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 PA4-12-11risikenIV4.2werte-nussbaum

 PA4-12-11risikenIV4.2: Werte für ein besseres Überleben von Martha C. Nussbaum

http://archiv.kultur-punkt.ch/buchtipps/suhrkamp5-99.htm

Zum Thema Überlebensregeln
W+B Agentur-Presseaussendung vom 10. Mai 1999
<<Martha C. Nussbaums Liste für ein besseres Überleben>>.
Martha C. Nussbaum: Gerechtigkeit oder Das gute Leben
Philosophische Abhandlung, herausgege-ben von Helinde Pauer-Studer; aus dem Amerikanischen von Ilse Utz. edition suhrkamp sv, Frankfurt am Main, 1999; 316 S., 24,80 DM.
www.suhrkamp.de


Martha C. Nussbaums Liste umfasst ein stark vages Konzept, wie sie selbst fest-stellt, das sich in Kontext und Motivation auf die Fähigkeiten und Fertigkeiten der Menschen von heute konzentriert und auf der antiken Philosophie, insbesondere von Aristoteles basiert. Ihr Essay setzt sich dabei sowohl mit der Gerechtigkeit zwischen Frau und Mann als auch mit der verteilenden Aufgabe des Staates auseinander. Der Charakter ihrer starken Konzeption betont den nicht-metaphysi-schen Charakter als auch die ethisch-politischen Merkmale für einen gerechten ja sozialen und demokratischen Staat. M.C. Nussbaum lehrt derzeit Philosophie an der Law School der Uni in Chicago. Den Anstoss zu diesem Buch hat die WIDER-Konferenz gegeben. Im World Institute for Development Economics Research der UN-Uni hat sie sich einge-hend mit der Entwicklungspolitik befasst. Dabei hat sie sich vom derzeit in Mode befindlichen Relativismus sowie der kantischen Sichtweise abgewandt.
Warum, fragt sich der unvoreingenom- mene Leser, wird da ein antiker Philo-soph zu Rate gezogen? Antwort: Wir sind gerade heute, in einer Informations-Gesellschaft virtuell zu einer Verwirrung verurteilt, dass wir die vor 2500 Jahren in grosser Gelassenheit und Ruhe ent-wickelten Denkweisen als überschaubare Muster klarer und übersichtlicher erken-nen können, die uns zu einem besseren Leben und dabei insbesondere zum Guten anleiten. Gleichermassen bezieht Nussbaum Stel-lung zum Universalismus, Partikularis-mus, Postmoderne und Feminismus. Mit Aristoteles eint sie die Reflexion über die Natur des Menschen, insbesondere dessen unzulänglich ausgestattete Grund-natur, die Verletzlichkeit und Begrenzheit seines Lebens. Hinzu tritt die Denknähe zu Hilary Put-nam, dessen interner, pragmatischer Re-alismus sie anzieht, der bbesagt, dass nur aus gemeinsamen Parametern mit anderen Subjekten Erkentnisse stimmig gewonnen werden können. Hinzu kommt ihr stoischer Denkansatz, der Gefühl und Verstand als identisch sieht, somit von einem vom Mitgefühl be-gleiteten Denken ausgeht. Überragend ist jedoch ihr Universalismus-Diskurs: Der Mensch ist Teil der Aus-stattung im Universum, den sie vehement gegen Derrida und Rorty debattiert. Schliesslich kommt sie zu einem Umriss des gesuchten Guten wobei sie die ethischen Merkmale: die personale Identi-tät, die Zugehörigkeit zum Anderen mit den verteilen Aufgaben des Staates ver-gleichend auflistet.
Nussbaums stark vage Konzeption geht, zusammengefasst gesagt, von einem in-ternen aber zugleich globalen Realismus aus, der durch die von ihr angefachte Langzeitdenkweise besonders anregend für eine vertiefende Weiterführung der Debatte und der Umsetzung im Einzelnen wie in einem auf uns zu kommenden Gedanken an einen Weltstaat eintritt. Ein überaus anregendes Buch, das zusam-men mit Ken Wilbers: Kurze Geschichte des Kosmos, den Universalismus-Diskurs weiterführt.


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