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Die drei Evolutionsstufen

sozialer NetzwerkeMartin Weigert, 21.04.2010, 10:00, 11 Kommentare Social Networks dominieren das Internetgeschehen wie nie zuvor. Wir werfen einen Blick auf die drei Evolutionsstufen sozialer Netzwerke.

Seit ungefähr zehn Jahren gibt es klassische Social Networks mittlerweile, wenn man von schon in den neunziger Jahren existierenden Chatdiensten und sonstigen Arten virtueller Communities absieht.

Verfolgt man die Entwicklung der Netzwerke und beobachtet, woran führende Anbieter wie Facebook, Google oder Twitter gerade arbeiten, erkennt man drei grundsätzliche Evolutionsstufen, die Social Networks seit ihrem Entstehen durchlaufen haben. Und man versteht, wie tiefgehend die Folgen der Veränderungen für das Web sein werden, welche die Netzwerke in ihrer dritten Stufe gerade einleiten.

Stufe 1: Walled Gardens

Die erste Evolutionsstufe war die längste und dauerte ungefähr sechs bis sieben Jahre, vom Beginn des neuen Jahrtausends bis 2006/2007. In dieser Phase entstanden die ersten nutzerstarken, globalen Netzwerke wie Friendster (Start 2002), MySpace (Start 2003), Netlog (Start 2003), Hi5 (Start 2003) oder Bebo (Start 2005). Auch Facebook wurde in dieser Zeit gegründet und ging anfänglich als Dienst ausschließlich für Studenten der Harvard University im Jahr 2004 online.

Die erste Evolutionsstufe von Social Networks war geprägt von so genannten Walled Gardens, also umzäunten Anlagen, in die Nutzer durch eine Mitgliedschaft zwar hinein konnten, die sonst aber nach außen hin völlig abgeschlossen waren. Den konkurrierenden Anbietern ging es darum, schnell möglichst viele User zu registrierten Anwendern zu machen, um eine kritische Masse zu erreichen und durch Netzwerkeffekte exponentielles Wachstum zu erzielen.

In dieser Stufe entstanden auch deutsche Networks wie Xing (2003 als OpenBC gestartet), studiVZ (2005), lokalisten (2005) oder wer-kennt-wen.de (2006).

Stufe 2: Das Netzwerk als Plattform

Im Mai 2007 präsentierte Facebook – da bereits für jeden zugänglich – auf der Konferenz f8 seine Entwicklerplattform. Als erstes Social Network ermöglichte es der damals rund 25 Millionen Mitglieder zählende Dienst externen Websites, mit Applikationen innerhalb des Walled Gardens vertreten zu sein. Es folgte eine Art Goldrausch, bei der jeder Dienst mit Rang und Namen eine eigene Facebook-Anwendung entwickeln wollte.

Facebook gab damit den Startschuss für die zweite Evolutionsstufe von sozialen Netzwerken: Aus Walled Gardens wurden Plattformen – zwar nach wie vor mit teilweise schwer überwindbaren Mauern – aber immerhin durchlässiger als vorher, besonders für Anbieter, die hinein wollten. Erste Schnittstellen (API) ermöglichten es zudem, von außerhalb bestimmte Inhalte anzuzapfen, wie zum Beispiel den Newsfeed, der nach Autorisierung eines Nutzers von externen Applikationen ausgelesen werden konnte.

Zahlreiche Social Networks öffneten sich, entweder in Form eigener Entwicklerplattformen, oder als Teil der von Google angeschobenen OpenSocial-Initiative, die es erlaubt, eine Applikation bei mehreren Social Networks gleichzeitig verfügbar zu machen. Auch studiVZ und Xing ließen mit etwas Verspätung (ausgewählte) externe Applikationen auf OpenSocial-Basis zu.

Ein heute tonangebender Dienst des Social Web war übrigens frech und übersprang die erste Evolutionsstufe fast völlig: Twitter, das 2006 gestartete und heute neben Facebook in der westlichen Welt wohl populärste soziale Netzwerk, präsentierte sich fast von Tag eins als Plattform, indem es Programmierern die Möglichkeit gab, Software zu schreiben, die über offene Schnittstellen auf die Twitter-Funktionalität zugreifen konnte.

Anders als das Gros der bisher erwähnten Kommunikationsnetzwerke hat das Publikationsnetzwerk Twitter allerdings einen etwas anderen Ansatz, weil es nur unbedingt notwendige Kernfunktionen anbietet und den Rest externen Anbietern überlässt – eine Strategie, die sich möglicherweise in Kürze ändern könnte.

Von den deutschen Social Networks hat sich bisher kein Anbieter über die zweite Evolutionsstufe hinaus bewegt. Allerdings bastelt studiVZ an einer Art “studiVZ Connect”.

Stufe 3: Das Web als Plattform

Die dritte Evolutionsstufe von sozialen Netzwerken ist gerade in vollem Gange. Sie ist geprägt von der Dominanz einiger weniger, führender Anbieter, die nach vielen Jahren des Wachstums eine Stärke und Relevanz erreicht haben, die ihnen bisher unbekannten Handlungsspielraum einräumt.

War die zweite Phase geprägt von Netzwerken, die sich als Plattform präsentierten und möglichst viele Entwickler direkt auf die eigene Infrastruktur locken wollten, weiten in der dritten Stufe die größten Anbieter ihre Präsenz auf das gesamte Web aus. Nun geht es nicht mehr darum, möglichst viele Applikationen externer Anbieter in den eigenen, löchrig gewordenen Walled Garden zu befördern, sondern stattdessen die Social-Networking-Funktionalität auf die Websites Dritter auszuweiten.

Erneut war es Facebook, das hier mit Facebook Connect Ende 2008 den ersten Schritt machte und es damit erstmals Betreibern von beliebigen Websites erlaubte, einige bisher nur von facebook.com bekannte Features auf ihren Präsenzen zu integrieren. Dadurch wurde es für Besucher einer Site möglich, mit ihrer Facebook-Identität zu kommentieren oder Aktivitäten auf einer externen Site im Newsfeed der Facebook-Freunde zu veröffentlichen.

Twitter kocht unterdessen sein eigenes Süppchen und arbeitet fleißig daran, sich auf Websites Dritter zu verankern. Die @anywhere-Plattform soll es Betreibern von Onlineangeboten erlauben, eigene Twitter-Streams und -Konten besser auf der eigenen Site zu integrieren und das Twitter-Erlebnis so stärker auf externen Webangeboten erlebbar zu machen.

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Fazit

Die dritte Evolutionsstufe sozialer Netzwerke wäre nicht möglich gewesen, hätten sich die an dieser Front aktivsten Anbieter nicht zu Massenphänomenen entwickelt, die Hunderte von Millionen von Usern bei sich versammeln und damit für die komplette Internet- und Inhaltewirtschaft dermaßen relevant geworden sind, dass nun viele Websites daran Interesse haben, sich selbst zu einem Teil des Social Networks zu machen.

Die dritte Phase der Evolution sozialer Netzwerke bringt viel Innovation und Potenzial für die beteiligten Anbieter und Websites. Sie hilft Anwendern dabei, ihre Kontakte immer im Gepäck zu haben und leichter denn je Links, Artikel, Videos, Musik oder Produkte weiterzuempfehlen.

Gleichzeitig greift sie jedoch auch tiefer denn je in die Privatsphäre der User ein, da die diese Entwicklung antreibenden Networks nur so sicherstellen können, dass ihre Benutzer sich überall im Web als Mitglied von Facebook, Google etc. zu erkennen geben. Hier bahnt sich ein Konflikt zwischen Anbieter- und Nutzerinteressen an, dessen Ausgang derzeit nicht absehbar ist. Genau wie das, was nach Abschluss der dritten Evolutionsstufe kommen wird.

 http://netzwertig.com/2010/04/21/massenphaenomen-die-drei-evolutionsstufen-sozialer-netzwerke/

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Netzwerkeffekt

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Wechseln zu: Navigation, Suche Der Netzwerkeffekt (auch Netzeffekt) gehört in der Volkswirtschaftslehre zu den positiven externen Effekten. Er beschreibt, dass der Nutzen an einem Standard oder Netzwerk wächst, wenn dessen Nutzerzahl größer wird. Wenn der Nutzen für alle bei steigender Nutzerzahl weiter anwächst, spricht man von positiver Rückkopplung. Wird eine kritische Masse erreicht, so steigt die Nutzerzahl exponentiell an.

Beispiele für den Netzwerkeffekt findet man bei Software – unter anderem beim Internet, bei Microsoft Office oder bei Wikipedia – sowie auch bei Aktien und im Bereich der Telekommunikation. Die SMS-Funktion eines Mobiltelefones beispielsweise ist nur sinnvoll, falls es noch viele andere gibt, die ebenfalls ein Mobiltelefon besitzen und damit SMS benutzen.

Der Mitläufereffekt unterscheidet sich stark vom Netzwerkeffekt, da bei diesem ein gemeinsamer Nutzen nicht das Ziel ist.

 

 


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