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Wahlverwandtschaft / Affinität (affinitas)
Verbundenheit aufgrund ähnlichen Wesens, seelisch-geistig-sozial-synästhetisch grosso modo zustimmungsbereit

Wahlverwandt
im Wesenähnlich, seelisch-geistig-sozial-synästhetisch verbunden, grosso modo zustimmungsbereit…


http://archiv.kultur-punkt.ch/akademie4/
Platon Akademie 4

Wahl, bei Platon, des eigenen Lebens im Jenseits , Politea 617d/e
Vorgedanken: Das Licht ist das Band des Himmels-Gewölbe..an ihm hängt die Spindel der Notwendigkeit.
=..Wirtel ( Quirl, Scheibe, Kugel, Schwungrad, Spulenring (mhd) > Wendel = Lebenszeitraum (* w.prankl)
= drehen, wenden (< lt. vertere …)
= wirt-lich (< aktiv) (passiv > gastlich ..der Mensch ..Gast dieser Welt in Wendelbewegtheit *)
…die Spindel dreht sich im Schoss der Notwendigkeit (Bedingt-, Gegebenheit*)
… oben steht und tönt Sirene, sich mitdrehend, rundum sitzen und singen die Töchter der Notwendigkeit / Moiren: Lachesis (von zeit zu zeit eingreifend bald da oder dort..), Klotho (rechts drehend und Atropos links drehend)…Götterherold stellt sie auf und verkündet: Nicht euch wird ein Daimon erkiesen, sondern ihre wählt euren Daimon (Übertragung  der Selbstverschuldung auf den Menschen, Platon’s Lehransatz..)…
Des Wählenden ist Schuld, Gott ist schuldlos… Vollkommenheit ist herrenlos…Lose entscheiden über Lebensbilder…


http://www.klassikerwortschatz.uni-freiburg.de/Beispiel/Wahlvw.htm

Jean Paul:
Siebenkäs (Drittes Bändchen, Zwölftes Kapitel; 1796)

Ich habe jetzt nicht Zeit, Leibgebers eigenmächtige Mitteilung fremder Papiere an eine Freundin mit langen Druck-Seiten gegen Leser zu verteidigen, welche in dergleichen außerordentliche Delikatesse [Takt, Feingefühl] begehren und beobachten [einhalten, folgen]; es sei genug, wenn ich sage, daß Leibgeber jedem, der ihn lieben wollte, zumutete, er müßte ihm auch seine andern Freunde mit lieben helfen, und daß Siebenkäs, ja sogar Natalie in seinem kühnen Mitteilen nichts fanden als ein freundschaftliches Rundschreiben und seine Voraussetzung dreiseitiger Wahlverwandtschaft.

Bedeutung: 'innige Freundschaft', 'aus freier Wahl gewordene Verwandtschaft'

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Johann Wolfgang von Goethe:
Wahlverwandtschaften (Theil 1, Capitel 4; 1809) [GW I, 20, S.53]

Hier ist eine Trennung, eine neue Zusammensetzung entstanden und man glaubt sich nunmehr berechtigt, sogar das Wort Wahlverwandtschaft anzuwenden, weil es wirklich aussieht, als wenn ein Verhältniß dem andern vorgezogen, eins vor dem andern erwählt würde.

Chemie

Bedeutung: In der heutigen Chemie wird der Terminus 'Affinität' gebraucht, 'Aufgabe einer Verbindung zugunsten einer stärkeren'.
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Geschichtliche Bewegungen
 
http://www.dhm.de/ausstellungen/wahlverwandtschaft/wahlverwandt.htm
Skandinavische Bewegung
Wahlverwandtschaft – dieser Begriff für chemische Prozesse stammt von dem Schweden Torbern Bergman aus dem Jahre 1775. Goethe greift ihn in seinem Roman Die Wahlverwandtschaften 1809 auf – seither hält er sich auch als Bezeichnung für menschliche und kulturelle Verbindungen und Abstoßungen. Diese sind Gegenstand der Ausstellung: die Begegnungen im 19. Jahrhundert zwischen Dänemark, Norwegen und Schweden auf der einen und Deutschland auf der anderen Seite. 

  Nach der Französischen Revolution und den Napoleonischen Kriegen begann in Europa die Suche nach der jeweiligen nationalen und kulturellen Identität. In den deutschen Landen glaubte man die ›germanische‹ Kultur in der nordischen Mythologie und Literatur zu entdecken – eine Kulturgemeinschaft mit dem Norden wurde konstruiert. Gleichzeitig fühlten sich die Skandinavier mit der deutschen Kultur verbunden.
Fridtjof Nansen und Sven Hedin


Als erstem Menschen gelang dem Norweger

Fridtjof Nansen

im Sommer 1888 die Überquerung des grönländischen Binneneises. Er überwinterte in Grönland und wurde bei seiner Rückkehr zum Nationalhelden. Die Nordpolexpedition Nansens dauerte von 1893 bis 1895. Fridtjof Nansen und Fredrik Hjalmar Johansen waren von der im Eis festsitzenden Fram mit 28 Hunden und Proviant für 100 Tage aufgebrochen. Am 8. April 1895 gaben sie es jedoch auf, noch zum Nordpol zu gelangen – weiter nördlich war vor ihnen noch niemand gewesen.

Der schwedische Geograph und Forschungsreisende

Sven Hedin

hatte seine Ausbildung u. a. in Berlin erhalten. Mit seinen Entdeckungsreisen nach Zentralasien wurde er berühmt. Die Bücher über seine Reisen wurden auch in Deutschland zu Bestsellern. 
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Wotan, Thor und Freia

Mit Richard Wagner’s
Zyklus Ring des Nibelungen wurde 1876 das Festspielhaus in Bayreuth eröffnet. Für die Handlung verwendete Wagner Motive aus altnordischen Mythen, die er in deutschen Ausgaben der Edda und isländischer Sagas fand. Seither lieferten seine Opern die einprägsamsten Bilder, aus denen die Germanen-, aber auch die Norden-Vorstellungen zusammengesetzt sind. Die Götter der nordischen Mythologie sind zu germanischen geworden.

Auch in Skandinavien kam es zu einer wahlverwandtschaftlichen Begegnung mit Wagner. In Schweden etwa schrieb der Wagner-Epigone und Nationalromantiker Wilhelm Peterson-Berger die Oper Arnljot. Der Popularität Wagners in Deutschland wie in Skandinavien tat sein Antisemitismus keinen Abbruch – eher im Gegenteil: Viele Anhänger der völkischen Bewegung begeisterten sich für ihn und seine Schriften.

1912 wurde anläßlich Wagners 100. Geburtstages die Nibelungenhalle eröffnet. Der von den Architekten Hans Meier und Werner Berendt entworfene Rundbau mit Apsis und Vorhalle barg unter einer Eisenbetonkuppel mit den ›Sternen des nordischen Himmels‹ zwölf Gemälde von Hermann Hendrich, der sich insbesondere mit der Verbindung von norwegischer Natur und ›germanischer Mythologie‹ einen Namen gemacht hatte.
Sowohl das hakenkreuzartige vierfache ›F‹ rechts (›frisch, fromm, fröhlich, frei‹
– dieses Symbol benutzte der wegen seines ›Arierparagraphen‹ 1889 aus der deutschen Turnerschaft ausgeschlossene Deutsche Turnerbund seit 1907) als auch der Judenstern rücken den Kultbau in den Zusammenhang von völkischer Ideologie und Antisemitismus ( Davidstern). Das ›Nordische‹ kommt auf dem Plakat außerdem in der Verwendung von Drachenstilmotiven zum Ausdruck. Heute wird die Nibelungenhalle als Reptilienzoo genutzt.

Kat.-Nr. 122: Hermann Hendrich, Die Nibelungenhalle zu Königswinter a. Rh., 1913, Plakat, 20,8 x 31 cm (Königswinter, Marlies Blumenthal, Nibelungenhalle Königswinter)
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Soziale Gerechtigkeits-Bewegungen

  Kennzeichnend für die Sozialgeschichte Skandinaviens ist die Massenemigration nach Amerika und die relativ späte Industrialisierung. Daher traten dort weniger soziale Spannungen auf als in anderen Ländern.

Die durch Europa wandernden Handwerksgesellen trugen die sozialistischen Ideen vor allem aus Deutschland über Dänemark ins übrige Skandinavien. Der Marxismus spielte in der pragmatischen Alltagspolitik kaum eine Rolle.

Die Politik der sozialistischen Parteien Skandinaviens gestalteten vor allem Handwerker und Intellektuelle der Oberschicht wie Hjalmar Branting, erster sozialdemokratischer Minister und Regierungschef Schwedens. Er unterhielt enge Kontakte zum gemäßigten Flügel der deutschen Sozialdemokratie und bezeichnete seine sozialistische Erziehung als eine deutsche.

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Reform-Bewegungen: Luft, Licht, Sonne Lebensreform und nordische Helden

Befreiung vom Muff der vollgestellten Bürgerwohnung, eine neue Ernährung, Bewegung an der frischen Luft, Freikörperkultur: eine Reform des Lebens forderten gegen Ende des 19. Jahrhunderts verschiedene Gruppen in Deutschland. Einzelne Impulse, wie die ›schwedische Gymnastik‹, wurden aus Skandinavien aufgenommen, der Sera-Kreis um den Verleger Eugen Diederichs feierte die Mittsommernacht mit schwedischen Volkstänzen, und der Maler Fidus verherrlichte den ›nordischen‹ Menschen.

Viele Deutsche begeisterten sich für die abenteuerlichen Reisen der nordischen Entdecker Fridtjof Nansen und Sven Hedin sowie für die Reformpädagogik der schwedischen Schriftstellerin Ellen Key.
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In zahlreichen Publikationen engagierte sich Richard Ungewitter für die Verbreitung der ›Nacktkultur‹, die er als Allheilmittel gegen den körperlichen und seelischen ›Niedergang‹ des modernen Großstadtmenschen propagierte. Gleichzeitig trat er für eine bewußte ›Rassenzüchtung‹ ein, da durch die christliche und sozialistische Verbrüderung eine gefährliche Mischung der Rassen entstanden sei. Die Skandinavier stellte er als einzige noch ›reine Rasse‹ als Vorbild dar, die außerdem auch das ›Nacktbaden‹ kultivierten. Schon die Mischehen zwischen dem ›nordischen‹ und dem ›alpinen‹ Menschen hätten zum körperlichen ›Niedergang‹ geführt. »Aus Gründen der gesunden Zuchtwahl fordere ich deshalb die Nacktkultur, damit Starke und Gesunde sich paaren, Schwächlinge aber nicht zur Vermehrung kommen«, – so sei es laut Ungewitter schließlich schon bei den alten Germanen gewesen, die »neben ihrem Waffen- und Jagdhandwerk gleich den Hellenen das Nackttanzen zwischen Schwertern und Spießen« geübt hätten.

Kat.-Nr. 634: Richard Ungewitter (Hrsg.), Die Nacktheit in entwicklungsgeschichtlicher, gesundheitlicher, moralischer und künstlerischer Beleuchtung, Stuttgart 1909 (Berlin, Uwe Puschner)

 Die mit der Lebensreform verbundene Kleiderreform propagierte ein dauerndes ›Freiluftgefühl‹ des Körpers und damit das Ablegen geschnürter Kleidungsstücke. Besonders gegen das Korsett, das bei extremer Anwendung zu anatomischen Deformationen führen konnte, richteten sich die Einwände. In der Auffassung des für die lebens-reformerische Nacktkultur werbenden Heinrich Pudor war das Korsett für die Prostituierten erfunden worden und kein »anständiges Weib« sollte ein Korsett tragen. Mit dem ›schwedischen Busenheber‹, dem Vorläufer des heutigen Büstenhalters, vermochte man nun die Forderung nach einer zwangsloseren Kleidung zu realisieren.

Das Lichtgebet, das Fidus in immer neuen Variationen gestaltete, war die Ikone der Lebensreformbewegung. Als Postkarte, Kohledruck oder großformatiger Farbdruck hing es in zahlreichen Wohnzimmern von ›Wandervögeln‹ oder sonstigen Jugendbewegten. Voller Inbrunst reckt sich der nackte, ›reine‹ Jüngling dem segenspendenden Licht entgegen – eins mit dem Kosmos. Der Felsen ähnelt denen vom Moldefjord und verstärkt die nordische Stimmung. Das quasi-religiöse Motiv entsprach außerdem den Bestrebungen der religiösen Erneuerungsbewegungen, eine ›arteigene Religion nordisch-germanischen Ursprungs‹ als Ersatz für das ›jüdisch-undeutsche Christentum‹ zu begründen.

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Die ›nordische Wiedergeburt‹ –

Völkische Bewegung und Rassenbiologie

Mit ›völkisch‹ meinte man seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts einen ethnisch exklusiven, meist antisemitischen Nationalismus. Die völkischen Bewegungen vertraten die Auffassung, daß die Kultur aus dem Norden gekommen sei. Die rasch fortschreitende Industrialisierung verunsicherte viele Menschen und ließ sie nach einfachen Lösungen suchen – da kam das konstruierte Ideal einer nordischen Vorzeit gerade recht: Der nordische ›Barbar‹ wurde zum Vorbild erklärt, und als ›legitimer Nachfolger‹ forderte man das Recht auf Weltgeltung.

Enge Kontakte bestanden auch zwischen deutschen und schwedischen Rassenbiologen. Sie klassifizierten ›Rassentypen‹ und stellten eine Hierarchie der Völker auf: ganz oben natürlich die ›reinrassigen‹ Skandinavier und Deutschen.
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Anthropometrische Bewegungen

Nur wenige Wissenschaften vereinen so deutlich gelehrte und ungelehrte Triebkräfte wie die Rassenforschung der Jahrhundertwende. Der Vormarsch der Naturwissenschaften trug allgemein zu einer Sicht auf den Menschen bei, die auf Beobachtungen baute. Alle Eigenarten des Menschengeschlechts zu messen und zu beschreiben, wurde für viele Anthropologen und Rassenbiologen zur Forschungsaufgabe per se. Indem sie Individuen in abgrenzbare ›Rassentypen‹ klassifizierten und unter ihnen eine Rangordnung aufstellten, legitimierten die Rassentheorien auch eine spezifische Gesellschaftsordnung. Es war eine Ordnung, in der der Europäer mit gutem Gewissen den Afrikaner ausbeutete, in der man der Frau unter Verweis auf die Größe ihres Gehirns Rechte verweigerte und in der man Kriminalität als angeborene Eigenschaft betrachtete. Die Rassenforschung war nur in dem Grade genau, wie man ihre Ergebnisse immer als Bestätigung der Vorherrschaft des weißen Mannes interpretieren konnte.

Kat.-Nr. 278: Ein Stündchen bei den Schädelmessern, in: Daheim, 1879, Beilage 29, Zeitschrift (Berlin, Staatsbibliothek)

 Die schwedische Rassenforschung zeichnete sich lange Zeit durch Kartographieprojekte aus. Messungen an 45.000 Rekruten in den Jahren 1897/98 folgte zu Beginn der 1920er Jahre eine an 100.000 Schweden vollzogene Studie. Das staatliche rassenbiologische Institut in Uppsala, gegründet von Hermann Lundborg, zeichnete damals Körperlänge, Haarfarbe, Nasen- und Ohrenbreite sowie eine Reihe anderer Daten auf. Jahrzehntelang vermaß man die schwedischen Samen. Die gigantischen Kartographierungen der menschlichen ›Rassentypen‹ erscheinen heute unbegreiflich, aber sie beruhen auf Vorstellungen, die im Gegensatz zur rassenbiologischen Forschung nicht ausgestorben sind.

Anthropometrische  Design- und Therapie-Bewegungen

Ein frühes Beispiel:
http://www.dhm.de/ausstellungen/wahlverwandtschaft/15katalog.htm
Kat.-Nr. 623: Schwedischer Busenheber,
in: Anna Fischer-Dünckelmann, Die Frau als Hausärztin, Stuttgart 1913, S. 158 (Berlin, Staatsbibliothek zu Berlin)


Mit dem ›schwedischen Busenheber‹, dem Vorläufer des heutigen Büstenhalters, vermochte man nun die Forderung nach einer zwangsloseren Kleidung zu realisieren.

Corbusier
: Architektur-Modul
Dreyfuss: Anthropometric Charts
Berdel: Soziales Design
Prankl: Sitzhöhenmodul, Urbaner Modul
Elfriede Bender, Annette Marx, Ergotherapeutinnen:

Vom Behandeln zum Handeln

Ergotherapie.Bender-Marx@gmx.de
Menschen jeden Alters mit Erkrankungen und Störungen aus den medizinischen Fachbereichen: Pädiatrie, Neurologie, Psychiatrie, Geriatrie, Orthopädie, Rheumatologie, Traumatologie.

Ergotherapie wird durch den jeweiligen Fach- oder Hausarzt verordnet. Für alle Kassen zugelassen.
Ergotherapie beinhaltet: Präventive und rehabilitative Massnahmen. Ganzheitliche, aktive Behandlung. Diagnostische Verfahren. Behandlungsplanung und Analyse. Handwerkliche Tätigkeiten. Gestalterische und musische Prozesse. Herstellung, Adaptionen und Erprobung von Schienen und Hilfsmitteln. Training von Lebenspraktiken und alltagsrelevanten Handlungen. Wohnraumanpassung. Förderung von Grundarbeits-Fertigkeiten. Arbeitsplatzgestaltung. Beratung von Angehörigen.

Folgende medizinisch notwendige Behandlungsmassnahmen werden durchgeführt:
Ergotherapeutische Befunderhebung. Motorisch-funktionale Übungsbehandlung. Sensomotorisch-perzeptive Behandlung. Hirnleistungstraining. Behandlung bei psychischen Störungen. Thermische Anwendungen. Herstellung temporärer Schienen. Behandlung der psycho-sozialen Kompetenz in Gruppen. Hausbehandlung.

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