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Philosophie Akademie Kulturpunkt Thema:  Starrheit : Bewegtheit

Zum virtuellen bis persönlichen PAk-Diskurs am 5. November 2005

Quellen: die in den Diskurs einfliessen, sind der Briefverkehr und die neu entstandene Bildfolge von Heribert, die im Herbst 2005 entstanden sind: Serie von Originalzeichnungen, vor antiken Repliken in der Glyptothek gefertigt, sowie Ölgemälde der Serie Fortuna: I Flügelwesen; II Maske; III VIP…

Resümee des Gespräches zwischen Heribert, Marga und Walter:



Reihe Glyptothek : Von der Stille zur Bewegtheit

Um der Starre der Stimmen der Stille (Malraux) oder den bewegungslosen hellenestisch-römischen Skulptur-Repliken in der Glyptothek in München bei ihrem Anblick und Verweilen zu entgehen, nutzt Heribert eine innerlich vorgeahnte wie äusserlich bedachte Bewegungstechnik. Dabei entsteht in der ersten Phase beim Zeichnen vor Ort mithilfe von Graphit 6B ein nichtlineares und kurviges Messgitter; in der zweiten Phase wird mit Kohle oder Rötel ein plastische Vitalität mit Licht und Schatten erzeugt, die die Starrheit der Repliken auflösen und eine besonders anmutende Bewegtheit erspüren lassen.
Beim Anblick dieser Figurensituationen haben Betrachtende das verunsichernde und beinahe erschreckende Gefühl von Lebendigkeit, vergleichbar der Ankunft des steinernen Gastes.
Dieser ungemütliche bis zum Grauen sich verstärkende Eindruck wird gesteigert, da diese Skulpturen zumeist Torsen sind. Es fehlen ihnen häufig Körperteile wie Hände, Arme, Beine bis Köpfe… Hinzu kommt, dass sie dadurch nicht mehr selbständig zu stehen vermögen und sie durch Stäbe oder andere technische Verbindungen gleichsam prothetische Hilfen aufweisen, um ihre Standfestigkeit, Starre oder Stille erlangen….So assoziieren diese Torsi an Kriegs- oder Unfalls-Versehrte und erlangen so eine geradezu unheimliche fiktiv plastisch vorgetragene Aktualität, was durch das mit dargestellte architektonische Umfeld noch konzentriert wird.
So sieht Heere – neben der Bildserie zur Plastik der Antike auf  die klassizistische Plastik wie von Canova verwiesen – eine vermehrt gesteigerte Notwendigkeit, dieser durch seinen spezifisch entwickelten Gestus der plastischen Darstellung in verstärkter Weise zu begegnen.

Reihe Ausschnitte: Von der Bewegtheit zur Stille


Bewegtheit : Stille
 täuschend ähnlich zu verwandeln, ist ein grossartiges Unterfangen, insbesondere wenn wir die Flut von Video und PC-Installationen gegen halten, die uns lediglich an die Oberfläche führen und unsere gegenwärtigen Betrachtungsweisen - gleich einem Wassertropfen an heisser Herdplatte - im Hochgeschwindigkeitstempo besinnungslos zerplatzen lassen.
Mit Degas – so Heere – verschwindet ausschnitthaft das Bewegungsmotiv ( u.a. Rennpferd...hier Auto, Flugkörper, Glücksengel) und bei Heere wird das ausgeschnittene Teilmotiv so aneinander gereiht, dass sich Bewegtheit und Ruhe in ein approximatives Gleichgewicht in der Gesamtmotivgruppierung einander gegenüber stehen.

Fazit:
Es kann so von einem zerstückelten Erinnern in der Vorgangsweise der Malerei Heeres und in unserer durch die Mediengesellschaft verstärkte Betrachtungsweise ausgegangen werden, wie wir es auch vom Film, TV-Zappen und PC-Klicken her kennen, bei Heere jedoch in komprimierter Gestalt ästhetisch verdichtet..
Und für uns - eine Diskurs-Anregung, um aus dem Tohuwabohu unserer Sinneseindrücke unserer überhitzten Informations- und überwiegend  lügenverbreitenden Meinungs-Gesellschaft ein eigenes gleichgewichtiges Energiefeld aufzubauen....?


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