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 Online-Publikation: Januar 2011 im Internet-Journal <<kultur-punkt.ch>>
Ereignis-, Ausstellungs-, AV- und Buchbesprechung
<< Baecker, Dirk / Bolz, Norbert / Fuchs, Peter / Gumbrecht, Hans Ulrich / Sloterdijk, Peter: Luhmann Lektüren >>
159 Seiten, 12 x 19 cm, broschiert, (Ableger Bd. 6) im Juni 2010 erschienen, ISBN: 978-3-86599-113-3; 10.00 €
Kulturverlag Kadmos, Berlin; www.kv-kadmos.com

Inhalt
Als Hegel, mit dessen logischem Großunternehmen man Luhmanns Soziologie ja häufig verglichen hat, nach der absoluten Metapher für Philosophie suchte, kam er auf die Eule der Minerva, die erst in der hereinbrechenden Dämmerung ihren Flug beginnt. Und viele haben das so verstanden, als müssten wir erst auf die Weltphilosophie warten, um die Weltgesellschaft beschreiben zu können. Niklas Luhmann hat Hegels Metapher jedoch ganz anders verstanden: Philosophie, wenn es denn überhaupt noch eine geben sollte, steht nicht am Anfang, sondern am Ende der wissenschaftlichen Theoriebildung. Der letzte Satz der allgemeinen Theorie sozialer Systeme lautet deshalb: »Wir können jetzt der Eule Mut zusprechen, nicht länger im Winkel zu schluchzen, sondern ihren Nachtflug zu beginnen. Wir haben Geräte, um ihn zu überwachen, und wir wissen, dass es um Erkundung der modernen Gesellschaft geht.«
Dieser Band versammelt fünf gleichermaßen scharfsinnige wie scharfsichtige Erkundungen.

Herausgeber und Autorenteam
Dirk Baecker
Geboren 1955, Studium der Soziologie und Nationalökonomie in Köln und Paris, Promotion und Habilitation im Fach Soziologie an der Universität Bielefeld, Studienaufenthalte an der Stanford University, Johns Hopkins University, London School of Economics and Political Sciences, Heisenberg-Stipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft, seit 1996 zunächst Reinhard-Mohn-Professor für Unternehmensführung, Wirtschaftsethik und sozialen Wandel, dann Professor für Soziologie an der Universität Witten/Herdecke
Norbert Bolz
* 1953 in Ludwigshafen, ist ein deutscher Medientheoretiker, Kommunikationstheoretiker und Designwissenschaftler
Peter Fuchs:
http://www.unjekt.com/
Hans Ulrich Gumbrecht:
http://socanalytica.blogspot.com/2009/10/riskantes-denken-hans-ulrich-gumbrecht.html
Peter Sloterdijk::
http://www.petersloterdijk.net/
Wolfram Burckhardt:
http://www.perlentaucher.de/autoren/10586/Wolfram_Burkhardt.html

Fazit mit Inhaltsfolge
Das Diskursrundenbuch beginnt mit
Dirk Baecker
wusste in seinem Beitrag "Niklas Luhmann und die Manager" zu klären, wie es diesen gelingt, sich in die Dynamik eines sozialen Systems einzuklinken (gleich einem Virus, w.p.). Aus diesen Dynamiken schliessen erfolgreiche Manager ihre Wetten ab, soweit Baecker. (Nein danke, w.p.).
Norbert Bolz
schildert eine Phantomdebatte zwischen Luhman und Jürgen Habermas. Dabei bemüht er Hegels Metapher und die Philosophie, "wenn es überhaupt noch eine geben sollte..." schwebt am Ende der wissenschaftlichen Theoriebildung... "als Eule in ihrem Nachtflug" über der Gesellschaft. Sehr abgehoben und luftig wie uns scheint.
Peter Fuchs
beschäftigt die Gesellschaftstheorie im dritten Jahrtausend: Er geht davon aus, "dass das Konzept System in den nächsten Jahrzehnten eine Auflösung oder besser eine Durchstreichung erfährt" wird poetisch und zitiert Morgenstern mit einem "blonden Korken"..
Hans Ulrich Gumbrecht
vergleicht Luhmanns Theorie mit der philosophischen Tradition und schlussfolgert, Luhmanns Unterscheidungstheorie möglichst schnell zu vergessen und an der Energie seines Denkens zu partizipieren.
Peter Sloterdijk
hält dagegen die "Erbsünde, den Egoismus der Systeme und die neuen Ironien" relevant, in seinem ironietheoretischen Zusatz die von Komplexität und dem furor metaphysicus bestimmt wird. Und er folgert: "Nach Luhmann denken - das bedeutet für mich: die altehrwürdigen Begriffe der Liebe, der Seele, des Geistes, ... der Teilhabe am Anderen und der Existenz in verbindlich gemeinsamen Animations- und Motivierungsräumen ..neu zu fassen > Weltzustand (Hegel)":
Soweit, so gut, m+w.p11-1

Weitere Anmerkungen
http://archiv.kultur-punkt.ch/buchtipps/reclam3-2-04.htm
Beginnend mit Vorbemerkungen zu einer Theorie sozialer Systeme gibt Luhmann Hinweise zu seinen so genannten symbolisch generalisierter Kommunikationsmedien. Anschliessend sinniert er über die Un-Wahrscheinlichkeit der Kommunikation. Wie weit ist unser Bewusstsein dabei beteiligt. Schlendert zum Kunstbegriff, meditiert über die Codierbarkeit und die Erkenntnis als Konstruktion. Wer über mehr zum Paradoxen und zur Dekonstruktion wissen will, muss Luhman lesen.

Wie kaum ein anderer Intellektueller des 20. Jahrhunderts hat Niklas Luhmann die Gemüter bewegt, hat begeistert, provoziert, verblüfft, irritiert, kurz: Er war stets eine außergewöhnliche Quelle intellektueller
Energie und ist dies 10 Jahre nach seinem Tod auch noch heute. Vier ebenfalls herausragende Intellektuelle haben sich in den Freiburger Vorträgen dem Werk und der Person Niklas Luhmann genähert. Peter Sloterdijk betrachtet Luhmanns Innozentismus unter der Überschrift: "Der Advocat des Teufels", Dirk Baecker betrachtet "Niklas Luhmann und die Manager", Peter Fuchs untersucht die "Metapher des Systems" und Hans-Ulrich Gumbrecht zeigt Luhmann als den Meister des gegenintuitiven Aphorismus und sein Verhältnis zu Alteuropa.
 


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