Onlinejournal    Kultur . >        < Suchen  > > >   Finden  >

 

 PA4-12-11risikenIV3.1kollektive   1

<< PA4-12-11risikenIV3.1: Der Begriff Kollektiv >>

(lat: colligere „zusammensuchen“, „zusammenlesen“) beschreibt unspezifisch soziale Gebilde, deren Zugehörige nach sehr verschiedenen Gesichtspunkten zusammengefasst werden – es kann etwa ein Volk, eine Klasse, eine Belegschaft sein.

Der Begriff in der Soziologie

In der Soziologie wird zwischen unorganisierten und organisierten Kollektiven unterschieden.

http://de.wikipedia.org/wiki/Kollektiv

Unorganisierte Kollektive

Mit dem Begriff Kollektiv wird in der Soziologie nach Robert King Merton u. A. allgemein eine Mehrzahl von Personen definiert, die aufgrund eines Systems von gemeinsamen Normen und Werten Gefühle der Zusammengehörigkeit entwickeln. Er unterscheidet sich hier von dem Begriff der Sozialkategorie, der demographisch Personen zuordnet und von dem Begriff der sozialen Gruppe, deren Mitglieder im Gegensatz zum Kollektiv miteinander in Interaktion stehen.

Vergleichbar definiert Ferdinand Tönnies den Begriff Kollektiv als Samtschaft und hebt das Merkmal des fehlenden organisatorischen Zusammenhalts hervor. Gemeinsame Willensentscheidungen und gemeinsame Handlungen kommen somit nur unter speziellen Voraussetzungen zustande.

Als abstrakte Kollektive werden im Gegensatz zur Masse und sozialen Gruppen von Leopold von Wiese soziale Gebilde wie Kirche und Staat bezeichnet, die aufgrund von „Dauerwerten“ einen „überpersönlichen Charakter“ erhalten.

Organisierte Kollektive

Als politisches Kollektiv wird ein soziales Gebilde mit fortschrittlichen und gemeinsamen Zielen bezeichnet, deren sich freiwillig organisierende Mitglieder durch gemeinsame Arbeit miteinander verbunden sind und nach den Grundsätzen der Gleichheit und Gleichberechtigung – oft nach dem Prinzip des Konsens – Entscheidungen treffen und handeln.

Nach vergleichbaren Strukturen und an dem Konzept der Räterepublik angelehnt, definierte Anton Semjonowitsch Makarenko das Prinzip eines marxistisch kommunistischen Kollektives. Hierbei ist jedes Kollektiv gleichzeitig Mitglied des Gesamtkollektivs einer insgesamt sozialistischen Gesellschaft.

Kollektive in der Alternativen Ökonomie [Bearbeiten]In der „Alternativen Ökonomie“ bezeichnet Kollektiv ein hierarchieloses Projekt oder einen selbstverwalteten Betrieb. Seit Ende der 1970er entstand in der Alternativbewegung in Westeuropa und Nordamerika eine Vielzahl dieser Kollektive, in denen oftmals die Entscheidungsstruktur und Vergütung auf folgenden Prinzipien beruht:

Konsensprinzip

Unter dem Konsensprinzip wird verstanden, dass die Entscheidungen in einem gemeinsamen Prozess stattfinden, dessen Ende zur Zufriedenheit aller Teilnehmenden führt.

Prinzip der Gegenseitigen Hilfe

Gegenseitigen Hilfe ist ein Begriff des russischen Anarchisten Peter Kropotkin, welches dem Konkurrenzprinzip gegenüber steht und auf Solidarität fußt. Die Tauschringe wären ein Beispiel für Gegenseitige Hilfe.

Prinzip der Gemeinsamen Ökonomie

Unter Gemeinsamer Ökonomie ist zu verstehen, dass es keine hierarchie- oder leistungsbezogenen Einkünfte gibt, sondern dass alle dasselbe Einkommen erhalten oder aber sich aus einer „gemeinsamen Kasse“ das nehmen, was sie ihrer Meinung nach benötigen.

Speziell wird damit auch Lebens- oder Arbeitsgruppe bezeichnet, in der die Gruppenaufgaben gemeinschaftlich angegangen werden und die Güter „zur gesamten Hand“ besitzt. Vgl. auch Gemeinnutz.

Räte-Prinzip

Kollektive verstehen sich zueinander nicht als in Konkurrenz stehend, sondern streben eine Vernetzung an, die nach dem Prinzip der Rätedemokratie funktioniert, womit im Wesentlichen gemeint ist, dass keine Entscheidungsbefugnis „nach oben“ delegiert wird, sondern bei den Kollektiven zu bleiben habe.

Besondere Formen dieser Art von Kollektivität sind die Kommunen, in denen zudem noch gemeinsam gewohnt wird, was dann als zusätzliches Prinzip von dem gemeinsamen Leben und Arbeiten verstanden wird. Da in Deutschland die Rechtsformen nicht explizit auf diese Kollektive und ihre Prinzipien zugeschnitten sind, entstehen oftmals rechtliche Probleme.[1]

In den Ländern des Südens („Dritte Welt“) war die Kollektiv-Bewegung häufig Hoffnung einer Selbstbefreiung im Sinne einer politischen und gesellschaftlichen Emanzipation. Dabei konnte man in vielen Fällen an Formen der traditionellen – kollektiven – Ökonomie anknüpfen, wie im Fall der Ejidos in Ecuador oder der Ujamaa in Tansania.

Eine – besonders erfolgreiche – Form der Kollektive stellen die Kibbuzim in Israel da, da hier drei kollektiv-fördernde Faktoren zusammenwirken:

1.gemeinsame religiöse Ideologie,

2.wirtschaftlicher Erfolg und

3.Bedrohung von außen (gemeinsamer äußerer Feind).

Das Kollektiv als Wirtschaftsform beruht auf der Vorstellung vom ,homo collectivus' der – im Gegensatz zum ,homo oeconomicus' – seine Individualinteressen bewusst zugunsten der Gemeinschaft zurückstellt.

Kollektive im Sozialismus

Gemälde „Diskussion im Neuererkollektiv“ von Willi Neubert auf einer DDR-Briefmarke von 1982In der DDR entsprach der Begriff „Kollektiv“ ungefähr dem, was man in der Bundesrepublik Deutschland „Arbeitsgruppe“ nennt. Bei den Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften und den Produktionsgenossenschaften des Handwerks wurde das Kollektiv als „Brigade“ bezeichnet.

Es wurden in Verlautbarungen und Agitprop auch große Kollektive zitiert, wie die Arbeiterklasse.[2] Es ging eher darum, die gesamte Bevölkerung genossenschaftlich zusammenzuschließen.[3]

Kollektivverhalten
bezeichnet die unstrukturierten Reaktionen und Verhaltensweisen einer größeren Anzahl von Personen in einem Problemlösungsprozess, die im Gegensatz zur sozialen Gruppe in diesem Prozess nicht durch Interaktion bestimmt ist und im Gegensatz zur Masse oder Mob sich nicht rein zufällig, sondern sich entwickelnd vollziehen. Entstehung und Verlauf des Prozesses sind beispielsweise bei der Bildung von öffentlichen Meinungen, bei Revolutionen oder Sozialen Bewegungen unterschiedlich.

Kollektivbewusstsein

(frz. conscience collective ou commune) ist ein soziologischer Begriff der Durkheim-Schule für die geistigen Eigenschaften und Werte einer Gesellschaft, die sich u. a. in Systemen wie Moral, Recht, Gewohnheiten, Sprache, Gewissen, Wissen äußern. Es ist die „Gesamtheit der Glaubensvorstellungen und Gefühle, die allen Mitgliedern derselben Gesellschaft gemeinsam sind“.[4] Allgemein ist auch die Rede von Volksseele, Kollektivseele, kollektiver Mentalität, Gruppenseele und anderen Gesamtheiten geistiger Eigenschaften eines sozialen Gebildes. Das Kollektivbewusstsein bringt die „Objektivität des sozialen Geschehens“ gegenüber den individuellen Motivationen der Menschen zum Ausdruck.[5] Die genannten, dem Kulturmenschen geläufigen geistigen Eigenschaften wurden in ähnlicher Weise auch von Lucien Lévy-Bruhl beschrieben, der sie mit den „mystischen Kollektivvorstellungen“

 (représentations collectives) der Primitiven verglich, vgl. a. → participation mystique.[6]

Nach Alfred Vierkandt bilden die Angelegenheiten einer sozialen Gruppe die kollektiven Bewusstseinsinhalte,

die das kollektive Subjekt in Form des „Wir“ gegenüber dem individuellen „Ich“ formuliert.

 


Um diesen Artikel zu drucken markieren Sie ihn bitte mit gedrückter Maustaste und kopieren ihn in Ihr
Textverarbeitungsprogramm z.B. Word. !

Copyright © 1999 - 2014[kultur-punkt.ch]. Alle Rechte vorbehalten.

.