien zu den „Mythen des Alltags“ in dem Sinne, dass alles Mythos sein kann: „Sport, Fotografie, Film, Reportage, Schauspiel, Werbung… jede beliebige Materie kann willkürlich mit Bedeutung ausgestattet sein“.
PA4
Dieses Spektakel verursacht in aktuellen globalen Info-Netzgesellschaft* "mental burning means at first burn in and at least burn out"
* real-time society, multitasking, der Mensch ein Multitasker, in der Kunst mixed media processing als Haupt-Werkzeug..


8 Ästhetischer Schrecken
H
„Holofernes trifft Pan und Superman“
zeigt uns fünf Gestaltkomplexe: Neben den im Titel genannten sehen wir oben, gleichsam eingefügt in die ineinander übergehenden Arme von Pan und dem kopflosen Superman, ein Frauengesicht, während in der Bildmitte sich ein Ziegen- oder Bocksmensch herauszukristallisie-ren scheint. Die griechische Bedeutung von „akephalos“ „kopflos, ohne Anfang“ inspiriert...
Bataille
in den 1930er Jahren zur Namensgebung seiner Geheimgesellschaft, die er „Acephale“ nannte. Dabei bezog er sich auf eine magisch-synkretistische hellenistische Gottheit, die sowohl einen altjüdischen Gott, wie auch Osiris (ein Verwandter von Dionysos!) und den Sonnengott beinhaltete.
Bataille und Walter Benjamin
intendierten mit ihrer Geheimgesellschaft und deren bizarren nächtlichen Riten nichts weniger als eine profane Religion, einen neuen humanen Mythos als Gegengewicht und Kampfinstrument gegen den faschistischen Pseudo-Mythos. ... „Bataille wollte eine neue Religion ohne Gott gründen, eine Religion ohne Kopf. ....
Thomas Mann
mit seiner Formel „Den Mythos ins Humane transferieren“.
Und Pan?
Konnte er sich wirklich von seinem parasitären Dasein als Hauptprota-gonist der gründerzeitlichen „Münchener Faschingsrenaissance“ (Julius Meier-Graefe) hin zu einer intertextuellen und transkulturellen Figur emanzipieren, deren Rolle als Halbgott schon in der Spätantike ausgespielt schien, als man seinen Tod verkündete? Vielleicht deshalb, weil „ihm als A-Sozialen alles erlaubt ist, was im sozialen Körper verdächtig macht: das Beharren auf Sinnlichkeit, auf Eingedenk-Sein des Todes, auf Schrillem und Chaotischem, auf der Anmaßung, dass Schönes und Hässliches einander bedingen“?
PA4
Kopflosigkeit macht sich breit, humaner Mythos (autistisch-egomanische Denk-Weise: George, Benn, Jünger...) überhöht den pseudomythischen Faschismus, Totalitarismus, die Oligarchie als Pseudo-Markenzeichen für Demo-, besser Dämmerkratie..
Dagegen geht es um Mass nehmen, Masshalten zwischen dem sich verlierenden und käuflichen Schönen und dem sich global steigernd-vermehrenden wie verfallenden Hässlichen.. in der aktuellen Welt..
..


Um diesen Artikel zu drucken markieren Sie ihn bitte mit gedrückter Maustaste und kopieren ihn in Ihr
Textverarbeitungsprogramm z.B. Word. !

Copyright © 1999 - 2014[kultur-punkt.ch]. Alle Rechte vorbehalten.

.