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PA4-12-8risikenIII-wirkkraft.1.ZukunftsFeld-Forschung ( Leggewie )

1 Modell Zukunft ( Leggewie)
Claus Leggewie ist Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen, Direktor des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen und Professor für Politikwissenschaft an der Justus-Liebig-Universität Gießen

Thesen-Auszug

- Mut statt Wut: Aufbruch in eine neue Demokratie
- Die europäische Erinnerung: Ein Schlachtfeld
- Die Europäer sind Weltmeister in der Nabelschau, ewig auf der Suche nach der europäischen Identität, ewig auf der Suche nach dem Stoff, der Europa zusammenhalten könnte. Selten wird darüber reflektiert, wie Europa aus nichteuropäischer Sicht wahrgenommen wird: als Schutzgemeinschaft, als Bollwerk gegen alle politischen und religiösen Einflüsse, die anscheinend nicht
dazugehören?
- Weniger als Mehr stösst in einer Region sehr wohl auf Zustimmung:
Das Postwachstumsstrategie wohl zum Erfolg führen, wenn sich wie am paradigmatischen Beispiel Südtirol in Bozen und seine Seitentäler mit anderen Regionalzentren in Vorarlberg und Tirol, in den italienischen Nachbarprovinzen, in den Schweizer Nachbarkantonen verbünden würde und, warum nicht, Allianzen auch im weiteren Umkreis der süddeutschen Bundesländer und der entfernteren Nachbarn von Frankreich bis Slowenien bildete. Nicht als mitteleuropäische Insel der Seligen und Wagenburg der Superreichen, sondern als weltoffenes und betont europäisches Kraftzentrum für eine ökologische Erneuerung, die sich am Ende auch wirtschaftlich rechnen könnte.
Solche Überlegungen stoßen natürlich auch im Vinschgau (oder im Markgräflerland) auf Bedenken bei Unternehmern und Managern, die ihre Gewinne schwinden sehen, bei Gewerkschaftlern, die vom Steuerwachstum Umverteilungseffekte erhoffen, bei Wirtschaftswissenschaftlern, die Null-Wachstum ohnehin für einen Sündenfall halten, und natürlich bei den politischen Eliten, die vor einem solchen langfristigen und riskanten Vorhaben zurückscheuen. Nur ist allen klarer denn je, dass Business as usual auch nicht sehr viel Erfolg verspricht.
Wie in einer Nussschale ist in dieser Gebirgsregion das versammelt, was Europas Möglichkeiten in der Welt sind: ethnonationale Regression, Weltmarkt-Führerschaft, grüne Alternative.
In diesem Koordinatensystem bewegen sich mehr oder weniger alle Nationalstaaten, aber – wie das Beispiel der deutschen Energiewende zeigt – verfolgen eigentlich alle, ihren Sonntagsreden und Lippenbekenntnissen zum Trotz, nationale Alleingänge. Die europäische Energiestrategie ist ein Flickwerk. Dabei kann nur intensive Arbeitsteilung und Kooperation die Klimaziele der EU erreichbar machen und das europäische Netz schaffen, das nicht nur die wirtschaftliche Interdependenz stärkt, sondern auch die Grundlage ist für politische Kooperation im Inneren der EU und mit den Anrainern im Osten und Süden.
Insofern sind gerade jetzt die lokalen und regionalen Initiativen so wichtig, aus denen allein eine europäische Gesellschaft, eine EU-Bürgerschaft und ein supranationaler Souverän werden kann. Es kommt eben auch hier auf uns, die Bürgerinnen und Bürger, an. Wir müssen nicht darauf warten, dass Joachim Gauck uns dazu auffordert.

 


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