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PA4-12-8risikenIII.Wir-Wirkkraft.schueffel

<< Prof. em. Dr. med. Wolfram Schüffel '12-8: Positionierung zum Thema: Wir-Wirkkraft>>
Vertiefender Hinweis : www.kultur-punkt.ch/gesundheit-aktuell/v-projekte-lm12-2wartburgphaenomene-gesundheit.txt.htm

Prof. em. Dr. med. Wolfram Schüffel ehem. Direktor der Klinik für Psychosomatik
Kaffweg 17a, 35039 Marburg Zentrum für Innere Medizin, Philipps-Universität Marburg
Prof.em. Dr. W. Schüffel, Kaffweg 17a,35039 Marburg
Marga und Walter Prankl Telefon: (06421) 176330
Tel. Sprechzeit zw. 09.30-10.00 Uhr
Kulturpunkt Telefax: (06421) 176337
E-Mail: wolfram@schueffel.de
www.schueffel.com
Datum: 09.08.2012
prankl@kultur-punkt.ch
Einladung PA4-Diskurs Sonntag, 12.08.2012 ab 11.00 Uhr

Thema: Wir-Wirkkraft
Liebe Frau Prankl, lieber Herr Prankl,
haben Sie herzlichen Dank für Ihre Erläuterung in der Email vom 08.08.2012. Ich möchte Ihre Vorgaben aufgreifen und Ihnen nachfolgend meine schriftliche Stellungnahme zum Diskussionsthema des kommenden Sonntages zuschicken. Wenn ich Sie richtig verstanden habe, werden Sie diskutieren, die eingegangenen Beiträge hierbei einbeziehen und später wird es möglich sein, im Internet Einiges über Ablauf und Ergebnis nachzulesen.

Thema: Wir-Wirkkraft

I. Das Wir und dessen Wirkkraft sehe ich als DIE entscheidende Kraft menschlicher Entwicklung an. Sie ist zugleich die basale Kraft. Als Arzt suche ich die Wirheit in ihrer leiblichen Gesamtheit zu fördern (Schüffel, 2009). Mit Binswanger sehe ich im Wir den Ursprung wie den Verlauf des Lebens. Am Unmittelbarsten sehe ich die Wirheit wiedergegeben im Traum (T. Leydenbach, 2012:261-293; K. L. von Hutten, 2012:49-51). Das Wir ermöglicht das Du und das Ich. Also NICHT umgekehrt. Die Wirheit gestaltet sich immer wieder neu (K.Stellmach/H.Matthias, 2012:42-43). Es geschieht unter den widrigsten Umständen wie der Sucht (Witzel, 2012:90-93), unter schwerwiegenden Herzrhythmusstörungen und nach einer Wiederbelebung sowie nach Karzinombehandlung (Kolb, 2012:94-95). Wirheit entsteht nach einmaliger Teilnahme am Wartburggespräch (Fenner, 2012:31-33), nach vieljähriger Teilnahme und im höchsten Alter (Crodel, 2012:29-30).

II. Allgemein-menschlich, also in Gesundheit und Krankheit, unter dem Aspekt von Krise und Biografie gesehen (Hildenbrand, 2012:343-387), ermöglicht die Krise Aneignung transdisziplinärer Prozesse (also jenseits multidisziplinärer Perspektiven!!) und die Entwicklung von Zukunftsfeldern (Prankl & Prankl, 2012). Die Entwicklung verläuft zirkulär (Petzold, 2012:174-196).

III. Wiederum als Arzt und Therapeut sehe ich im Symptom bzw. im körperbezogenen Empfinden die leibliche Ausgestaltung der Wirheit (Schüffel, 2005; 2009:89-94; 325-327). Der plazentare Lebensbaum (S. Hoffmann, 2012:302-305; Janus, 1997/2011) ist das leibliche Urbild dieser Wirheit. Jedes Symptom, für welche Krankheit des Menschen es auch beStimmend ist, verleiblicht diesen Lebensbaum: Ein hartnäckiges Räuspern im Falle subakuten PTSD (Prochnow, 2012:217-231), hochgradiger Rückenschmerz bei depressiver Entwicklung (Landenberger, 2012:35), behindertes Sehen angesichts biografisch-kritischer Zuspitzung (Heidler, 2012:207-216), Kraftlosigkeit und Schwindel bei entgleistem Diabetes (Schneider, 2012:37-41) und schließlich in höchst aufschlussreicher weil lebensübergreifender Weise Gehbehinderung bei frühkindlicher Polio (G. Müller, 2012:197-206). - Ferner: In konzentrierter Weise werden insgesamt ca. 30 Fälle derartiger Krankheitsverläufe unter dem Gesichtspunkt „Krise und Biografie“ aufgeführt (Schüffel, 2009).

IV. Die Einsicht in engste Zusammenhänge zwischen Gesundheit, Krankheit und Biografie hat sich in atemberaubender Geschwindigkeit und nach längerer Anlaufzeit (praktisch nach einem dreißigjährigen Krieg in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts!!!) während der letzten 15 Jahre abgespielt (Schüffel in Freyberger, Loew, Richter, 2012). Wesentlichen Anteil hieran haben einerseits pragmatisch-klinische Arbeiten (Lauffer und Gudden in Herholz, 2009; in Schüffel 2012 :133-135 bzw136-141); andererseits theoriebezogene Arbeiten zu einer phänomenologischen Sichtweise (Welton, 2000, 2012; Fenner, 2012:294-301).

Viele Einsichten reiften in den Diskussionen der bisher 20 Wartburggespräche heran. Hierbei erfolgte im präverbalen wie im transverbalen Bereich eine erhebliche Förderung sowohl über die körperbezogene wie auch über die kreativ-künstlerisch orientierte Seite. Die Letzte wird vertreten durch Thomas Wirth aus Burgebrach/Bamberg, Wesentliche Beiträge sind zu verdanken: Burkhard Tuschling, em.Prof, der Philosophie in Marburg, der in das Denken von Hegel einführte. Er stellte die größte Öffnung nach außen her, indem er Arbeitsbeziehungen zum Philosophischen Department von SUNY at Stony Brook, Long Island, NY einrichtete.

Als Mitbegründer und Ideengeber der Wartburggespräche würde ich mich außerordentlich freuen, käme durch den vorliegenden Bericht und dessen Diskussion eine Arbeitsbeziehung zwischen Kulturpunkt und den folgenden Wartburggesprächen in Bad Nauheim zustande. Die nächsten, die 21 Wartburggespräche werden ablaufen: Sonntag, 27/01/2013 um 16.00h bis Die, 29/o1/2013 um 13.00h. Übergeordnetes Thema ab dem 20. Gespräch: Gesundheit als Grundrecht in der Welt - eine Utopie?

Literatur:
Herholtz,I., Johnen, R., Schweitzer, D. (Hrsg), Funktionelle Entspannung: das Praxisbuch; Schattauer, Stuttgart, 2009
Janus, Ludwig: Wie die Seele entseht; Mattes Verlag, Heidelberg, 1997/2011
Prankl, Marga und Walter, Höhere Erkenntnis II dank transdisziplinärer Bildung; PA4 Diskurs. Bildung statt Fachidiotie 2012-1/8; unveröffentlicht.
Schüffel, Wolfram: Das Erstgespräch aus ärztlich-phänomenologischer Sicht(2005); pdp 4:68-84
Welton, Donn: Toward a Semantics of the Symptom: The World of the Symptom
Donn Welton in Collaboration with Wolfram Schüffel; in
D.Lohmar, J. Brudzinska (Editors): Founding Psychoanalysis Phenomenologically; Springer, Heidelberg, 2012

Die meisten Literaturzitate beziehen sich auf die zwei Bücher:
Schüffel, Wolfram: Medizin IST Bewegung und Atmen; Projekte-Verlag, Halle, 2009
Schüffel, Wolfram: Wartburgphänomen Gesundheit, Projekte-Verlag, Halle, 2012
Im ersten Falle bin ich alleiniger Autor, im zweiten Falle Herausgeber.

Noch in diesem Jahr wird als Monografie erscheinen:
Freyberger, Harald, Loew, Thomas, Richter, Rainer:
Psychodynamische Psychotherapie (pdp); Empirisch fundierte Wissenschaft und professionell reflektierte Praxis
Einführung durch W.Schüffel:

Schattauer-Verlag, Stuttgart, 2012 (voraussichtlich November 2012); im Druck

Wolfram Schüffel,
Marburg, 09/08/2012

 


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