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Online-Publikation: Januar 2009 im Internet-Journal <<kultur-punkt.ch>>
Ereignis-, Ausstellungs-, AV- und Buchbesprechung
<< Michael von Brück : Ewiges Leben oder Wiedergeburt? Sterben, Tod und Jenseitshoffnung in europäischen und asiatischen Kulturen >>
320 Seiten, 13,9 x 21,4 cm. Gebunden mit Schutzumschlag, ISBN 978-3-451-29599-7.
Verlag Herder GmbH, Freiburg 2007; www.herder.de
Erweiternder Hinweis: http://archiv.kultur-punkt.ch/akademie4/diskurs/suhrkamp-vwr08-2brueck-buddhismus.htm

Inhalt
Verzeichnis Ist mit dem Tode alles aus? Oder reicht die menschliche Bestimmung über den Tod hinaus? Dies ist die Kernfrage der menschlichen Existenz. Alle Religionen geben darauf Antwort. Die Vorstellungen von Tod und Todesüberwindung nach dem Glauben im christlich-europäischen Raum bilden einen deutlichen Kontrast zur hinduistisch-buddhistischen Lehre von Seelenwanderung, Wiedergeburt und Nirwana oder zu den Vorstellungen von der Seele und dem Tod in der chinesischen Welt. Der bekannte Religionswissenschaftler gibt einen souveränen Überblick über die verschiedenen Weltbilder und Glaubensgebäude, aber auch über Riten und Kulte, mit deren Hilfe sich Menschen mit dem Phänomen Tod und Sterblichkeit auseinander gesetzt haben. Eine faszinierende Gesamtschau der Jenseitsvorstellungen der Religionen.

Vertiefender und komprimierter Inhalt: Mythos, Ritus und Geheimnis als Hoffnung
Sterben, Tod und Jenseitshoffnung in europäischen und asiatischen Kulturen
wissenschaftliche Sorgfalt mit spirituellem Einfühlungsvermögen und interreligiöser Offenheit verbindet. Neben einer Einleitung zu Fragen der unterschiedlichen kulturellen Verständnisse von „Tod", Nah-Toderfahrungen und den Zusammenhang zwischen privatem und sozialem Tod und den kulturellen Voraussetzungen unserer Gesellschaft schreitet er drei Themenkreise ab:
1. Der Mythos der Todüberwindung im Mittelmeerraum und Europa,
im hinduistisch-budhistischen Raum und in China.
Hier erstaunt die mythische Vielfalt vom antiken Griechenland, über biblische Schwerpunkte bis hin zu Renaissance und Aufklärung und die Veränderungen im 19. Jahrhundert, aber ebenso die sich in Vishnu und Shiva ausdrückende Kosmologien und Bewusstseinszustände menschlicher Existenz.
2. Riten der Sterbe- und Bestattungskulturen unter Rückbezug auf den antiken Mittleren Osten, Ägypten und Griechenland
sowie das frühe Christentum sind der zweite Themenkreis, den er bis hin zu neuen Entwicklungen die Darstellung religiöser Varianten der „ars moriendi" abschreitet.
Eine Besonderheit ist dabei seine Darstellung im Blick auf die Musik und die Requiems bzw. Kantaten von Heinrich Schütz, Johann Sebastian Bach, Wolfgang Amadeus. Mozart, Johannes Brahms und Hans Werner Henze. Dem setzt er den Opfercharakter im Hinduisimus und die Stufen des Sterbens im Buddhismus gegenüber, wie sich diese ritualisiert in den karmischen Kreisläufen des Lebens zeigen.
3. Unter eschatologischen Gesichtspunkten „Das Geheimnis als Hoffnung" kommen die Themen Angst, Schicksal, Leere, Sinnlosigkeit, Schuld, Verdammung als Rahmenfelder des Todes zur Sprache.
Paul Tillich spielt für Brück dabei eine wichtige Rolle. Der Auferweckung der Toten im christlichen Bereich stellt er intensiv differenzierend Reinkarnationsvorstellungen aus Asien gegenüber, um in einem ausführlichen Schlussteil Relationen zwischen Erleuchtung im Buddhismus und Christentum aufzuzeigen, einzelne Reinkarnationsvorstellungen Indiens zu kritisieren,
aber eben nicht abgrenzend zu verurteilen, wie das im Christentum leider immer noch geschieht. Es geht ihm darum, auf die eine Wirklichkeit im Leben und Sterben hinzuzielen und damit faktisch einem dualistischen Verständnis von Leben und Tod, Diesseits und Jenseits den Abschied zu geben. Die verschiedenen Religionen haben dabei längst Gemeinsames entdeckt:
„In tieferen Bewusstseinsschichten entsteht eine Bewusstheit, in der es keinen Dualismus von erkennendem Menschen und erkanntem Gott gibt.
Auferstehung ist die Erfahrung dieser Einheit jenseits der Zeit, und wo keine Zeit ist, ist auch kein Tod. Was jenseits des Todes ist, wissen wir nicht …
Da das Bewusstsein in einen ‚Raum' der Zeitfreiheit
eintreten kann, ist es nicht unvernünftig anzunehmen, dass auch im Tod der Übergang in eine andere Bewusstseinsintensität geschieht, die an ‚feinstoffliche' Prozesse
gekoppelt ist, die im Tod neu konfiguriert werden" (S. 306).
Den Umgang mit dem Tod drücken in diesem Zusammenhang Symbole aus, die auf Verbindlichkeit und Hoffnung weisen, wie z.B. Baum, Ähre, Blume, Blüte, blaue Blume, Efeu, Ginkgo-Baum, Kreuz, Lilie, Samenkorn, Schmetterling und Sonne (S. 197-201).

Michael von Brück kommt sicher zugute, dass er nicht nur Religionswissenschaftler und Theologe ist, sondern dass seine Indienerfahrungen sowie seine in Japan gelernte Zen-Praxis es ihm ermöglichen, sich in andere Sterbekulturen hineinzudenken. Sein Ansatz ist darum nicht eine Differenzhermeneutik zwischen Ost und West, sondern ein differenzierendes und konvergierendes Verstehen der „Einen Wirklichkeit", die unterschiedliche kulturelle Auslegungen und Einübungen ins Sterben erfahren hat, aber nie fundamentale Gegensätze behauptet.

Autor
Michael von Brück, geboren 1949, ist Professor für Religionswissenschaft an der Universität München. Er lebte und arbeitete für längere Zeit in Indien und in den USA. Über seine wissenschaftliche Tätigkeit hinaus hat sich Michael von Brück zum Zen- und Yogalehrer ausbilden lassen. Er ist Mitglied unterschiedlichster wissenschaftlicher Gremien weltweit und Beirat des Goethe-Institus.

Fazit
Michael von Brück beantwortet mit grossartigem Impetus und Vermögen in seinem Buch "Ewiges Leben oder Wiedergeburt?" systemoffen existenzielle Fragen nach Sterben, Tod und ewigem Leben, gibt Mut und Hoffnung, umrahmt von reichhaltigem religionswissenschaftlichem Material aus den Kontexten des Mittelmeeres bzw. Südasiens und Ostasiens.
Kurzum: benennt von Brück abschliessend den Schlüsselbegriff Hoffnung als Näherung zum Brahman oder nirvana / das Wahre selbst oder die Einheit-in-allem, womit wir uns in diesem Diskurs dem platonischen Begriff UNUM, dem Unfassbaren und Unbegreiflichen nachbarlich begegnen > siehe auch http://archiv.kultur-punkt.ch/akademie4/;  w.p.09-1
 


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