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PA4-13-11gutleben-derrida
Philosophische Entfaltung  der Phänomenlogie zur Dekonstruktion
Theorien zu Natur und Gebrauch von Zeichen/Worten
bei Derrida und seinem Wirk-Umfeld

 Post-/Strukturalistisches Denken
kennzeichnet unterschiedliche geistes- und sozialwissenschaftliche Ansätze und Methoden, die Ende der 1960er Jahre zuerst in Frankreich entstanden, die sich auf unterschiedliche Weise kritisch mit dem Verhältnis von sprachlicher Praxis und sozialer Wirklichkeit auseinandersetzen. Einsicht:  die Sprache bildet die Realität nicht bloß ab, sondern mittels ihrer Kategorien und Unterscheidungen .
Mit dieser Perspektive ist auch eine Abkehr von einer objektivistischen Sicht auf die Gesellschaft verbunden, die soziale Tatsachen als notwendig ansieht; stattdessen werden die unterschiedlichen Möglichkeiten (Kontingenz*) gesellschaftlicher Entwicklungen betont.
Theoretiker : Michel Foucault, Jacques Derrida, Gilles Deleuze, Jean-François Lyotard, Roland Barthes, Jacques Lacan, Louis Althusser, Jean Baudrillard, Slavoj Žižek, Ernesto Laclau, Julia Kristeva, Chantal Mouffe, Judith Butler und Hélène Cixous zugerechnet.

*) Kontingenz

(Philosophie) Zufälligkeit der potenziellen Ereignisse im Gegensatz zu metaphysischer schicksalhafter Notwendigkeit

(Soziologie), prinzipielle Offenheit menschlicher Lebenserfahrungen

(Evolution) Abhängigkeit der langfristigen Entwicklung des Lebens auf der Erde von Zufallsereignissen

(Psychologie), gemeinsames Auftreten zweier Merkmale bzw. die Verbundenheit zweier Ereignisse

(Logik), Aussagenform, die sowohl wahr als auch falsch sein kann

(Geschichtswissenschaft), die Vereinbarkeit von Kausalität und Offenheit der Geschichte

Terminologie und Argumentation
„Ecce Animot. Weder Species noch Gender noch Individuum ist es eine irreduzible** lebendige Vielfalt von Sterblichem (…)
Es öffnet uns für die referentielle Erfahrung der Sache als solche; als das, was es in ihrem Sein ist“

**)irreduzibel (ein System, das nicht auf tiefer liegende Einheiten zurückführbar ist, siehe
Emergenz  (:spontane Herausbildung von neuen Eigenschaften oder Strukturen eines Systems )

Derrida

Philosophische Dekonstruktion
Derrida.Jakobsen.Bataille.Foucault.Blanchet.deSaussure.Kofman.Engelmann

 

Phänomenologische Reduktion
Erfassen des Seienden und das Verstehen von dessen Seienden
Heidegger
Methodische Verschränkung von Destruktion

Heidegger
:

Heidegger 1

Phänomenlogische Konstruktion

Entwerfen des sogenannten Seienden auf sein Sein und dessen Strukturen

Heidegger 2

:

Kritischer Abbau überkommener Begriffe
Heidegger 3
:

Abendländische Tradition der Metaphysik
Heidegger
:

Phänomenologie
Husserl
Die Phänomenologie phainómenon ‚Sichtbares‘, ‚Erscheinung‘ und λόγος lógos ‚Rede‘, ‚Lehre‘) ist eine philosophische Strömung, die in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts von Edmund Husserl geprägt Deren Vertreter sehen den Ursprung der Erkenntnisgewinnung in unmittelbar gegebenen Erscheinungen, eben den Phänomenen. philosophische , naturwissenschaftliche, literarische oder psychische. Sie unterscheiden sich nur in der Art, wie sie mit dem unmittelbar Gegebenen umgehen
Husserl forderte von der Philosophie, sich vorschneller Weltdeutungen zu enthalten und sich bei der analytischen Betrachtung der Dinge an das zu halten, was dem Bewusstsein unmittelbar (phänomenal) erscheint. Damit brach er mit dem um 1900 vorherrschenden Psychologismus, der die Gesetze der Logik als Ausdruck bloßer psychischer Gegebenheiten sah, wodurch Objektivität prinzipiell unerreichbar sei. Etwa ab 1907 verband er seine Phänomenologie mit der Transzendentalphilosophie
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http://de.wikipedia.org/wiki/Edmund_Husserl
PA4-13-11gutleben-derrida

 

Derrida sieht die binären hierarchischen Gegenüberstellungen in einer logozentrischen Denktradition, die er in den Kontext einer „Carno-Phallogozentrischen“, d.h. einer vom Primat Fleisch essender menschlicher Männer ausgehenden Position gestellt hat.[29] Derrida schreibt deshalb von einem „Interesse, (…) die Frage nach dem Ursprung von Verantwortlichkeit“ zu radikalisieren.[30]

„Wenn wir davon sprechen wollen: von der Ungerechtigkeit, der Gewalt oder der Respektlosigkeit denen gegenüber, die wir noch immer in unserer Verwirrung Tiere nennen […] Dann müssen wir die metaphysische anthropozentrische Axiomatik, die im Westen das Denken von Gerechtem und Ungerechtem dominiert, in ihrer Totalität neu diskutieren.[31]“

Ein sprachlicher Mechanismus das Tier archetypisch für das Andere zu konstruieren ist nach Derrida bereits der Begriff „Tier“ an und für sich oder vielmehr die Tatsache, dass eine „Mannigfaltigkeit von Wesen“ unter einem einzigen homogenisierenden Begriff subsumiert wird.

„All die dekonstruktorischen Gesten, die ich philosophischen Texten gegenüber, insbesondere denen von Heidegger, erprobt habe, bestehen darin, die voreingenommene Missachtung dessen, was man das TIER im Allgemeinen nennt, und die Art und Weise, wie diese Texte die Grenze zwischen MENSCH und TIER interpretieren, in Frage zu stellen. In den letzten Texten, die ich zu dieser Sache veröffentlicht habe, ziehe ich die Bezeichnung ‚TIER’ im Singular, als ob es den MENSCHEN und das TIER gäbe, schlechthin in Zweifel, als ob der homogene Begriff Das TIER sich auf universelle Weise auf alle Formen des nicht-menschlichen Lebens erstrecken könnte.“

Um die Rolle von Sprechakten im Prozess der Konstruktion von Anthropozentrismus wie bei Heidegger zu unterstreichen, schlägt Derrida die Wortschöpfung Animot[A 2] vor.

„Ecce Animot. Weder Species noch Gender noch Individuum ist es eine irreduzible lebendige Vielfalt von Sterblichem (…) Es öffnet uns für die referentielle Erfahrung der Sache als solche; als das, was es in ihrem Sein ist“

Stimmen

In den ökofeministischen Human-Animal Studies hat Carol J. Adams darauf aufbauend die These der abwesenden Referenten entwickelt. Nichtmenschliche Tiere werden dieser Idee folgend nicht nur als Mannigfaltigkeit im Wort „Tier“ homogenisiert, sondern auch durch Sprache abwesend gemacht: So sind etwa in den Begriffen „Fleisch“, „Leder“, „Wolle“ etc. die Bezüge zu den tierischen Körpern nicht mehr erkennbar. Laut Adams greifen vergleichbare Mechanismen auch in gesellschaftlichen Gewaltverhältnissen, die Frauen betreffen.[33][35]

Gary Steiner  kritisiert an Derrida,
dass er offensichtliche Konsequenzen aus einem erweiterten Personenbegriff, wie den Veganismus, nicht bereit sei anzunehmen oder zu fördern. Steiner greift die Position Derridas, dass „Sprache [immer] eine ambivalente Beziehung zur Wirklichkeit“[36] habe und kategorische Prinzipien stets „ein Instrument zur Beherrschung des Anderen“ seien, scharf an. So bezeichnet sich Derrida einerseits als ein „Vegetarier in der Seele“[38], lehnt aber das Propagieren vegetarischer Kultur ab, weil eine Tierrechtspraxis oder ökologische Kultur „die Herrschaft des Subjekts notwendigerweise reproduzieren“.

Diese Unmöglichkeit, feste Prinzipien zu formulieren, zwinge Derrida und seine Nachfolger wie Cary Wolfe und Leonard Lawlor eine Position der Tierrechte oder eines Gebots der Gewaltfreiheit gegenüber Tieren zurückzuweisen. Wolfe und Lawlor bspw. beschreiben ihre Position als eine „Theorie des minimalen Fleischkonsums“[40] und sind „normalerweise Vegetarier“[41] und nehmen etwa Positionen ein, die „keine spezifischen und konkreten Reformen befürworten“, weil „solche Reformen [immer] auf lokaler Ebene durchgesetzt werden (…) und regionale Unterschiede berücksichtigt werden müssen.“[42] Diese Position verliere dadurch jeglichen politischen und emanzipatorischen Charakter, denn „wenn es für uns nicht ganz leicht und günstig ist“, moralische Ansprüche von Tieren zu respektieren, können diese auch ignoriert werden und sind damit von vornherein überflüssig.[36] Zu Carol J. Adams hatte Gary Francione zuvor eine vergleichbare Kritik formuliert.

 


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